Knight Fight - Browserspiel des Tages - »Ja, die alten Rittersleut«

Das wird nicht leicht! Allein die Anleitung, unter der allerdings auch die AGB’s versteckt sind, verspricht abendfüllendes Material. Doch der Reihe nach. Um was geht es überhaupt?

von Gerald Meyer,
06.10.2008 17:00 Uhr

Jeweils wochentags um 17:00 Uhr stellen wir Ihnen Browserspiele vor, die sich auf dem deutschen Markt etabliert haben. Dabei handelt es sich um bekannte und weniger bekannte, gute und weniger gute Browserspiele.

Das wird nicht leicht! Allein die Anleitung, unter der allerdings auch die AGB’s versteckt sind, verspricht abendfüllendes Material. Doch der Reihe nach. Um was geht es überhaupt?

Das Schwert hoheitlich gezückt und dem Pöbel auf den Leib gerückt

Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Handlung im mittelalterlichen Rittertum angesiedelt, und da man ja nichts komplizierter machen soll, als es schon ist, gibt es zwei Fraktionen: die Ritter des Lichtes und die Dunklen Horden. Erstere haben ihrem Lehnsherren die Treue geschworen, letztere hauen sich die eigenen Schatzkammern voll. Für welchen Weg Sie sich entscheiden, liegt ganz bei Ihnen. Ihre Gesinnung, die neben Gut und Böse ebenso neutral sein kann, wird ggf. auch durch (magische) Gegenstände beeinflusst.

Neben den üblichen Skillfähigkeiten wie Stärke, Ausdauer und Geschicklichkeit erhöhen Sie in diesem Fall auch die Kampfkunst bzw. die Parade. Außerdem besitzen Sie einen Rüstungsschutz, der anfangs noch bei 0 liegt, und die Möglichkeit, mit Ein- oder Zweihandwaffen zu hantieren. Bis dahin dauert’s allerdings noch ein Weilchen, denn was Ihnen erst einmal zur Verfügung steht, ist ein Übungsschwert, das höchstens noch geschliffen werden kann. Eine Statistik rundet diesen ersten, doch recht behäbigen Eindruck ab.

Stoßgebete für ein besseres Leben

Auf den Landsitz ziehen Sie sich zurück, um nach einem Kampf Ihre Wunden zu heilen. Auch das benötigt Zeit, denn nur 10% Lebensenergie werden in einer Stunde Echtzeit wiederhergestellt. Da lohnt sich das Beten am Altar – gegen einen Obulus, versteht sich. Sind Sie wieder fit für die Schlacht, rüsten Sie sich neu aus. Möchten Sie für Ihre Sicherheit sorgen, bauen Sie den Landsitz um. Somit wird auch das Heilungspotential Ihrer Heiligen Hütte erhöht.
Bei Händlern erwerben Sie das übliche Verdächtige, aber auch Gegenstände, die ganz an Ihre Levelfähigkeiten angepasst sind. Interessant ist das Feature, dass bestimmte Items nur bei einer guten oder bösen Gesinnung erstanden werden können. Auf dem Basar hingegen erhalten Sie sozusagen „unter der Hand“ auch solche, die bei den „normalen“ Händlern fehlen. Das Hütchenspiel im bunten Basargeschehen ist ein weiterer Gagreiz, auch wenn mittlerweile jedes Kind wissen sollte, wie derartige Mini-Spiele ausgehen.
In der Schmiede laden Sie Ihre Waffen mit jeweils bis zu drei Seelensteinen magisch auf, und – in der Premiumversion – betiteln sie Ihre Waffen individuell. Die starken Prügler benötigen Sie im „Kampfmodus“, in dem Sie gegen übermächtigere Gegner antreten, denn nur so erhalten Sie Erfahrungspunkte. Fordern Sie schwächere heraus, werden Ihnen Erfahrungspunkte abgezogen, was ein sinnvoller Noob-Schutz ist. Die Werte werden ausgewürfelt und in einem Kampfbericht ausgegeben.
Ab Level 5 dürfen Sie für 1000 Gold eine eigene Gilde gründen oder Sie treten einer bestehenden bei. Gründen Sie eine eigene, bauen Sie die Gildenburg (für viel Gold) aus, um immer mehr Mitgliedern die Möglichkeit zu bieten, von Ihnen aufgenommen zu werden. Gildenkriege stehen auf der Tagesordnung und sind innerhalb von sieben Tagen zu schlichten. Maximal können Sie fünf Kriege gleichzeitig anzetteln. Auch hier ist viel Gold für eine Kriegserklärung nötig. Schließlich gibt es neben dem besagten Premium-Account (Juwelier) eine Highscoreliste, die sich an den Kampfaktivitäten ausrichtet, und deren Ränge von Gefreiten bis hin zu Rittern des Lichts/Fürsten der Dunkelheit reichen.

Die Zeit – kein Verbündeter

Ihre ersten Brötchen verdienen Sie sich im Wirtshaus. Und auch hier bedarf es nur eines versehentlichen Klicks, um gleich mal für 10-12 Stunden ausgebremst zu sein, da logischerweise nur ein Kapitel gespielt werden kann. So vielfältig die Aufträge auch ausfallen – allein bei diesem Zeitlimit wird es gerade für Anfänger, die erst einmal an das Spiel herangeführt werden wollen, äußerst frustrierend. Ebenfalls können Aufträge verloren werden – in diesem Fall macht der Spieler gerade am Anfang den Deckel einfach wieder zu.
Alles in allem ist Knight Fight technisch und spielerisch äußerst durchdacht, auch was das Erkaufen der Premium-Mitgliedschaft anbelangt, die Werbefreiheit verspricht. Denn die großflächige Werbung nervt nach dem dritten oder vierten Weg-Klick immens. Leider fehlt noch der gewisse farbenfrohe, fantasievoll grafisch aufgearbeitete Hintergrund, wie er beispielsweise bei -> Gondal gegeben ist, der die Spieloberfläche nicht ganz so dröge erscheinen lässt.

Fazit: Obwohl das Spiel mit dem Entwicklerpreis für das beste Browsergame 2007 ausgezeichnet wurde, fehlt mir der ganz persönliche Overkill, denn wirkliche Neuerungen vermisse ich schmerzhaft. Beispielhaft wäre gewesen, wenn man mit dem nötigen Rüstzeug und ein oder zwei Mitstreitern gegen eine ganze Horde von Missions-Feinden antreten könnte. Die Überlebensberechnungen dieser Wahrscheinlichkeiten hat sich bisher noch kein Browsergame getraut. So bleibt auch dieses Spiel trotz aller Presse-Lobhudelein lediglich ein weiterer beliebiger Puzzlestein in der Geschichte der Browserspiele.

Name:

Knight Fight

Website:

Sprache:

Deutsch

Genre:

RPG

Präsentation:

++++

Zugänglichkeit

+++

Spielspaß

+++

Downloadclient:

nein

Premium:

ja

Zeitaufwand:

mittelmäßig

Lästerfaktor

+++

Alle bisher getesteten Browserspiele finden Sie in der Übersicht.

Gerald Meyer, Jahrgang 1975, ist freiberuflicher Autor; zuletzt erschien von ihm Das Abandonware-Lexikon . Meyer war Gründer des „G. Meyer Taschenbuch Verlag“, in dem insgesamt 52 Titel erschienen sind, u. a. Klassiker-Neubearbeitungen, vorwiegend jedoch Newcomer aus dem Underground. Er ist Mitglied im Komitee des Kurd-Laßwitz-Preises. Website: www.geraldmeyer.de


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