Jörg Langers Jubiläumsrückblick : Jörg Langer mit jungen 24 Jahren. Jörg Langer mit jungen 24 Jahren. Zum Thema » 15 Jahre GameStar Tops, Flops, Videos und Meinungen Es fällt mir, Anfang 40, wirklich schwer, mir mich selbst mit 24 vorzustellen, als ich im April 1997 mit GameStar begann. Das Heft fiel ja nicht Ende August plötzlich vom Himmel, sondern wollte erst mal erdacht, mit Mitarbeitern ausgestattet, geschrieben, gelayoutet und so weiter werden.

Erst war ich allein, dann waren wir drei, dann füllte sich so langsam das Anfangsteam. Während ich die ersten Redakteure bei konspirativen Mittagessen abwarb, sprach ich mit Layout- und Assistenz-Bewerbern in dem Übergangsbüro, in dem wir die ersten Wochen untergebracht waren. Ein großer, lichtdurchfluteter Raum, zu dem man durch einen hellen Gang mit gerahmten Grafiken gelangte.

Als ich eines Abends mit einer Assistenz-Bewerberin schon handelseinig war, zeigte ich ihr beim Verabschieden noch stolz die zukünftigen Räumlichkeiten. Sie waren gerade erst von Lagerräumen in so etwas wie Büros umgewandelt worden. Man erreichte sie, indem man ins 1. UG fuhr, die finsteren Hallen der „Produktion“ links liegen ließ und dann beherzt einen Gang betrat, der am unteren Ende ein Fenster bot, ansonsten aber nur durch Leuchten erhellt wurde.

Sämtliche Büros hatten knapp unter der Decke niedrige Querfenster, wie man sie aus (zumeist schimmeligen) Badezimmern kennt. Ich konnte aus meinem Büro den Himmel erspähen, sofern ich vorher auf einen Stuhl kletterte und den Hals reckte. Der Trakt hieß intern bald »Das U-Boot«, auch wegen des daran vorbei rauschenden Eisbachs.

Und meine Assistentin in spe? Sagte mir noch am gleichen Abend telefonisch ab: Das sei kein Platz für sie! Ob ich ihr das U-Boot vielleicht besser am Tag hätte zeigen sollen? Da konnte es allerdings passieren, dass ein Wilder mit wirrem Haar seine Schreckschuss-Pistole abfeuerte – der Anzeigenleiter, wenn er eine Seite verkauft hatte.

Jörg Langers Jubiläumsrückblick : Jörg Langer heute. Jörg Langer heute. Jaja, die wilden Anfangszeiten. Ich erinnere mich gern an sie, und auch an die sieben Jahre, die folgten. GameStar hatte das Glück, a) zu starken Print-Zeiten, b) zur Blütezeit der PC-Spiele, c) bei einem großen Fachverlag mit Geld, vor allem aber d) von extrem engagierten, fähigen Leuten gemacht zu werden, die immer wussten, dass sie für die Leser schrieben.

Wir waren auf Anhieb erfolgreich, konnten noch mehr Fähige einstellen und erreichten bald monatliche Auflagen, die heute unerreichbar scheinen. Zwölf Jahre später habe ich noch mal ein Spielemagazin gestartet, GamersGlobal.de. Das genaue Gegenteil zu GameStar in Sachen Mitteln, aber für mich genauso wichtig, spannend und erfüllend.

An welches Magazin ich mich jedoch erinnern werde, wenn noch mal 15 Jahre verstrichen sein werden? Oder 30? Ich weiß es nicht, aber gerade eben wehte mir eine Liedzeile durch meinen Kopf: »The first cut is the deepest ...« - von wem gesungen, verrate ich aber nicht.