Doom 3: Hintergründe zur Alpha

von Jan Tomaszewski,
01.02.2003 09:27 Uhr

Wie Recherchen von GameStar Online ergeben haben, war die Doom 3-Demo bereits Monate vor dem vermeintlich ersten Bekanntwerden im November 2002 erhältlich. Wir haben die bislang verschwiegenen Ereignisse rekonstruiert.

Sonntag, 17. Februar 2002: Ein Besucher des Zelaron-Internet-Forums meldet sich anonym unter dem Namen Apol7 an, um mehrere Tage später seinen einzigen Beitrag zu verfassen -- den ersten Download-Link zur Doom 3-Demo. Betrachtet man den Zeitpunkt, kann »Apol7« eigentlich nur einem kleinen Kreis Eingeweihter entstammen: id Software- und Activision-Mitarbeiter sowie Angestellte des Chipfabrikanten ATI, mit dessen R300-Siliziumbündel (inzwischen Radeon 9500 & 9700) die E3-Präsentation laufen wird. Das knapp 1,1 GByte schwere Datenpaket enthält Bestandteile, die so auch auf der US-Spielemesse vorhanden waren: Intro, drei Spielabschnitte, funktionsfähiger Netzwerkcode und den in die Engine integrierten Editor. Presse und Spieler informiert Vertrieb Activision erst am 3. Mai 2002 über geplante Vorstellungen des Shooter-Remakes.

Freitag, 1. November 2002: Gerüchte über eine spielbare Doom 3-Demo keimen in einschlägigen IRC-Kanälen und Foren auf. id-Frontmann John Carmack bestätigt zwei Tage später die Geschehnisse. Hinweise auf mögliche Verursacher liefert er gleich mit:»Ja, wir sind darüber verärgert, und es wird Auswirkung auf die Art haben, wie wir mit einigen Firmen in Zukunft umgehen.«Direktere Worte soll einen Tag zuvor id Designer Christian "Xian" Antkow gewählt haben, den die französische Hardware-Seite Frenchfragfactory wie folgt zitiert:»Wir wissen, dass es ATI war. Wir markieren alle Versionen mit Wasserzeichen.«Dennoch, id Software deklariert die Mitschrift 24 Stunden nach Erscheinen als »gefälscht« und lässt sie entfernen. Eine von GameStar Online angefragte Stellungnahme an Christian Antkow bleibt unbeantwortet.

Donnerstag, 2. Januar 2003: »Zahlreiche Quellen berichten, dass Deine Internet-Seite an der Verbreitung der Doom-3-Alpha beteiligt war. Ich würde gern Deinen Teil der Geschichte hören, da all das offensichtlich erlogen ist«, schreibt Carmack in je einer E-Mail, adressiert an die Webseiten Zelaron und Iownjoo. Einzig der Zelaron-Betreiber reagiert auf die Anfrage des id-Mitbegründers. In einem uns vom Online-Magazin The Inquirer zur Verfügung gestellten internen Memo berichtet Carmack kurz darauf an die Belegschaft:»Ich habe mich mit dem Betreiber des Zelaron-Forums unterhalten, da er Telefonaten und Artikeln zufolge der Erste war, der die Demo erhielt. [...] Ich habe zusätzlich mit dem Webmaster der in verschiedenen Meldungen genannten Internet-Seite Ionwjoo gesprochen, der meine Fragen bislang ignorierte.« Montag, 6. Januar 2003: id-Programmierer Jim Dose meldet sich auf der US-Spiele-Seite Evilavatar zu Wort und bezeichnet das Memo als »üblen Scherz«.»John [Carmack] hat niemals eine solche Nachricht verschickt. Selbst wenn, würde niemand sie veröffentlichen, da er so schnell arbeitslos wäre, dass es nicht mehr komisch ist«, versichert Dose.

Dienstag, 7. Januar 2003: Im Carmack-Memo heißt es weiter:»Nach einer langwierigen Untersuchung bezüglich der Doom 3 Alpha ist es wahrscheinlicher denn je, dass ATI dafür verantwortlich ist. Ein Angestellter der Firma wurde gefeuert, die Situation ist unter Kontrolle und die Untersuchung abgeschlossen.«ATI-Mitarbeiter John Swinimer weist diese Aussage auf der Webseite Internalmemos als »inkorrekt« zurück -- unter Berufung auf das Jim-Dose-Dementi. Auf Anfrage von GameStar Online wollte sich ATI nicht zu den Vorkommnissen äußern, da man angeblich »keine Informationen darüber hat.« Gleichsam verschwiegen zeigt sich id CEO Todd Hollenshead:»Je weniger darüber gesagt wird, desto besser.«


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