Editorial
Journalistischer Ernstfall
Was eine eingespielte Redaktion wert ist, merkt man in außergewöhnlichen Situationen.
Als am 11. März der 17jährige Tim Kretschmer 15 Menschen und sich selbst tötet, schrillen
auch bei GameStar die Alarmglocken: Wir wissen aus Erfahrung, dass es nicht lange
dauert, bis in den Medien wieder über so genannte »Killerspiele« diskutiert werden wird
– meist unsachlich. Die Vorahnung täuscht nicht. Noch am gleichen Tag ist der Amoklauf
mit Counterstrike verknüpft, Politiker und Kriminologen fordern reflexartig Verbote.
Wenn unser Fachgebiet in dieser Weise im Licht der Öffentlichkeit steht, verstehen wir es als
unsere Aufgabe, die Debatte sachlich zu begleiten. Sofort stellen wir eine Sonderseite auf
GameStar.de, die Fakten sammelt und Hintergründe der Debatte erklärt. Gleichzeitig
schwärmt das GameStar-Team aus: Fabian Siegismund interviewt einen Militärexperten, Henry Ernst von der GamePro eine Psychologie-Professorin, Michael Trier spricht mit einem Medienpädagogen und kommentiert die Berichterstattung, Christian Schmidt gibt Tageszeitungen
Interviews, Toni Schwaiger und Nino Kerl befragen Münchener Spieler, vier Kollegen diskutieren in einer Video-Expertenrunde die Bedeutung und Risiken
von Gewaltspielen. GameStar hat eine lange Tradition der Auseinandersetzung
mit dem Thema, seit Jahren berichten wir über diese Debatte.
Keine andere Spiele-Webseite hat in den Tagen nach dem Amoklauf mehr als ein, zwei
Meldungen oder Artikel-Konserven zur Gewaltdebatte veröffentlicht. Dabei zeigen allein
die mehr als 250.000 Zugriffe auf unseren Artikel-Schwerpunkt in wenigen Tagen und die
über 500 Diskussionskommentare von GameStar.de-Lesern, wie sehr das Thema die
Spieler bewegt. Dass wir so schnell und umfassend berichten können, ist unserem
erfahrenen Team mit seiner guten Vernetzung zu verdanken. Und der Tatsache, dass wir
Computerspiele ernst nehmen.