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Freitag, 30.07.2010
 

Interviews

GameStar fragt nach der Meinung wichtiger Entscheidungsträger und veröffentlicht die Interviews im original Wortlaut.
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»Schießen Sie bitte in den Kopf!«

Interview mit dem USK-Cheftester

Er überfährt Passanten, zündet Lazarett-Zelte an und versucht, Pixelleichen zu stapeln: Marek Brunner hat einen außergewöhnlichen Beruf. Im Interview erklärt der Leiter der USK-Testabteilung seinen Alltag und spricht über Counter-Strike, Zensur und traurige Erotikspiele-Hersteller.

Von Harald Fränkel |

Datum: 24.07.2009


Spieler wissen: USK steht nicht nur für »Unabhängiger Staat Kroatien«, sondern auch für Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle. Dass sich dahinter kein seelenloser Spaßbremsen-Apparat verbirgt, sondern in dieser Einrichtung pfiffige Menschen arbeiten, die ihren Einsatz für den Jugendschutz ernst nehmen, beweist der Leiter der Testabteilung, Marek Brunner. Wir sprachen mit dem Berliner über seine Arbeit, Zensur, so genannte »Killerspiele« und über Mütter, die ihren DSL-Router mit ins Bett nehmen, damit der Sohn nicht ständig World of Warcraft spielt.

Marek Brunner ist Leiter der USK-Testabteilung und selbst leidenschaftlicher Computerspieler. Marek Brunner ist Leiter der USK-Testabteilung und selbst leidenschaftlicher Computerspieler. Kürzlich kam es zu einer LAN-Party-Absage, weil Lokalpolitiker den Verzicht von »Killerspielen« gefordert hatten. Genannt wurden Counter-Strike 1.6 und Warcraft 3 - das erste Spiel hat die USK ab 16 Jahren freigegeben, das zweite ab 12. Wie fühlt es sich an, wenn die eigene Arbeit mit derartigen Aktionen lächerlich gemacht wird?

Marek Brunner: Es gibt eben verschiedene Wahrnehmungen von Spielen. Wer meint, die USK wäre zu lasch, meint damit letztendlich auch die Arbeit der Bundesländer, die sowohl die Gutachter stellen als auch den Ständigen Vertreter benannt haben. Aber Menschen werden immer alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre Welt vor dem Untergang zu bewahren. Es wäre nur schön, wenn man vorher ein paar Wissenschaftler und Profis aus dem Spielesektor anhören würde.

Aus Sicht einiger Politiker ein »Killerspiel«: Warcraft 3 (ab 12). Aus Sicht einiger Politiker ein »Killerspiel«: Warcraft 3 (ab 12). Es gibt Kritik an der Struktur der USK. Die Gutachter spielen nicht selbst, sondern lassen sich die Programme von USK-Testern vorstellen. Die seien als Spieler nicht objektiv.

Marek Brunner: Die praktische Frage ist: Wer soll denn Spiele spielen? Wird nicht jeder ein Spieler, der Spiele spielt? Würden die Gutachter spielen, würde das nicht nur enorme Zeit und Unsummen verschlingen, die Vorteile einer solchen Aktion wären zudem kaum sichtbar.

Welches Auswahlverfahren müssen Tester bei der USK durchlaufen?

Marek Brunner: Unsere Sichter werden gecastet. Es gibt eine Warteliste von 200 angehenden Testern, wir greifen uns die besten heraus. Neue Tester setzen wir zum Training erst einmal nur an bereits geprüfte Titel. Danach folgen Titel ohne Altersbeschränkung. Erst später lassen wir den Neuen auf die höheren Ratings los. Weibliche Sichter gibt es übrigens keine, die Männer waren bisher immer besser.

Die neuen USK-Kennzeichen gelten seit Juni (das Bild zeigt USK-Geschäftsführer Olaf Wolters und Monika Griefan, Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien, bei der Vorstellung). Die neuen USK-Kennzeichen gelten seit Juni (das Bild zeigt USK-Geschäftsführer Olaf Wolters und Monika Griefan, Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien, bei der Vorstellung). Die USK-Tester arbeiten mit einem schlauen Büchlein, das sich geheimnisvoll »Sichterbibel« nennt. Was steht da drin?

Marek Brunner: In der Sichterbibel stehen die Testgrundregeln für alle Genres. Was muss also wie durchgespielt, wer muss virtuell überfahren, erschossen oder geschlagen werden, welche Parteien sind wie zu spielen. Es ist praktisch ein »Worst Case«-Szenario mit allen bisher bekannten Wegen und Umwegen durch alle Genres. Alle Neuerungen, wie das In-Brand-setzen von Rot-Kreuz-Zelten in militärischen Strategiespielen, Regeln zum Online-Glücksspiel oder auch verbotene Symbole und erlaubte Abweichungen sind enthalten. Das Heft soll die Sichter zur Sorgfalt mahnen, gleichzeitig aber auch zu den fiesesten Aktionen inspirieren. Kann man Pixelleichen stapeln, um durch das Fenster den Zielraum zu erreichen? Solche Fragen müssen sich die Sichter jeden Tag stellen.

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Avatar Oxix
Oxix
#1 | 24. Jul 2009, 16:43
Guter Bericht!
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Avatar Rollora
Rollora
#2 | 24. Jul 2009, 16:55
Zitat von Oxix:
Guter Bericht!

nennt sich Interview ;-)
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Avatar Damian_Walker
Damian_Walker
#3 | 24. Jul 2009, 16:59
Spannendes Interview. Das sollten auch einmal die Politiker zu Gesicht bekommen ;).
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Avatar TheRauner
TheRauner
#4 | 24. Jul 2009, 17:00
sehr sympathisch der herr brunner :)
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Avatar Raging Bull
Raging Bull
#5 | 24. Jul 2009, 17:03
"Wie fühlt es sich an, wenn die eigene Arbeit mit derartigen Aktionen lächerlich gemacht wird?"
Das ist schon eine ziemlich suggestive Fragestellung (weiß der Fragesteller schon vorher die einstellung des befragten zum Thema?) die sich zum Glück nicht wiederholt. Ein einfaches "Wie fühlen Sie sich dabei?" wäre besser gewesen.
Ansonsten guter Artikel.
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Avatar Spyhunt
Spyhunt
#6 | 24. Jul 2009, 17:08
Wirklich super Interview! So ein "Blick hinter die Kulissen" kann viele Missverständnisse ausräumen.
Aber mein absolutes Lieblingszitat ist:

"Natürlich ist es für Hersteller von Erotikspielchen alles andere als marketingtauglich, wenn die Obersten Landesjugendbehörden in Zusammenarbeit mit der USK ein »ab 12« vergeben. Dann stehen schon mal verdutzte Vertreter in der Tür."

LOL Den Blick würde ich gerne mal live sehen :-D
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Avatar DUDI1969
DUDI1969
#7 | 24. Jul 2009, 17:09
gutes Interview... :)

Das sollten mal einige der politiker lesen, die ständig gegen "Killerspiele" sind... :D
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Avatar Xardo
Xardo
#8 | 24. Jul 2009, 17:18
Ich frage mich immer was es mit dem "in den Kopf schießen" auf sich hat. Ist es brutaler/bedenklicher virtuell jemanden in den Kopf anstatt an eine andere meist tödliche Stelle zu schießen?
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Avatar Oxix
Oxix
#9 | 24. Jul 2009, 17:19
Zitat von Rollora:
Zitat von Oxix:
G uter Bericht!

nennt sich Interview ;-)


Ich war am zocken. :P
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Avatar SethSteiner
SethSteiner
#10 | 24. Jul 2009, 17:19
Die USK betreibt keine Zensur? Anscheinend geht hier die Definition von Zensur auseinander, nur weil hier eine nicht staatliche Institution Freigaben erteilt. Es IST aber eine Zensur, wenn man die Entwickler oder Künstler zwingt ihre Produkte zu verändern oder sogar den Markt durch ihre Entscheidungen einschränkt.

Die USK bewertet zu streng, obwohl es zuwenig wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, wodurch weniger Spiele auf den deutschen Markt kommen oder zerschnippelt werden müssen.

Die USK kann eine Freigabe einfach nicht erteilen, was auf den Konsolen den sofortigen Tod bedeutet, denn Microsoft, Sony und Nintendo erlauben soetwas hier nicht.

Diese Beschneidung des Marktes, führt nicht nur dazu das weniger Spiele erhältlich sind, sondern das der Konsument eine kleinere Auswahl erhält, sowohl was Alte als auch was Jüngere Konsumenten angeht. Es beeinflußt die Wesensbildung der Jugendlichen, es schädigt die deutsche Marktwirtschaft und am schlimmsten: Es ist einfach eine Einschränkung der Freiheit ohne wissenschaftlichen Rückhalt.

Ergo: ZENSUR
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