Software-Piraterie - Studie: »Angaben der Branche sind zu hoch gegriffen.«

Laut einer unabhängigen Studie mehrerer Universitäten ist das Problem der illegalen Verbreitung von Spielen via P2P zwar nicht wegzureden, aber trotzdem nicht so massiv, wie allgemein gerne behauptet.

von Sebastian Klix,
17.05.2013 18:05 Uhr

Laut einer unabhängigen Studie ist die illegale Verbreitung von Spielen via P2P zwar sehr beliebt, aber nicht so massiv, wie die Industrie gerne behauptet.Laut einer unabhängigen Studie ist die illegale Verbreitung von Spielen via P2P zwar sehr beliebt, aber nicht so massiv, wie die Industrie gerne behauptet.

Dass die Spielebranche nicht begeistert über Raubkopien ihrer Titel ist, ist natürlich völlig nachvollziehbar. Der ein oder andere Branchen-Vertreter gibt der Software-Piraterie aber ganz gerne mal eine Hauptmitschuld für massive Gewinn-Einbußen. Auch die über die Jahre immer restriktiver gewordenen Kopierschutz-Mechanismen und Zwangs-Konto-Bindungen kommen nicht daher, dass Ubisoft, Electronic Arts und Co. die Zahl der Schwarzkopien für »überschaubar« halten.

2009 sprach die Entertainment Software Association etwa allein im Dezember [Anm: ein Monat mit den meisten Neuveröffentlichungen aufgrund des Weihnachtsgeschäftes] von knapp 10 Millionen illegalen Downloads von insgesamt gut 200 Spielen.

Auch die Gegenseite geizt dabei nicht mit Zahlen: TorrentFreak etwa gab an, dass die Top 5-PC-Titel des Jahres 2010 über die gesamten 12 Monate hinweg etwa 18 Millionen Mal heruntergeladen wurden. Zum Vergleich: Die 5 beliebtesten Konsolen-Spiele kamen zusammen auf etwa 5,3 Millionen.

Doch frei nach dem Motto »Glaub nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast« sind beide Angaben mit Vorsicht zu genießen, denn schließlich sind die beiden Parteien nicht unbedingt unvoreingenommen. Jemand unabhängiges muss also her, etwa ein Zusammenschluss von Forschern der Universität Aalborg, der Northeastern University und der Copenhagen Business School.

Über 3 Monate hinweg beobachtete man hier die Verbreitung von etwa 170 Spielen für 14 verschiedene Plattformen via BitTorrent. Das Ergebnis lässt an den Zahlen einiger Branchen-Angehörige zumindest zweifeln.

»P2P-Piraterie ist recht verbreitet. Jedoch legen die Ergebnisse unserer Studie nahe, dass die bisher veröffentlichten Zahlen zu hoch gegriffen sind. Auch einige gern wiederholte Mythen dürften kaum stimmen. Etwa, dass vor allem Shooter illegal verbreitet werden. Wir konnten eine Menge Aktivität auch bei Spielen für Kinder und Familien messen.«, so Anders Drachen von der Universität Aalborg.

Nichts desto trotz konzentriert sich der Hauptteil natürlich auf einige wenige, einschlägige Titel. Im gemessenen Zeitraum in den Jahren 2010 und 2011 haben es den File-Sharern besonders Call of Duty: Black Ops, Darksiders, Fallout: New Vegas und Starcraft 2: Wings of Liberty angetan. Insgesamt machen die 10 beliebtesten Titel über 42 Prozent der Aktivitäten aus, was etwa 5,4 Millionen Verbreitungen entspricht. Insgesamt wurden etwa 12,6 Millionen Individuen aus 250 verschiedenen Ländern identifiziert. Besonders aktiv zeigten sich dabei Griechenland, Portugal, Ungarn, Rumänien und Kroatien.

Das angeblich »beliebteste« Genre der Shooter kommt übrigens erst auf Platz 3. Mit knapp 19 Prozent entpuppen sich die Rollenspiele als beliebtestes Genre unter den Sharern, gefolgt von Action-Adventures mit knapp 16 Prozent.

Quelle: Wired.co.uk


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