CD Projekt & The Witcher - Wie aus Zockern erfolgreiche Spielentwickler wurden

Die beiden Gründer von CD Projekt hatten mit der Entwicklung von Spielen eigentlich gar nichts am Hut. Entstanden ist daraus mit The Witcher 3 eines der besten Rollenspiele aller Zeiten.

von Tobias Ritter,
21.03.2017 11:46 Uhr

Warum ist CD Projekt RED unfehlbar? - Special: Diskussion um die Witcher-3-Entwickler 25:48 Warum ist CD Projekt RED unfehlbar? - Special: Diskussion um die Witcher-3-Entwickler

CD Projekt RED ist heute das erfolgreichste Entwicklerstudio in Polen und hat durch seine Witcher-Reihe weltweit Bekanntheit erlangt. Nach dieser Erfolgsgeschichte sah es jedoch nicht immer aus. Wie der Firmen-Mitgründer Marcon Iwinski im Gespräch mit Glixel verraten hat, wussten er und sein Gründungskollege Michal Kacinski anfangs gar nichts über die Entwicklung von Spielen.

Das ursprüngliche Unternehmen wurde damals nach dem Ende der Sowjetunion gegründet - mit dem Ziel, Videospiele aus dem Westen für den polnischen Markt zu importieren. Wie Iwinski in dem Interview zugab, war dies jedoch nicht der Hauptgrund für den Schritt in die Selbständigkeit:

"Ich habe das Unternehmen damals mit einem Freund von der Universität gegründet, Michal Kacinski. Wir fingen als Spiele-Distributor an, aber um ehrlich zu sein, waren wir darin nicht sehr gut. Wir waren eher gut darin, Spiele auszuwählen und sie als erste für Polen zu lokalisieren. Eigentlich war jedoch unsere Hauptmotivation bei der Firmengründung, dass wir die ersten sein würden, die Zugang zu diesen Spielen haben."

Von Zockern zu Göttern

Er und Kacinski hätten sich damals wie Götter gefühlt. Schließlich habe es in ihrer Macht gelegen, zu entscheiden, welche Spiele in Polen verkauft werden und welche nicht. Sehr viel Entscheidungsgewalt für zwei Videospiel-Fans, die gerade frisch von der Universität kamen.

Entsprechend wenig genau nahmen es die beiden dann auch mit dem Arbeitseifer:

"Ich habe letztens eine der ersten Werbeanzeigen von uns in einem polnischen Gaming-Magazin gefunden. Unsere Öffnungszeiten gingen damals von 10:00 bis 16:00 Uhr. Ich habe mich am Kopf gekratzt und selbst gefragt: ›Was haben wir da eigentlich gemacht?‹ Natürlich: Wir haben extra früh geschlossen, damit wir die Spiele spielen konnten. "

Warcraft 2 als Wendepunkt

Ein Wendepunkt in der Geschichte von CD Projekt war dann die erste Consumer Electronics Show, die Kacinski und Iwinski besuchten. Dort stießen die beiden auf Warcraft 2 und als alter Strategiespielfan bestand Kacinski darauf, den Titel nach Polen zu holen.

"Also haben wir mit ihnen [Blizzard] gesprochen. Ich erinnere mich noch daran, die erste Vereinbarung bestand daraus, 300 Einheiten aus ihrem Lagerhaus in Irland zu importieren. Und so begann unsere Geschichte als Repräsentanten von Blizzard bis wir unseren Vertriebszweig vor zwei oder drei Jahren verkauft haben."

Aus Unkenntnis entstand The Witcher

Hinsichtlich der Lokalisierung von Spielen für den polnischen Markt habe man zunächst die Verpackungen und Anleitungen übersetzt, so Iwinski weiter. Später habe CD Projekt dann auch vollständige Spiele lokalisiert.

"Wir hatten damals den Traum, unsere eigenen Spiele zu entwickeln. Aber wir hatten keine Ahnung, wie man Spiele macht. Es war eher so, dass passionierte Spieler, die wussten, wie man ein Spieler-freundliches Publishing-Geschäft führt, damit anfingen, Spiele zu entwickeln - ohne jegliches Wissen darüber, wie man überhaupt Spiele entwickelt. Und so ist Witcher 1 entstanden. "

Dass aus dieser Unkenntnis später sogar noch das mit mehr als 250 Game-of-the-Year-Awards ausgezeichnete The Witcher 3 entstanden ist, dürfte aber wohl der eigentliche vorläufige Höhepunkt dieser Erfolgsgeschichte sein. Weiter geht es möglicherweise 2019 - dann erscheint voraussichtlich Cyberpunk 2077.

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