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Interview mit Danny Ledonne

»Zensur von Spielen ist eine bedenkliche Entwicklung«

GameStar sprach mit Danny Ledonne, dem Macher des Dokumentarfilms »Playing Columbine«, über Gewalt in Spielen, Zensur und die Freiheit der Kunst.

Von Daniel Raumer |

Datum: 29.05.2011


Zum Thema » Playing Columbine Hintergrund: Das Spiel, der Film Borderlands: Pre-Sequel ab 39,99 € bei Amazon.de Der US-Amerikaner Danny Ledonne (29) veröffentlichte 2005 das provokante Freeware-Spiel Super Columbine Massacre RPG!, in dem man den Schul-Amoklauf im amerikanischen Littleton von 1999 nacherlebt. Die Kontroverse um das Spiel arbeitete der junge Filmemacher im Dokumentarfilm Playing Columbine auf, der 2008 erschien. GameStar sprach mit Danny Ledonne über Kritik am Spiel, über seinen Film und die Frage, was erlaubt ist und was nicht.

GameStar: In deinen Dokumentarfilm »Playing Columbine« sagst du, der Weg des geringsten Widerstandes wäre es gewesen, dein Spiel einfach wieder aus dem Netz zu nehmen. Würdest du rückblickend betrachtet irgendwelche Entscheidungen anders treffen?

Danny Ledonne: Ich würde das Spiel auf keinen Fall aus dem Internet löschen. Ich bin froh, dass es immer noch da ist, damit Menschen es begutachten und darüber diskutieren können. Es ist ein Teil der Spielegeschichte, wenn auch ein sehr umstrittener.

Wenn ich tatsächlich etwas anders machen könnte, dann würde ich das Spiel nicht mehr anonym veröffentlichen, wie ich es im ersten Jahr getan habe. Die Diskussion »Wer hat dieses Spiel gemacht?« ist die falsche. Die sinnvollere und produktivere Auseinandersetzung muss meines Erachtens über Columbine und die interaktiven Medien stattfinden.

Interview mit Danny Ledonne : Danny Ledonne - hier in einer Szene aus dem Film Playing Columbine - entwarf das kontroverse Super Columbine Massacre RPG. Danny Ledonne - hier in einer Szene aus dem Film Playing Columbine - entwarf das kontroverse Super Columbine Massacre RPG.

GameStar: Du vertrittst die Ansicht, dass Spieldesigner Künstler seien, und in der Kunst sei alles erlaubt. Sollte es nicht auch hier bestimmte Grenzen geben?

Danny Ledonne: Nein, in der Kunst muss tatsächlich alles erlaubt sein. Wenn es Künstlern verboten wird, zu entscheiden, wie sie sich ausdrücken wollen, wer soll es denn dann entscheiden? Opportunistische Politiker, die sich einen konservativen Anstrich verleihen wollen? Religiöse Eiferer, die nur ihren eigenen moralischen Standpunkt akzeptieren? Rezensenten, die für sich das Recht beanspruchen, über den Medienkonsum von anderen zu urteilen?

Natürlich übertreibe ich gerade ein bisschen. Aber anstatt uns zu fragen, ob sich Kunst eines bestimmten Themas überhaupt annehmen soll, sollten wir uns doch viel eher fragen, wie sie sich dieses Themas effektiv und angemessen annehmen kann.

Ich möchte für mich selbst entscheiden, welche Inhalte ich uninteressant oder unpassend finde. Ich will aber nicht andern meine Meinung aufdrängen, nur weil ich persönliche denke, es sollte irgendwelche Grenzen geben. Wenn man persönliche Freiheit will, muss man zuerst auch anderen die gleiche Freiheit zugestehen.

GameStar: Deine Kritiker werfen dir vor, Provokation als Werbung zu gebrauchen.

Danny Ledonne: Selbstverständlich kann Provokation ein wirksames Instrument für Aufmerksamkeit sein. Wenn sie aber Selbstzweck statt Mittel zum Ziel ist, dann ist sie unnötig. Natürlich gibt es keine schlechte Publicity, wenn man eine Diskussion über ein Tabuthema anregen möchte.

Dass mein Spiel soviel Kritik bekommt, zeigt mir nur, dass ich etwas richtig gemacht habe. Wenn alle es toll, aber banal fänden, dann hätte ich mein Ziel verfehlt. Ich möchte als Medienkünstler versuchen, kritisches Denken anzuregen. Ich glaube, meine Arbeit – besonders »Playing Columbine« – macht deutlich, dass es mir um die Sache geht und nicht um die berüchtigten 15 Minuten Ruhm.

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Avatar TrudleR
TrudleR
#1 | 29. Mai 2011, 13:55
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Avatar Goldberg070
Goldberg070
#2 | 29. Mai 2011, 13:56
Wie Recht der gute Mann doch hat.
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Avatar Kuomo
Kuomo
#3 | 29. Mai 2011, 14:00
Sollte es nicht auch hier bestimmte Grenzen geben?
Danny Ledonne: Nein,...

Richtig, wem es zu viel ist soll es nicht spielen.
Aber man sieht es wieder bei CoDMW3. Leute die es nie spielen werden regen sich über das london lvl auf, weil es sie an einen terroranschlag erinnert *kopfschüttel*
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Avatar TechF
TechF
#4 | 29. Mai 2011, 14:17
Gerade der Satz mit dem "Spiegel der Gesellschaft" hat mir sehr gefallen. An dieser Aussage gibt es aus meine Sicht nichts rütteln. Oft wird behauptet, dass gewalthaltige Spiele Gewalt auslösen aber gewalthaltige Spiele sind auch nur eine Konsequenz der Gewalt in unserer Gesellschaft und nicht primär ein Grund dafür. Das ein Pingpong-Effekt auftritt, dürfte eher höchst selten sein.
So oft wird über die Wirkung diskutiert statt über die Ursache oder die Wirkung wird mit jener vertauscht.
Eine ähnliche Situation ist mir auch erst letztens über den Weg gelaufen im Bezug auf Rüstungfirmen.
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Avatar SethSteiner
SethSteiner
#5 | 29. Mai 2011, 14:32
"Nein, in der Kunst muss tatsächlich alles erlaubt sein."

Genau das ist der Punkt und nein, weder Indizierung noch Beschlagnahmung darf es geben, beides ist sowohl wirkungslos als auch unmöglich in irgendeiner Weise rational zu begründen und damit automatisch obsolet. Letztendlich sprechen wir von Medien und Medien müssen alles dürfen, den Rest regelt der Markt ganz von allein, da braucht es keinen Staat der in irgendeiner Art und Weise eingreift und sei es nur durch Prüfbehörden die ohne wissenschaftliche Grundlage arbeiten und bewerten.
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Avatar schmity
schmity
#6 | 29. Mai 2011, 14:55
"Die staatliche Zensur von Videospielen in Deutschland, Australien und anderen Ländern ist eine zutiefst beunruhigende Tendenz."

Das sehe ich allerdings auch so. Zensur ist immer der schlechteste Weg mit einem "Problem" umzugehen, da es nicht gelöst wird, in dem man es totschweigt.
Es stellt sich allerdings die Frage, wo die Grenzen zwischen Kunst, Zensur und Verbrechen liegen. Ist es noch Kunst, wenn es volksverhetzend ist oder Minderheiten diskriminiert? Darf Kunst z. B. den Nationalsozialismus verherrlichen und ist es sinnvoll dies zu verbieten?
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Avatar Bruce will es
Bruce will es
#7 | 29. Mai 2011, 15:04
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Avatar schmity
schmity
#8 | 29. Mai 2011, 15:10
Zitat von Bruce will es:
Jedes kommerzielle Spiel ist "Unterhaltung" und kein einziges enthält "Denkanstössende" künstlerische Inhalte.

Das würde ich nicht allzu sehr verallgemeinern. Spiele, wie GTA, Mirror´s Edge oder Metal Gear Solid, sind kommerzielle Produkte, enthalten Denkanstöße und bieten durchaus künstlerische Inhalte. Allerdings sind das wirklich die Ausnahmen.
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Avatar Spartacus 3000
Spartacus 3000
#9 | 29. Mai 2011, 15:14
Zitat von Bruce will es:


Da halte ich dagegen dass die Spielindustrie reine kommerzielle Produkte entwickelt und bei so gut wie allen vermisse ich die "Kunst" dahinter. Jedes kommerzielle Spiel ist "Unterhaltung" und kein einziges enthält "Denkanstössende" künstlerische Inhalte.

Wenn man "von Spiegel vorhalten" sprechen möchte, dann kann noch so oft dem "Gore-Brutalo" Gamer der Spiegel vorgehalten werden. Kapieren wird er sowieso nichts was ihm da "gespiegelt" wird noch wird er daraus auch nur irgendwas gehaltvolles "lernen".
Ausser "Cooles Game, ein bisschen langweilig zu Schluss und die Texturen könnten nen Tick besser sein. Aber der Multiplayer ist spassig".

Mehr wird auch bei einem "künstlerisch wertvollen" Produkt nicht an dessen "Gore-Brutalo" Verstand haften bleiben.


Und die Film-Industrie entwickelt natürlich keine Kommerzeillen Produkte, nein, warum auch?

Und für die Dummheit des "Gore-Brutalo gamers" Kann dann ja auch die Industrie nix. Im Prinzip hast du mit deiner Aussage ja schon Recht, aber du verallgemeinerst schon sehr Stark. Es gibt durchaus Spiele die Denkanstöße geben (Wollen). z.b. Homefront wollte dies bezwecken.
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Avatar Bruce will es
Bruce will es
#10 | 29. Mai 2011, 15:21
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