Zum Thema » Kino-Kanal auf GameStar.de Kritiken, News und Trailer » Superheldenfilme 2015/2016 Vom Comic auf die Leinwand » Vom Videospiel ins Kino Spiele-Verfilmungen 2015 / 2016 Comic-Fans leben in einem goldenen Zeitalter: Das Sommer-Blockbuster-Kino wird fast komplett von Superhelden dominiert und auch wenn die Qualität schwankt, gibt es immer wieder Highlights wie Captain America: Winter Soldier oder abgedrehte Spaßbomben wie Guardians of the Galaxy. Den größten Erfolg feierte aber der erste Avengers-Film und deshalb sind die Erwartungen an Avengers 2: Age of Ultron besonders hoch: mehr Helden, mehr Action und sogar mehr Gefühl soll es geben.

Im gleichen Zug werden Kinos die Einnahmen gekürzt, damit Disney noch ein paar Prozent mehr Gewinn aus seinem Milliarden-Franchise ziehen kann, was im Vorfeld bei kleinen Kinos zu Boykott-Aufrufen führte. Lohnt es sich, dem Boykott zu trotzen und den Multiplexen dieser Welt das Geld auf den Tresen zu werfen? Wir haben uns Avengers 2 angesehen, um diese Frage zu beantworten.

Das A-Team ist wieder vereint

Avengers 2 - Age of Ultron lässt den Kino-Zuschauer nicht lange warten: Der Film beginnt mit einer furiosen Actionsequenz, in der das Team eine osteuropäische Hydra-Basis stürmt, die von Baron Wolfgang von Strucker (gespielt von Thomas Kretschmann, der mit seinem Monokel aussieht, als wäre er direkt aus einem Tim und Struppi-Comic entsprungen) geleitet wird und in der sich unter anderem noch der mysteriöse Stab befindet, mit dem Loki in The Avengers unter anderem die Kontrolle über Hawkeye und Professor Selvig übernommen hatte.

Das der recht konventionelle Ex-Nazi-Geheimbund Hydra den Super-Helden All-Stars Team nicht viel entgegen zu setzen hat, wird bereits charmant von den Schergen des Barons auf den Punkt gebracht: »Wir sollen uns wehren? ABER DAS SIND DIE AVENGERS!«, wird dann gerufen. Damit das ganze Gefecht doch noch etwas spannender wird, erleben wir schon zu Beginn die beiden Neuzugänge Quicksilver und Scarlet Witch in Aktion, ihre Mitwirkung in diesem Film wurde ja bereits in der End-Credits Szene von Captain America: Winter Soldier angedeutet.

Wieder im Stark Tower zurückgekehrt, gönnen sich die Avengers eine kurze Verschnaufpause und laden zu einer großen Party ein, bei der dann auch War Machine und Falcon eingeladen sind, die dann aber wieder für weite Teile des Film verschwinden, weil sie wohl anderweitig gebraucht werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte Joss Whedon wohl auch den Eindruck, sein Kernteam würde sonst aus allen Nähten platzen.

Doch trotz des schnellen Triumphes über Hydra quälen Tony Stark noch immer die Geister der Vergangenheit: Nach dem New Yorker Zwischenfall wächst in ihm die Angst, dass die Erde jederzeit wieder einer außerirdischen Invasion zum Opfer fallen könne und die Avengers dann vielleicht nicht zur Rettung bereit stehen könnten. Darüber hinaus sieht man Tony an, dass er die Rolle des Helden langsam satt hat und sich lieber wieder einem »normalen« Leben widmen würde.

Allen Erfahrungen aus dutzenden Sci-Fi-Filmen wie Terminator, Matrix oder selbst 2001 - Odyssee im Weltraum zum Trotz beschließt Stark seine eigene »Iron Legion«, eine Armee von Iron-Man-Robotern, mit der fortgeschrittenen Technik des Stabes zu kombinieren, alles gesteuert von der künstlichen Intelligenz JARVIS.

Doch es kommt, wie es kommen muss: In einer mäßig originellen Pinocchio-Metapher, die der Film mit der subtilen Kraft eines Dampfhammers auf den Zuschauer prasseln lässt, befreit sich die KI von allen Fesseln, nennt sich Ultron und kommt schnell dahinter, dass der blaue Planet doch am besten ohne diese ganzen lästigen Menschen funktionieren würde. Die Avengers bekommen damit statt einem verdienten Urlaub nun einem neuen, gefährlichen Feind und Tony Stark sammelt durch seinen KI-Alleingang wenig Sympathie-Punkte bei seinen Mitstreitern.

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Neuzugänge: Scarlet Witch und Quicksilver

Zwei weitere Figuren erschweren den Avengers den Kampf gegen den ohnehin übermächtigen Ultron: Denn bei ihrem Angriff auf die Basis von Baron von Strucker stellt ich das Superhelden-Team erstmals den beiden Maximoff Zwillingen Pietro (Aaron Taylor-Johnson) und Wanda (Elizabeth Olson) entgegen, die später unter den Namen Scarlet Witch und Quicksilver aktiv werden.

Beides sind Figuren, die eigentlich aus dem X-Men-Universum stammen. Hier wird die Sache für Comic-Fans interessant, denn die Rechte an den X-Men-Filmhelden besitzt Disney noch nicht. Stattdessen einigte man sich darauf, diese Figuren unter strengen Auflagen benutzen zu dürfen: Neben einer neuen Hintergrundgeschichte die Begriffe wie »Mutanten« ausklammert, darf es keinerlei Verweise zu den X-Men oder dem eigentlichen Vater von Quicksilver, Magneto geben.

Gerade im Fall von Quicksilver dürfte das auch Gelegenheits-Kinogängern auffallen, denn der ultraschnelle Mutant stellte erst im vergangenen Jahr im Film X-Men: Zukunft ist Vergangenheit sein Talent eindrucksvoll unter Beweis, dort allerdings verkörpert von Evan Peter. An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass es Age of Ultron nicht gelingt, die spektakuläre Quicksilver-Sequenz aus dem aktuellen X-Men Film zu übertreffen.

Scarlett Witch hingegen ist zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen und bekommt von Joss Whedon eine schon fast verschwenderisch gute Ausstattung: Neben eindrucksvollen kinetischen Fähigkeiten hat sie auch die Möglichkeiten, in die Gedanken von Menschen einzudringen und dort anhand von Erinnerungen für Unruhe zu sorgen. Damit ist sie weitaus vielseitiger als ihre Comicvorlage und liefert im Gegenzug die Grundlage für interessante Story-Elemente, die wir hier nicht spoilern möchten.

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Helden wie wir: Hawkeye und Black Widow im Fokus

Die Figuren Hawkeye und Black Widow sorgten beim ersten Avengers-Film für eine Gewisse Portion Mitleid unter den Fans. Sie wirkten wie das B-Team, das keine eigenen Filme spendiert bekommt und zwischen all den fliegenden Super-Helden und unsterblichen Halbgöttern etwas unterpowert daher kam. Age of Ultron nutzt diese Gelegenheit und rückt vor allem Hawkeye viel stärker in den Fokus.

Der Film spielt geschickt mit der Tatsache, dass hier doch eigentlich ein Normalsterblicher unter Giganten wandelt und trotzdem tapfer seinen Beitrag leistet und liefert darüber hinaus interessante Einblick in Hawkeyes Familienleben. Da es dem Kinozuschauer auch nicht sehr schwer fallen dürfte sich mit Jeremy Renners Figur am besten zu identifizieren, verwundert es nicht, das Hawkeye die besten One-Liner des Films abliefert.

Neben Hawkeye bekommt auch Black Widow mehr Zeit spendiert, die von der nicht sichtbar schwangeren Scarlett Johansson mit ihrem unvergleichlichen Mix aus Melancholie und Sex-Appeal verkörpert wird. Neben ihren niemals überflüssigen Fähigkeiten als Profikillerin darf sie nun auch eine engere Beziehung zu Bruce Banner eingehen und sorgt dafür, dass der Professor seine Wutprobleme in kontrollierten und zielgerichteten Schüben ausüben kann.

Im Grunde scheint das zwar überflüssig, da die Zuschauer am Ende von The Avengers den Eindruck bekommen mussten, Mr. Banner könnte sein grünes Alter-Ego selbst nach eigenen Belieben erwecken, aber hey, für eine zarte Romanze ist doch immer Zeit, oder? Darüber hinaus ermöglicht der Film auch noch ein paar Einblicke in die harte Jugend von Natasha, die der Figur weitere Tiefe verleihen.