»Killerspiele«-Verbot - Innenminister Herrmann verteidigt seine Forderung

In einem Interview mit der Zeit hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann seine Verbotforderung für sogenannte »Killerspiele« bekräftigt und diese erneut auf eine Stufe mit Kinderpornografie und Nazi-Propaganda gestellt.

von Rene Heuser,
05.09.2008 14:11 Uhr

In einem Interview mit der Zeit hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann seine Verbotsforderung für sogenannte »Killerspiele« bekräftigt und diese erneut auf eine Gefahrenstufe mit Kinderpornografie und Neonazi-Propaganda gestellt. »Natürlich wird nicht jeder Spieler ein Gewalttäter. Aber wenn Spiele auch nur zu einem bestimmten Prozentsatz ein höheres Maß an Jugendgewalt auslösen, dann ist das Grund genug, sie zu verbieten. In anderen Bereichen haben wir auch klare Verbote, ich denke an Kinderpornografie«, sagte Herrmann, der nach eigner Aussage noch nie eines dieser Computerspiel gespielt hat.

Auf die Anmerkung des Interviewers, dass es in Deutschland vor allem ein Problem mit der Durchsetzung der Jugendschutzbestimmungen gibt, sagte Herrmann: »Das ist eines der Probleme. Aber je größer die Gefahr ist, dass solche Spiele auch in die Hände von Kindern und Jugendlichen kommen, desto stärker muss der Staat eingreifen. Es ist ja auch für alle verboten, die Verbrechen des Nationalsozialisten zu verharmlosen.«

Gefahr für Deutschland? Die Geschichte um den GTA-Anti-Helden Niko Belic verkaufte sich bereits mehr als 10 Millionen Mal weltweit.Gefahr für Deutschland? Die Geschichte um den GTA-Anti-Helden Niko Belic verkaufte sich bereits mehr als 10 Millionen Mal weltweit.

Warum Herrmann als Verbotsvergleiche explizit Kinderpornografie und die Verharmlosung von Nazi-Verbrechen anführt und nicht viel näherliegende Beispiele, wie das Abgabeverbot von Alkohol an Minderjährige oder andere Jugendschutzbestimmungen, geht aus dem Interview nicht hervor. Offenbar ist er sich der Bedeutung von Computerspielen, wie etwa das im Interview angesprochene Grand Theft Auto 4 nicht bewußt. So sagt er später: »Wir dürfen bestimmte Fehlentwicklungen der amerikanischen Gesellschaft bei uns gar nicht erst Platz greifen lassen.« Dass die GTA-Entwickler aus Großbritannien und viele Actionspiele, die unter die CSU-Definition von »Killerspielen« fallen würden, in Europa entstanden sind, weiß er scheinbar nicht.

Ganz im Sinne von seinem Mitstreiter Christian Pfeiffer, den er in dem Zeit-Interview als Quelle für seine Expertise anführt, hofft Herrmann, das sich die Spielhersteller komplett von dem gesamten Gewaltbereich verabschieden. »Die wollen intelligente Spiele machen, Bildungsspiele, und noch ganz andere, spannende Geschichten.« Auch wenn alle großen Spielehersteller wie Activision, Electronic Arts oder Ubisoft mehr Umsatz mit für alle Altersgruppen freigegebenen Spielen machen, hat sich bisher noch keiner der Publisher von ihren Blockbuster-Shootern wie Call of Duty 4, Far Cry, Half-Life 2 oder Battlefield 2 verabschiedet. Ganz im Gegenteil: Niemand der großen Hersteller würde eine Sekunde zögern Rockstars GTA in sein Produktportfolio aufzunehmen

Aber nicht nur im Spielebereich scheint der CSU-Politiker Wissenslücken zu haben. So fordert er in dem Interview: »Spiele, die brutale Gewalt verherrlichen, müssen im Strafgesetzbuch generell verboten werden.« Den Einwand des Fragestellers, dass dies bereits längst der Fall ist, lässt er nicht gelten. »Wir werden da nicht locker lassen, wir wollen diese Diskussion weiterführen. Mit den völlig unzureichenden Änderungen des Jugendschutzgesetzes ist das für uns nicht abgeschlossen.«

Bayern hatte einen eigenen Entwurf für einen neuen Gewaltverherrlichungs-Paragrafen im Strafgesetzbuch eingebracht, der jedoch keine Zustimmung fand und von Juristen auch als zu unspezifisch und unverhältnismäßig kritisiert wurde. Wäre der CSU-Vorschlag umgesetzt worden (siehe News), wären künftig nahezu alle Hersteller von Actionspielen, in denen auf Menschen oder menschenähnliche Figuren geschossen wird, Gefahr gelaufen vor Gericht zu landen.


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