Der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Streit zwischen Gearbox und G2A geht in eine weitere Runde. Nachdem der Publisher die auf 54 Stück limitierte physische Collector's Edition von Bulletstorm zunächst über den Key-Selling-Plattform-Betreiber G2A anbieten wollte, distanzierte man sich nach einer Kontroverse um die Geschäftspraktiken des auserkorenen Partners wieder von der Zusammenarbeit.

Ein zuvor gestelltes Ultimatum von Gearbox mit Forderungen an G2A blieb zunächst unbeantwortet. Mittlerweile hat die Key-Selling-Plattform allerdings in einer längeren Stellungnahme auf die Entwicklungen der vergangenen Tage reagiert.

Sinneswandel nach Ultimatum: Gearbox zieht Partnerschaft mit G2A zurück

Unreflektierter Aktionismus durch Gearbox?

In der ersten öffentlichen Stellungnahme kritisiert G2A unter anderem das Vorgehen von Gearbox Publishing und weist dem YouTuber John »TotalBiscuit« Bain eine tragende Rolle als Auslöser der gesamten Kontroverse zu. Dessen negative Äußerungen nach Bekanntwerden der Zusammenarbeit habe dazu geführt, dass der Publisher unreflektiert einige Forderungen und Ultimaten aufgestellt habe - und zwar ohne G2A zuvor auch nur zu kontaktieren.

Das ist ein perfektes Beispiel für überstürzten Aktionismus auf Basis unvollständiger Kenntnis der Fakten und wie sich damit sowohl dem Entwickler als auch dem Marktplatz schaden lässt. Insbesondere deshalb, weil alle Forderungen an G2A aus dem Ultimatum tatsächlich sogar lange Teil unseres Marktplatzes sind.

G2A weist sämtliche Vorwürfe zurück

Gearbox hatte unter anderem gefordert, dass der Betrugs-Schutz-Mechanismus G2A Shield allen Kunden kostenlos angeboten werde. G2A entgegnet darauf, dass bereits jeder Kunde einen grundsätzlichen Schutz vor Betrug besitze - er müsse dazu zunächst den Key-Verkäufer kontaktieren und könne sich dann, sollte das nicht zielführend sein, direkt an G2A wenden.

G2A Shield überspringe den Key-Seller-Schritt lediglich und biete zahlenden Kunden einen 24-Stunden-Live-Chat zur Beilegung von Problemen an.

Auch den Vorwurf, eine undurchsichtige Preisstruktur mit versteckten Kosten aufgebaut zu haben, weist G2A weit von sich. Alle Gebühren und Steuern seien klar und deutlich in den jeweiligen Tabellen ausgewiesen. Steuern und Gebühren seien zudem immer abhängig vom Land und der Zahlungsmethode des Käufers - dennoch weise man vor Kaufabschluss immer darauf hin.

Kein Entwickler-Zugriff auf Key-Datenbank

Ein großes Stoppschild stellt G2A der Forderung von Gearbox entgegen, dass zertifizierte Entwickler und Publisher Zugriff auf die Key-Datenbank erhalten sollen. Der Publisher wollte eigenen Angaben zufolge auf diese Weise erreichen, dass gestohlene Keys ohne Umwege gesperrt werden können.

G2A sieht darin jedoch einen Angriff auf den freien Marktplatz und wehrt sich entschieden gegen einen solchen Mechanismus:

Das Problem hier ist doch, dass die Entwickler nicht akzeptieren wollen, dass die Leute ihre Spiele weiterverkaufen. Die Entwickler wollen den Markt kontrollieren und mit ihm alle Verkaufswege und Verkäufe, so dass sie höhere Preise realisieren und den Weiterverkauf ungenutzter Spiele verhindern können.

Würde man Drittunternehmen nun Zugriff auf die Key-Datenbank geben, könnten sie willkürlich Key-Angebote löschen, so G2A - und zwar nicht nur jene, die möglicherweise illegal seien, sondern alle, die ihnen nicht passten. Und das würde der Industrie und den Spielern schaden und sei darüber hinaus selbst illegal.

G2A wirft Kritikern »üble Nachrede« vor

Abschließend beteuert G2A, die Kritiker zu respektieren - wirft ihnen jedoch auch vor, manchmal nicht zu verstehen, wie genau G2A als Key-Marktplatz funktioniert. Bestes Beispiel dafür seien die völlig überflüssigen Ultimaten, die teilweise von John Bain formuliert worden seien. Alle Forderungen seien schließlich schon lange Teil von G2A.com.

Die meisten der Vorwürfe, die gegen uns erhoben wurden, basieren auf fehlendem Wissen oder auf mangelndem Willen, die andere Seite der Geschichte zu erfahren. Bestes Beispiel dafür ist das Zitieren von falschen und diffamierenden Behauptungen unter völliger Nichtberücksichtigung der Fakten.

G2A nimmt mit der Stellungnahme eine eindeutige Position ein und verzichtet darauf, die Wogen durch versöhnliche Worte oder Kompromisse zu glätten. Die Kernbotschaft: Die eigene Key-Selling-Plattform sei äußerst kundenfreundlich und Entwicklern sowie Publishern nur wegen möglicher ausbleibender Profite ein Dorn im Auge.

Bei Gearbox Publishing weist man indes jegliche Schuld an dem PR-Debakel von sich. Die Zusammenarbeit habe der Spieletwickler People Can Fly (PCF) initiiert, so der Gearbox-CEO Randy Pitchford auf Twitter. Er selbst habe G2A bis vergangene Woche noch nicht einmal gekannt.

Bulletstorm: Full Clip Edition - Screenshots der Neuauflage