Amoklauf in Virginia : Prof. Dr. Christian Pfeiffer Prof. Dr. Christian Pfeiffer Nachdem sich bereits wenige Stunden nach dem tragischen Amoklauf an einer Universität in Blacksburg / Virginia der allseits bekannte Rechtsanwalt Jack Thompson tränenreich an die Öffentlichkeit spielte (wir berichteten), wartete man in Deutschland vergeblich auf ein Statement unserer »Berufs-Bedenkenträger«.

Doch die Zeit des Wartens ist vorbei: Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und selbst ernannter Experte für alles, was mit Gewalt zu tun hat, nimmt diese Gelegenheit natürlich wahr, um seine Ansicht der Dinge der Passauer Neuen Presse mitzuteilen. Dabei hackt er nicht nur auf den Reaktionen der Polizeikräfte auf dem Uni-Campus herum, denen er ein sträfliches Versagen vorwirft. Er nimmt die passende Gelegenheit auch gleich wahr, um wieder die von ihm verhassten Computerspiele ins Gespräch zu bringen.

"Wer töten will, wird es immer schaffen, an Waffen heranzukommen. Größere Sorge bereitet mir, dass sich vor allem männliche Jugendliche systematisch desensibilisieren durch Computerspiele, die solche Tötungsarien vorzeichnen. Die Mehrheit der jüngeren Amokläufer hat sich erst am Computer in Stimmung geschossen. Ich plädiere deshalb bei gewaltverherrlichenden Killerspielen für ein Werbe- und Verkaufsverbot. Für Spiele mit extremen Gewaltexzessen wie „Der Pate“, bei denen aggressives Töten mit Punkten belohnt wird, brauchen wir sogar ein strafrechtliches Verbot."

Ein paar Informationen, die sicher auch Herrn Pfeiffer zugänglich gewesen wären:
Der Amokläufer Cho Seung Hui war laut übereinstimmenden Berichten im Internet ein »unbeschriebenes Blatt«. Es gibt keine verifizierten Community-Seiten, Blog-Einträge, Forenbeiträge oder sonstiges über oder von dem Attentäter. Binnen weniger Stunden nach dem Bekanntwerden des Namens löste dieser bereits Paris Hilton auf dem ersten Platz der meistgesuchten Schlüsselwörter bei Suchmaschinen ab. Trotzdem wurde nichts stichhaltiges über den Täter gefunden. Es ist noch nicht einmal bestätigt, dass Seung Hui einen PC oder Laptop besessen hatte, geschweige denn irgendwelche gewalthaltigen Computerspiele.

Trotzdem (oder gerade deswegen?) wird sofort die verbale Keule ausgepackt, um sich mal wieder in den Medien-Vordergrund zu spielen. Sowohl in den USA, als auch bei uns in Deutschland. Ob dabei, wie häufig, nur polemischer Unsinn herauskommt, ist den Bedenkenträgern anscheinend egal. Hauptsache, man kann seine Unwahrheiten in die Öffentlichkeit tragen. Es gibt kein Spiel in Deutschland, bei dem man für den Grad der Gewalt belohnt wird. So ein Spiel wäre verboten.

Passend zu diesen Worthülsen meldete sich auch die CSU in der Passauer Neuen Presse und forderte bezugnehmend auf den Amoklauf in Virginia (!) ein schärferes Waffenrecht für Deutschland. Dieses lehnt Christian Pfeiffer allerdings ab: "Wir haben ein gutes Waffenrecht."