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Freitag, 30.07.2010
 

Kolumnen

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Kolumne: Tragischer Amoklauf in Tokio

SZ behauptet: Spiele sind schuld

In Tokio tötet ein 25-jähriger Mann bei einem Amoklauf sieben Menschen und verletzt elf weitere schwer. Die Süddeutsche Zeitung bringt die Morde mit Computerspielen in Verbindung. Ein Kommentar von Gunnar Lott.

Von Gunnar Lott |

Datum: 09.06.2008


Eine Tragödie: In Tokio-Akihabara (Japan) hat ein 25jähriger Mann gestern in einem Amoklauf mindestens sieben Menschen getötet und elf weitere teils schwer verletzt. Der junge Mann fuhr seinen Lieferwagen in eine Passantengruppe und attackierte danach mit einem Messer wahllos Menschen. Die Polizei konnte ihn überwältigen, »Ich habe genug vom Leben« soll er bei der Festnahme gesagt haben. Akihabara ist das beliebte Elektronic-Shopping-Viertel von Tokio, dort gibt es Roboterhunde, Comics, Games, Kameras, Gadgets, PC-Hardware und vieles mehr -- für die meisten Tokio-Touristen gehört ein Besuch hier fest ins Programm.

Das, schrecklich genug, ist die aktuelle Faktenlage. Nachzulesen etwa bei der SZ Online oder bei n-tv, einen (Audio-)Kommentar des ARD-Korrespondenten Peter Kujath finden Sie hier.

Nun hatte aber Christoph Neidhart, der Japan-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, die Aufgabe, einen kurzen Artikel für die SZ von heute (Seite 10) darüber zu schreiben -- und da muss es im Hirn des Kollegen Klick! gemacht haben: Amokläufe, das hat doch bestimmt was mit Spielen zu tun, mag er gedacht haben. Aber ach, kein Hinweis auf Spiele in den Agenturmeldungen. Also fabulierte der Herr mal rasch ein paar Vorurteile dazu, schließlich ist der Tatort Akihabara. Ich zitiere:

»[...]nirgends in Japan fließt so viel Blut wie im friedlichen Akihabara -- Bildschirmblut. In manchen Computerspielen, die man hier kaufen kann, metzeln die Spieler [...] mit dem Joystick Tausende nieder. Sie rollen mit Panzern über Menschen [...] oder vergewaltigen kleine Mädchen, auch mit Messern.«

Wenn kein Zusammenhang da ist, konstruiert man sich einen, das ist der alte Trick. Schlimm nur, dass diese Zeilen aus der SZ stammen, einem Qualitätsmedium -- und nicht der Bildzeitung. Dass Japan ein anderes Verhältnis als der Westen zu Darstellungen von Sex und Gewalt (und trotzdem eine der weltweit niedrigsten Quoten an Gewaltverbrechen) hat, ist einem Japan-Korrespondenten wie Neidhart natürlich bekannt, dennoch stellt er es als Spiele-Phänomen dar. Wobei übrigens die hierzulande verteufelten Ego-Shooter mit ihren realistischen Gewaltdarstellungen in Japan kaum verbreitet sind: Gewalt in Videospielen ist im Mutterland der Konsolen zumeist stark stilisiert.

Aber Neidhart legt nach:

»Manche Japaner konsumieren [...] Gewalt obsessiv [...]. Diese Leute, oft Einzelgänger, decken sich in Akibahara mit Software ein.« »Ob der schmächtige Mörder [...], das Elektronik-Viertel bewusst als Tatort gewählt hat, war nicht klar.«

Aha. Da haben wir's: Für den Autor ist es offenbar durchaus klar -- mit den schwammigen Andeutungen soll der Eindruck erweckt werden, dass Ort und Tat einander bedingen und die Wurzeln der Tragödie irgendwie in der virtuellen Gewalt liegen müssen. Neidhart hat eh eine gespaltene Einstellung zur ganzen Sache: In einem Reiseführer beschreibt er Akihabara so:

»Hier decken sich jene vielen jungen Japaner, die notorisch scheu sind, mit jenem Spielzeug ein, das ihnen das Sozialleben ersetzt.«

Schon klar, Herr Neidhart. Anime, Gadgets, Games sind also Ihrer Meinung nach kein japanisches Kulturphänomen, sondern eine Randerscheinung, eine Art Fehlverhalten einsamer junger Männer. Dazu möge sich jeder Leser selber sein Urteil bilden.

Ich finde den ganzen Tenor der Artikels nachgerade gruselig. Gottseidank ist er eine Einzelsicht auf die Dinge: Kein anderes deutsches Medium, nicht einmal die Jungs von der als Spieleverleumder einschlägig bekannten Bildzeitung, hat (bislang) versucht, einen ähnlichen Zusammenhang herzustellen.

Wenn die SZ nicht ansonsten so eine verdammt gute Zeitung wäre, würde ich an dieser Stelle mit der Kündigung meines Abos drohen.

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Avatar Amaa
Amaa
#1 | 09. Jun 2008, 12:40
MEINE FRESSE!Jetzt kommt die süddeutsche zeitung auch noch auf die selbe idee wie bild.ich mein ich glaub auch das killerspiele dran schuld sind.jeder weis das schon,toll das die das auch bemerken.Und dass es vllt. jemand war der keine freunde und immer gemobbt wurde,dadurch dann irgenetwann so verzweifelt wurde da auch seine familie ihm keine beachtung schenkte und dann durchtrete und einen anschlag auf irgentwelche leute verübt. Das ist sowas von unwahrscheinlich.

KICKBANN FÜR KILLERSPIELE VOM SERVER WELT.

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Avatar ZockerZecke
ZockerZecke
#2 | 09. Jun 2008, 12:45
Hat denn niemand überprüft ob der Amokläufer geraucht hat? Ich sehe da nämlich einen direkten Zusammenhang zw Zigerattenkonsum und Gewaltbereitschaft! Nicht um sonst stehen auf den Zigarettenschachteln "Rauchen kann tödlich sein".
Man muss bei solchen Verlautbarungen Fassung bewahren und erwachsen gegenargumentieren (was GS ja auch macht). Natürlich springt einem bei solchen Meldungen das Messer in der Tasche auf, aber sobald Emotionen mit in die (Gegen-)Berichterstattung fließen, kann einem subjektive Darstellung/Interpretation von Fakten vorgeworfen werden. Deshalb sollte man, um solchen Möchtegern- Objektiven- Berichterstatter der SZ entgegenzutreten wenigstens selbst objektiv die Sachlagen darlegen. Das ist kein Appell an die GS Redaktion, sondern eher an die ganzen Mauler, die wirr mit Gegenargumenten umsich werfen und mit Emotionen einen Grad von Objektivität verlieren und somit den "Videospielern" ins Bein schießen. Erklärt es euren Eltern und Skeptikern objektiv ohne zu beleidigen. Stellen diese Fest, dass ihr ja gar nicht so abgedreht seid, sondern im Gegenteil ggf. anständig argumentieren könnt, sind Vorurteile schnell vom Tisch. Man muss den "Idioten" die Angst von den Spielen nehmen, "ganz einfach" ;-)
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varg696
#3 | 09. Jun 2008, 12:49
Ach du Schande...darf sich in Deutschland eigentlich jeder Trottel "Journalist" schimpfen?

Ich denke es wäre sicherlich interessant wenn die Gamestar diesen Herrn einmal anschreiben würde, und ihn bittet seine Behauptungen zu rechtfertigen...Könntet ihr das nicht bitte machen, liebe Gamestar Redaktion?

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Avatar ZockerZecke
ZockerZecke
#4 | 09. Jun 2008, 12:54
Die Leute suchen immer die einfachste Lösung ihrer Probleme. Dass Menschen austicken, liegt dann immer nur an einer Sache. Die Summe aus vielen Fehlern, die im Vorfeld begangen wurden, werden nie betrachtet.
Ego- Shooter/Gewaltspiele sind Gift für kleine Kinderseelen ebenso Gewaltfilme. Das steht für mich fest! Ein stabiles Elternhaus, verhindert aber wenigstens Amokläufe. Und ich glaube, das Wort Amok gabs schon vor den "Videospielen". ;-) Spiele bzw. Gewaltmedien unterstützen meiner Ansicht nur die Fehlentwicklung eines schon "kaputten" Menschens. Man sollte mal untersuchen, warum Väter ihre Töchter vergewaltigen oder Mütter ihre Kinder in Blumentöpfe stopfen müssen. Damit haben auch Amokläufe etwas zu tun! Eine kranke Gesellschaft mit vielen Krankheitsbildern. Ein Amoklauf oder ein Mord an seinem eigenen Kind sind nur Sympthome einer gesellschaftlichen Krankheit und werden nicht von einzelnen "Supermedien" hervorgerufen, die uns "labilen Menschlein" zu soetwas zwingen können. Käse!
Ich zocke selber "Gewaltspiele" und das schon seit Duke3d und Doom2 und bis auf ein paar Hausfliegen habe ich kein weiteres Lebewesen (bewusst) ins Jenseits bevördert. Wenn das Familiäre Umfeld stimmt kann ein Mensch so einiges ab, ob es natürlich gut/förderlich für die Entwicklung ist ist dennoch weiterhin fraglich.
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Avatar NoProff
NoProff
#5 | 09. Jun 2008, 12:56
Oo
Sicher, daß da nicht irgendwo ein Hinweis auf Ironie oder Sarkasmus versteckt war.

Das ganze klingt ja eher nach einer Parodie auf Prügelberichte, so wie Brontal 21.

Edit:
Mit Blick auf den Onlineartikel des SZ scheint man hier eher janusköpfig beide Lager bedienen zu wollen: Online die junge Generation mehr oder weniger neutral daüber in Kenntnis setzen, offline die Vorurteile der älteren Generation bestätigen.

Das nennt man dann wohl zielgruppengerechte Nachrichten.
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Avatar mandreas
mandreas
#6 | 09. Jun 2008, 12:57
Man merkt, dass in der Medienwelt die "Saure-Gurken-Zeit" Einzug hält. Wenn nicht genug Meldungen für eine Ausgabe zusammen kommen muss man die vorhandenen Nachrichten eben ein wenig "strecken".

Und so sicher wie das Amen in der Kirche wird die Taktik in dem Fall (böse Computerspiele) funktionieren,
denn es fehlt leider nie an dumpfbackigen Antwortbriefen erboster Jung-Gamer,
die zwar mit Recht wütend sind ob der ihnen angetanen Ungerechtigkeit,
dies aber mangels Sprach- und Rechtschreibkenntnis nicht vernünftig ausdrücken können und so für zusätzliche Unterhaltung sorgen.

Bravo, DAS ist Entertainment !
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Avatar sixflags
sixflags
#7 | 09. Jun 2008, 12:57
Tragischer Amoklauf in umstrittener SZ Redaktion. Ich behaupte: Bewusste Falschmeldung schuld!
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Avatar itistoolate
itistoolate
#8 | 09. Jun 2008, 12:57
Gab es im Journalismus nicht mal ein ungeschriebenes Gesetz laut dem man Fakten und eigene Meinung strikt von einander trennt? Oder ist mittlerweile nur noch die Auflage wichtig?
Ich dachte immer das wenigstens die SZ noch eine seriöse Zeitung ist...
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Avatar Amaa
Amaa
#9 | 09. Jun 2008, 13:00
ist echt ne gute idee,mach das mal bitte.
wenn ein normaler leser da einen brief hinschickt,bekommt er nichtmal ne antwort! abgesehen von der automatischen,wo drin steht dass sie sich mit dem brief auseinander setzen. war bei mir so: hab vor einem monat und einem tag ne mail an bild.de geschrieben,auch wegen killerspielen wo sie schwachsinn geschrieben hatten.das mit counterstrike,raketenwerfer etc. pp.
naja,bis jetzt hab ich immer noch keine antwort bekommen.
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Avatar Tobibbi
Tobibbi
#10 | 09. Jun 2008, 13:04
War wahrscheinlich wieder Final Fantasy, weil er dachte er wär Sephitoth
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