GameStar bat den Medienwissenschaftler und Spielekenner Christoph Klimmt von Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover um eine Erläuterung der Charité-Studie zum Suchtpotenzial von Spielen. Klimmt sieht die Ergebnisse differenziert:

»Alle attraktiven Tätigkeiten haben das Potenzial, sich gegen die Selbststeuerung des Menschen zu verstetigen (z.B. ja auch Internet-Sucht, exzessive Sammelleidenschaft oder häufiges Masturbieren). Das entscheidende Bollwerk gegen exzessive Tätigkeitsausübung oder »Abhängigkeit« ist Selbstregulation, also die aktive Selbstbegrenzung der Auseinandersetzung mit der Tätigkeit. Selbstregulation leidet beispielsweise, wenn nicht genug Unterstützung aus dem sozialen Umfeld kommt oder andere (z.B. schulische) Probleme auftreten.

Die Dopamin-Argumentation und der Alkohol-Vergleich sind insofern problematisch, als dass sie den unkundigen Lesern suggerieren, Computerspiele würden eine körperliche Abhängigkeit im Sinne physisch-chemischer Entzugserscheinungen auslösen. Das halte ich für die falsche Perspektive.

Meiner Meinung nach haben wir es beim (zweifelsohne vorkommenden) exzessiven, unkontrollierten Computerspielen nicht mit einem Sucht-Phänomen im medizinisch-physiologischen Sinne zu tun, sondern es handelt sich vielmehr um eine Form psychischer Abhängigkeit, die aus dem Zusammenspiel des extremen Unterhaltungspotenzials von Spielen einerseits und personenbezogenen Faktoren (nämlich eingeschränkter Selbstregulations-Fähigkeit) entsteht.«