American Sniper im Blu-ray-Test : American Sniper
Originaltitel: American Sniper
USA 2014
Länge: 132 Min.
Termin: 25.6.2015
Preis: 13 Euro
FSK: ab 16 Jahren
Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller

Das taugt der Film

Es ist in der heutigen Zeit nicht leicht, einen Film mit dem Wort »American« im Titel gewinnbringend in Deutschland zu vermarkten. Noch dazu einen Kriegsfilm um einen amerikanischen Helden. Folgerichtig kann es sich bei »American Sniper« doch nur um üble Propaganda handeln, oder?

American Sniper im Blu-ray-Test : Chris Kyle glaubt, im Krieg seine Bestimmung gefunden zu haben. Chris Kyle glaubt, im Krieg seine Bestimmung gefunden zu haben.

Nein. Regisseur Clint Eastwood (»Heartbreak Ridge«, »Letters from Iwojima«) zeigt den Irakkrieg in seinem Film natürlich strikt aus amerikanischer Sicht, schließlich handelt es sich um die Verfilmung des Lebens von Chris Kyle (Bradley Cooper), der nun mal amerikanischer Soldat war und sich einen Namen als äußerst treffsicherer Scharfschütze machte: Über 160 Menschenleben gehen auf sein Konto - Männer, Frauen und Kinder.

Doch wird für diese Thematik erstaunlich wenig mit der Flagge gewedelt. Eastwood zeigt Kyle als tragische Figur, als Besessenen, der in den Krieg zieht, weil er darin eine Mission sieht. Er will sein Land und seine Familie vor dem Bösen des Nahen Ostens beschützen. Mit der Zeit gewöhnt er sich so sehr an die Schrecken des Krieges, dass er sich zuhause unwohl fühlt und mit dem Leben als Familienvater nicht mehr klarkommt.

Das daraus entstehende Beziehungsdrama wird allerdings nur am Rand behandelt. »American Sniper« konzentriert sich vorrangig auf die Kriegsszenen und scheint sich um das Privatleben seiner Hauptfigur nicht sonderlich zu kümmern. Statt einer genauen Nacherzählung und Analyse des Lebens des amerikanischen Kriegshelden Chris Kyle nimmt sich der Film Freiheiten und konzentriert sich auf die publikumswirksamen Aspekte.

Der Film schafft es sogar einigermaßen glaubwürdig, einen hassenswerten, auf beiden Seiten brutal mordenden Erzfeind für seinen Helden aufzubauen, der auch in einen Chuck-Norris-Streifen der Marke »Delta Force« passen würde. Eastwood ist mit dieser Herangehensweise zwar kein Meisterwerk gelungen, aber auch kein ekliger Propagandastreifen. »American Sniper« ist spannende Kriegs-Action mit erstaunlich viel Tiefgang. Nicht mehr, nicht weniger.

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Blu-ray-Technik: Bild und Ton

American Sniper im Blu-ray-Test : Dank exzellenter Technik fühlt man sich mitten im Kriegsgeschehen. Dank exzellenter Technik fühlt man sich mitten im Kriegsgeschehen. Das Bild der Blu-ray ist scharf und detailreich, die Farbgebung reicht von blassen, ausgewaschen wirkenden Erdtönen und tiefem Schwarz im Kriegsgebiet bis hin zu knalligen Farben in der amerikanischen Heimat. Der Detailreichtum ist dabei erstaunlich, selbst während eines Sandsturms lassen sich noch feine Einzelheiten erkennen.

Ein Kriegsfilm steht und fällt natürlich auch mit seiner Soundtechnik, und hier leistet die Blu-ray von »American Sniper« erstaunliches: präzise direktionale Effekte und kristallklarer Sound versetzen den Zuschauer mitten ins Geschehen. Natürlich darf man von dem nüchtern inszenierten Film kein Audio-Effektgewitter erwarten, doch wenn es mal rund geht, hört man das auch.

Bei der druckvollen Dolby-Atmos-7.1-Tonspur (lobenswerterweise in Englisch und Deutsch, wenn auch nur beim O-Ton in verlustfreiem Dolby TrueHD) kann man angesichts bassstark durchs Bild ratternder Panzer und eindrucksvoll durch den Raum knatternder Schüsse ohne Übertreibung von Referenzqualität sprechen - der Oscar für den besten Tonschnitt kommt nicht von ungefähr! Voll aufgedreht sorgt der Streifen im Heimkino für die sprichwörtlich wackelnden Wände.

Bonusmaterial

American Sniper im Blu-ray-Test : Chris' Frau Taya will ihren Ehemann an ihrer Seite haben, doch der treibt sich lieber im Kriegsgebiet herum. Chris' Frau Taya will ihren Ehemann an ihrer Seite haben, doch der treibt sich lieber im Kriegsgebiet herum. Die Blu-ray beinhaltet zwei halbstündige Dokumentationen. »Die Geschichte eines Soldaten« handelt von der Entstehung des Films, angefangen beim Drehbuch über das Casting bis hin zu den Freiheiten, die man sich gegenüber der realen Geschichte genommen hat. Sehr lohnenswert, wenn man sich für die Hintergründe interessiert und auch die Meinung der realen Vorbilder für einige der Rollen hören möchte.

»Das Making-of von American Sniper« behandelt teilweise dieselben Themen und lässt in teils übernommenen Clips auch die gleichen Personen zu Wort kommen, geht aber insgesamt eher in Richtung Promotion. Im Gegensatz zur ersten Dokumentation ist das Making-of pures Werbematerial, das lediglich an der Oberfläche kratzt.