Making Games Report - Eine Firma bauen

Ein Unternehmen besteht nicht nur aus Produkten und Prozessen, vor allem besteht es aus Menschen. Ein Artikel über den Versuch, eine arschlochfreie Firma zu erschaffen.

von Yassin Chakhchoukh,
08.09.2012 11:23 Uhr

Bei flaregames müssen neue Mitarbeiter einen vierstufigen Einstellungsprozess durchwandern – das alles mit dem Ziel, am Ende keine Arschlöcher im Team zu haben. Dann lieber Leute, die auch mal schuldbewusst mit der Nerf Gun vor der zerbrochenen Fensterscheibe posieren.Bei flaregames müssen neue Mitarbeiter einen vierstufigen Einstellungsprozess durchwandern – das alles mit dem Ziel, am Ende keine Arschlöcher im Team zu haben. Dann lieber Leute, die auch mal schuldbewusst mit der Nerf Gun vor der zerbrochenen Fensterscheibe posieren.

Klaas Kersting, Gründer von flaregames: »Das Gründen einer Firma ist ein Klacks. Das ist wie bei einem Online-Rollenspiel: Die Charaktererstellung macht Spaß und ist geprägt von Vorfreude. Man malt sich aus, was man später alles tun wird, freut sich auf die Abenteuer mit Freunden und die grenzenlose Welt da draußen. Manchmal hat man Zweifel, ob man die richtige Klasse gewählt hat und ob der Schwertkampfskill ausreicht. Aber nun, die Bossgegner sind noch weit weg. Dann passiert etwas mit der wahrgenommenen Zeit, und man wacht vier Monate später aus einer Trance auf. Mit 800 Stunden auf der Uhr. Und, wenn man ehrlich ist, ist der Clan reif für eine Gruppentherapie, und der eigene Hauptcharakter wird Nachwuchsspielern in Youtube-Videos als Beispiel für hoffnungslose Verskillung vorgestellt.


Die Wahrheit

Schon beim Gründen wie beim Erschaffen eines Charakters kann man irreversible Fehler machen, die einen später in hoffnungslose Situationen bringen.
Die populären Bücher, die man als Gründer so empfohlen bekommt, geben einem 1.000 kleine Ratschläge zu Business-Plan und IT-Struktur, versichern einem aber andererseits, dass viele Firmen auch anfangs noch gar nicht wussten, was ihr späteres Produkt werden würde: Google als namhaftestes Beispiel. Das ist sicher alles richtig, wer wäre ich, der Ratgeberliteratur zu widersprechen, aber ...
... eine Sache muss man von Anfang an richtig machen. Und das ist das Mindset, die geistige Grundhaltung. Ist die nicht da, wird es schief gehen, und man verskillt die Firma. Doch dazu kommen wir später noch.

Zuerst ein paar Details aus meiner Geschichte, damit die geneigte Leserschaft ein bisschen Kontext zu den darauffolgenden Thesen hat:
Ich habe, anders als viele der Vorzeigegründer und Überflieger aus der Startup-Szene, nach dem Abitur erst einmal einen gründlichen Versuch unternommen, mein Leben in den Sand zu setzen. Ich habe mich für einen Mischmasch aus sinnlosen Studienfächern eingeschrieben und dann nach dem Abflauen des Anfangsenthusiasmus nahezu keine Vorlesung mehr besucht. Und stattdessen in Vollzeit PC-Spiele gespielt, vor allem Strategie von Echtzeit bis Runde. Alpha Centauri, Brian Reynolds Meiserwerk, hat mich allein ein komplettes Semester gekostet – am Ende war ich einer der weltbesten Spieler, hatte aber keine Scheine vorzuweisen.

Bei flaregames in Karlsruhe arbeiten derzeit 45 Mitarbeiter an Mobile Games mit Free2Play-Modell. Gegründet wurde das Unternehmen 2011 von Klaas Kersting, Andreas Suika, Matthias Schindler und Georg Broxtermann.Bei flaregames in Karlsruhe arbeiten derzeit 45 Mitarbeiter an Mobile Games mit Free2Play-Modell. Gegründet wurde das Unternehmen 2011 von Klaas Kersting, Andreas Suika, Matthias Schindler und Georg Broxtermann.

Immerhin hat Alpha Centauri aber den brennenden Wunsch in mir geweckt, Spiele zu machen, in welcher Form auch immer. Und so begann ich mit einer verschworenen Gruppe von Freunden nebenbei die Entwicklung eines Browserspiels mit dem enorm Mainstream-tauglichen Namen »Wogen des Schicksals«. Da führte dann eines zum anderen: Das Spiel wurde so erfolgreich, dass die Serverkosten mein monatliches Miet- und Essensbudget auffraßen, was mich wiederum zwang, die Monetarisierung des Spiels voranzutreiben. Die ersten bescheidenen Erfolge (einige hundert Euro im Monat durch Werbung) brachten mir einen mittelschweren Selbstbewusstseinsschub, der es mir ermöglichte, den Betreiber eines viel erfolgreicheren Browserspiels anzurufen und ihm eine Kooperation vorzuschlagen. Diese Kooperation wurde dann zur Firma Gameforge. Im Aufbau der Gameforge haben wir, insbesondere ich, im Laufe der Zeit so viele Fehler gemacht, dass ich heute ein Experte für doofe Gründerentscheidungen bin. Dennoch: eine Sache hatten wir, und das ist die richtige Einstellung. Wir hatten keine Angst vor Fehlern, wir waren begierig zu lernen und uns immer wieder zu prüfen. Und wir waren bereit, vieles, aber lange nicht alles, dem Erfolg unterzuordnen. Und damit sind wir wieder bei dem, was man braucht: das richtige Mindset.

Demgegenüber gibt es eine Menge Dinge, die man nicht braucht, obwohl Leute sagen, man würde sie brauchen:

  • einen Businessplan
  • überhaupt einen langfristigen Plan
  • eine Million Euro
  • einen Kindle voll Ratgeberliteratur
  • coole Büros
  • ein professionell designtes Logo
  • einen Anzug
  • eigene Technologie
  • einen Finanzexperten
  • eine PR-Agentur
  • eine freie .com-Domain

So albern es klingt: Die alte Weisheit »Scheitere früh, scheitere oft!« stimmt noch immer, jedenfalls im Online-Business. Und noch eine Binsenweisheit, die leider wahr ist: Steve Jobs wird der Ausspruch zugeschrieben, das Problem mit den Internet-Startups sei nicht, dass zu viele Leute Firmen gründen, sondern dass zu wenige Leute, die etwas anfangen, es auch durchhalten.
Jetzt kommen wir zu dem Teil, den man idealerweise richtig machen sollte. In zehn einfachen Schritten.«

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Dieser Artikel erschien in Ausgabe 04/2012 des Making Games Magazins.


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