Gamestar 07/2017
Erscheinungsdatum: 21. Juni 2017  |  Seitenumfang: 130 Seiten

Editorial

Wir befinden uns im Jahre 2017 n. Chr. Die ganze Spielewelt ist von den Service-Games besetzt … Die ganze Spielewelt? Nein! Ein von unbeugsamen Schweden bevölkertes Studio hört nicht auf, dem Trend Widerstand zu leisten. Im beschaulichen Uppsala hat Markus Schwerdtel den Entwickler Machinegames besucht und Wolfenstein 2: The New Colossus gespielt – den Nachfolger von Wolfenstein: The New Order, das unsere Leser 2014 zum besten Shooter des Jahres gewählt haben. Die Chancen stehen gut, dass The New Colossus diesen Titel verteidigt. Denn wie sein Vorgänger wird es ein Shooter, wie es ihn eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Ohne Echtgeld-Shop und Multiplayer, stattdessen mit eindeutigem Fokus auf eine lange und abwechslungsreiche Solokampagne, durchsetzt mit liebevollen Details und witzigen Gameplay-Ideen, die Markus bereits selbst erleben durfte. Ein Shooter wie aus einer anderen Zeit – weil sich die Schweden auf das konzentrieren, was sie am besten können: intelligent modernisiertes Oldschool statt neumodischer Service-Experimente.

Lebt lange und in Freuden

Kurz zur Erinnerung: Service-Games sind Spiele, die uns möglichst jahrelang bei Laune halten sollen. Mit immer neuen Inhalten, Events, DLCs und Mikrotransaktionen. Das ist zweifellos ein Erfolgsrezept. Laut der Marktforscher von Superdata Research setzte Blizzards Overwatch allein im Jahr 2016 über 585 Millionen Dollar weltweit um, so viel wie kein anderes PC-Spiel, das verpackt angeboten wird. Weil Blizzard eben nicht nur das eigentliche Spiel verkauft, sondern auch Lootboxen mit Kosmetik-Items. Heldenschmuck bietet auch League of Legends feil, das erfolgreichste Free2Play-Spiel der Welt, das 2016 sagenhafte 1,7 Milliarden Dollar umgesetzt hat. Und Ubisoft vermeldete kürzlich, dass Ghost Recon: Wildlands und For Honor in Nordamerika, Europa, Afrika, Australien und Japan die bestverkauften Spiele des ersten Quartals 2017 waren – plattformübergreifend. Auch Wildlands und For Honor sind Service-Games, auch sie sollen jahrelang laufen. Okay, For Honor hat vor allem auf dem PC mit rückläufigen Spielerzahlen zu kämpfen, weil Ubisoft Lags, Verbindungsprobleme und Abstürze nicht in den Griff bekommt. Dennoch: Am Service-Game, so scheint es, kommt keiner mehr vorbei. Spiele müssen langlebiger werden, schlanker starten und dann über Jahre hinweg wachsen. Das muss nichts Schlechtes sein, im Gegenteil, der Service-Game-Urvater Counter-Strike beglückt bis heute Millionen Spieler und E-Sports-Fans. Auch For Honor und Wildlands sind im Kern gute Spiele – Langlebigkeit bringt schließlich nichts, wenn das eigentliche Spielgeschehen keinen Spaß macht. Doch der Vielfalt unseres Hobbys kommt es enorm zugute, dass es auch noch andere Projekte gibt, solche, die sich dem Trend verweigern. Und zwar nicht nur Low-Budget-Titel aus der wundervollen Indie-Szene, sondern auch solche, die von namhaften Publishern finanziert werden – hinter Wolfenstein 2 steht immerhin Bethesda, eine der größten Spielefirmen der Welt. Und die kann Zeichen setzen für die gesamte Industrie: Seht her, es geht immer noch anders! Zumal niemand wirklich erklären kann, wie viele Service-Games es eigentlich geben soll, bis der Markt auch davon völlig übersättigt ist.

Viel Spaß beim Lesen und Spielen!
Michael Graf

 
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