Ex-Call of Duty-Entwickler - Suchen noch nach Grafik-Engine

Nach dem Weggang bei Infinity Ward haben die Call of Duty-Erfinder schnell ein neues Studio, Respawn Entertainment, gegründet und alte Kollegen angeworben. Auf der Quakecon hielten sie sich aber noch sehr bedeckt, sobald es um ihren neuen Ego-Shooter ging.

von Rene Heuser,
14.08.2010 13:29 Uhr

Bereits die Ankündigung, dass die beiden Ex-Chefs des Call of Duty-Entwicklers Infinity Ward, Jason West and Vince Zampella, auf der Quakecon auftreten werden, hatte im Vorfeld der Messe für reichlich Spekulationen gesorgt. Die Fragezeichen sind nach ihrem Auftritt während der Diskussionsrunde zum Thema "Building Blockbusters" nicht weniger geworden.

Die "Ehren-Gäste" auf der Quakecon: Todd Alderman, Vince Zampella und Jason West von Respawn Entertainment.Die "Ehren-Gäste" auf der Quakecon: Todd Alderman, Vince Zampella und Jason West von Respawn Entertainment.

Auf die Frage, ob die von id Software für Rage und Doom 4 entwickelte Grafikengine id Tech 5 auch für das neue Spiel von West und Zampella geeignet wäre, antwortete West sehr diplomatisch: »We are evaluating technologies presently. We're leaving no stone unturned and we're checking it all out.« (Übersetzung: Wir sind gerade dabei Technologien zu abzuprüfen. Wir drehen jeden Stein um und gehen jeder Möglichkeit nach.)

Ob das auch bedeutet, dass sie mit id Software über eine Lizenz für die Verwendung der id Tech 5-Engine reden, ist also weiterhin unklar. Am Rande der Messe haben beide Seiten betont, man solle nicht zu viel in die Anwesenheit von Zampella und West auf der Quakecon hineininterpretieren. Die beiden seien langjährige Freunde von id. Infinity Ward hatte für das erste Call of Duty die Quake 3-Engine benutzt und auch beim letzten Call of Duty: Modern Warfare 2 fand sich noch der Hinweis, dass Code von id Software verwendet wurde.

Die Geheimnisskrämerei bekommt durch das jüngste Interview von id-Chef Todd Hollenshead aber eine interessante Wendung: Im Gespräch mit der britischen Website Eurogamer.net sagte er, id werde künftig seine Spiele-Engines nicht mehr an fremde Entwickler lizensieren. So stünde die id Tech 5 nur noch exklusiv Entwicklern unter dem Dach von Bethesda zur Verfügung. Third-Party-Studios müssten also ihre Spiele zumindest von Bethesda veröffentlichen lassen, um Zugriff auf die id-Technologie zu bekommen.

Das neue Studio von West und Zampella, Respawn Entertainment, hat jedoch einen Publish-Vertrag mit Electronic Arts unterschrieben. Damit stünde theoretisch die id Tech 5-Engine für das neue Spiel der beiden nicht zur Verfügung. Auf der Quakecon deutete Zampella jedoch an, dass sie nicht die Zeit hätten, viele Jahre in eine neue Technik zu investieren. Offenbar wollen sie wie schon bei ihren Call of Duty-Spielen bei einem Entwicklungszeitraum von zwei bis drei Jahren bleiben.

Es wäre in der Spiele-Branche nicht das erste Mal, dass Partnerschaften wieder aufgelöst werden. Auch Rage sollte ursprünglich bei Electonic Arts erscheinen. Als Bethesdas Mutterkonzern ZeniMax Media dann id Software im Juni 2009 aufkaufte, wurden die Verträge für Rage neu verhandelt und EA gab die Vertriebsrechte an id Software und somit Bethesda zurück. Und das Bethesda an neuen Studios interessiert ist, zeigt die auf der Quakecon angekündigte Übernahme des französischen Entwicklers Arkane Studios (Arx Fatalis, Dark Messiah of Might & Magic).

Interessante Randnotiz: Als am Ende der Podiumsdiskussion einer der Zuschauer fragte, wie es denn sei, wenn die Fortsetzung zu einem seiner Spiele ein anderes Studio übernehmen würde, schlug Jason West bei der Erwähnung von Treyarch die Arme über dem Kopf zusammen. Die Beziehungen zwischen Treyarch und Infinity Ward waren bekanntlich nicht die besten. Es gab hinter den Kulissen immer wieder Streit - der womöglich auch zum Weggang von West und Zampella führte - über die Ausrichtung der Marke und die nach Ansicht von Infintiy Ward zu vielen Fortsetzungen in zu kurzen Abständen.

Zampella nannte das auch einen der postiven Nebeneffekte der neuen Firma, dass ihre Spiele nun eine längere Lebensdauer haben werden und nach dem Release besser unterstützt werden könnten. West versprach zudem, wenn ihr neues Spiel ein Erfolg wird, sie definitiv selbst die Fortsetzung dazu entwickeln werden.


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