Metin 2 - Browserspiel des Tages - Rollenspiel mit fernöstlichem Einschlag

Jeden zweiten Wochentag um 17:00 Uhr stellen wir Ihnen Browserspiele vor, die sich auf dem deutschen Markt etabliert haben.

von Gerald Meyer,
27.10.2008 17:00 Uhr

Jeden zweiten Wochentag um 17:00 Uhr stellen wir Ihnen Browserspiele vor, die sich auf dem deutschen Markt etabliert haben. Dabei handelt es sich um bekannte und weniger bekannte, gute und weniger gute Browserspiele. Dieses Mal dreht sich alles um das Actionspiel Metin 2.

Metin 2 – ganz nach gängigen, japanischen Vorbildern gestaltet - spielt auf einem riesigen Kontinent, der in drei Reiche zerfallen ist. Diese drei Reiche werden als eigenständige Ländereien mit Teleportationstoren zu ihren zahlreichen Nebenorten präsentiert. Somit lohnt es sich, alle Schlachtplätze im Namen des Drachengottes mit unterschiedlichen Charakteren wie Ninjas oder Schamanen durchzuspielen.

Einfach drauflos hauen?

Das Problem in der Hintergrundgeschichte sind die Metinsteine, die überall im Land erscheinen, nachdem der hinabgestiegene Metin-Geist den Kontinent vernichten will. Warum, bleibt vorerst ungeklärt. Metin-Abarten gibt es in vielen Formen, bspw. Schlacht- oder Eifersuchtssteine. Diese sind bei den Mitspielern heiß begehrt, denn sie geben u. a. verschiedene Extras frei. Alle von ihnen sind aber erst ab einem bestimmten Level zu knacken und nur sehr schwer zugänglich. Eine der ersten Aufgaben des Hauptmanns wird lauten, einen Metin-Stein der Schlacht zu knacken, obwohl weder Level noch Waffe dazu ausreichen – da heißt es also, sich erst einmal die Zeit zu vertreiben.

Zeit vertreiben ist wohl auch das Anliegen der Macher gewesen, denn leider sind die eigentlichen Aufträge pro Level nur spärlich gesät. Haben Sie diese abgearbeitet, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als auf die Jagd zu gehen. Und das immer und immer wieder. Was am Anfang noch Spaß macht, trübt später die Laune, denn stundenlanges Zeitabsitzen, nur um sich aufzuleveln, statt erweiterte Aufgaben und Nebenaufgaben zu absolvieren, ist mehr als verdrießlich. Noch dazu sind die Quests nicht sonderlich anspruchsvoll, sondern einfach nur mit Laufarbeit verbunden und nervig, da sie sich in allen Varianten wiederholen. Als Beispiel sei hier der Biologe angeführt, der ständig neue Pflanzen braucht – und die befinden sich zumeist in den Mägen von Wölfen, Keilern oder Bären.

Mein Freund, der Braunbär

Eine weitere todlangweilige Angelegenheit sind die Jagdaufträge. Zwar werden auf der Karte die Jagdgebiete markiert, doch es werden unterschiedliche Arten respawnt. Haben sie sich z. B. für den Auftrag entschieden, 10 hungrige Braunbären zu töten und gelangen Sie im Bär-Jagdrevier an, kann es durchaus sein, dass dies ausschließlich mit Schwarz- und Grizzlybären bevölkert ist. Da heißt es, das Schwert geschwungen, in der Hoffnung, dass nach deren Ableben hungrige Braunbären respawnt werden. Und geschieht dies endlich, kommt unter Umständen eine ehrgeizige Gruppe dahergelaufen und murkst die Tiere, die für die Erfüllung Ihrer Aufgabe dringend notwendig ist, kommentarlos ab. Nicht nur das: die Tiere hinterlassen meist Geld oder Gegenstände. Sind Sie nicht schnell genug, ist die Kohle flöten, denn andere bereichern sich nur zu gerne an Ihrem Verdienst.

In die Rüstung, der feine Herr!

Standardrüstungen und -waffen sind für jede Charaktergruppe leider nur wenige vorhanden. Zwar finden Sie unterwegs immer wieder Waffen und Waren, die nicht bei den Händlern angeboten werden, diese sind allerdings rar gesät und oft muss stundenlang gesucht werden (siehe die Haarbänder, unbedingt benötigt für die Auflevelung der Krieger-Klingen). Die Skillgestaltung ist ebenfalls problematisch: um eine halbwegs brauchbare Rüstung erwerben zu können oder gar ein Reittier zu führen, von dem aus sie kämpfen können, ist mindestens Level 25 erforderlich – um dies zu erreichen, sind mind. ebenso viele investierte Stunden notwendig. Es gibt bis zu zwei auffindbare Waffen je Level, die für Ihren Charakter aber ggf. erst später geeignet sind – alles andere kann veräußert werden. Zwar können Sie die Killerattribute der Schneide durch die Verbesserung Ihrer Waffen beim Schmied erhöhen – allerdings gibt es einen Haken. Sie sollten zumindest eine zweite Waffe in der Hinterhand haben, denn der Schmied kann die Aufwertung Ihrer Waffe auch verbocken, d. h., Sie unbrauchbar machen, obwohl Sie dafür eine Menge Yang abdrücken müssen. Dementsprechend viele User laufen herum und suchen eine neue Waffe, noch dazu haben sie nicht ausreichend Geld, da dies für die Aufwertung draufgegangen ist. Aber selbst mit einer Klinge +6 und Angriffswert 82-100 (nach zwei erfolgreichen Aufrüstungen) ist den Metin-Steinen mit den überschaubaren Special-Moves nur schwer beizukommen.

Für eine erfolgreiche Jagd lohnen sich zwar Gruppenverbände, allerdings hatte ich als Krieger bis Level 20 kein Glück, was derartige Einladungen anging; danach kamen zwar einige Anfragen, aber meine Freude hielt sich in Grenzen, da ich den steinigen Weg bis dahin allein meistern musste. Anders hingegen, als ich das Spiel als Ninja im südlichen Kontinent neu startete, und sofort ab Level 3 Gruppen- und Freundesangebote bekam.

Metin 2 suggeriert auf den ersten Blick ein waschechtes RPG mit fernöstlichem Einschlag, ist aber nichts anderes als ein Iso-Prügler mit oberflächlichen Quests und einer hakeligen Steuerung in den Ortschaften, wenn auch grafisch und musikalisch solvent bis hinreißend umgesetzt und mit einigen Special-Features versehen. Leider gibt es bisher nur sehr wenige und meist auch nicht sehr aussagekräftige Artefakte, die gegen Echtgeld dazugekauft werden können.

Fazit: Metin 2 hat am Anfang viel versprochen, leider läuft sich das Spiel mit der Zeit tot, und das im wahrsten Sinne des Wortes, da keine wirkliche Spannungskurve aufrecht erhalten werden kann und es sich auf stundenlanges Verprügeln beschränkt. Da kann auch ein Gebet zum großen Ging-Gong nicht mehr helfen...

Name:

Metin 2

Website:

Sprache:

Deutsch

Genre:

Action

Präsentation:

++++

Zugänglichkeit:

+++++

Spielspaß:

+++

Downloadclient:

ja

Premium:

ja

Zeitaufwand:

sehr hoch

Lästerfaktor:

+++

Alle bisher getesteten Browserspiele finden Sie in der Übersicht.

Gerald Meyer, Jahrgang 1975, ist freiberuflicher Autor; zuletzt erschien von ihm Das Abandonware-Lexikon . Meyer war Gründer des "G. Meyer Taschenbuch Verlag", in dem insgesamt 52 Titel erschienen sind, u. a. Klassiker-Neubearbeitungen, vorwiegend jedoch Newcomer aus dem Underground. Er ist Mitglied im Komitee des Kurd-Laßwitz-Preises. Website: www.geraldmeyer.de


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