Finales Test-Fazit

Windows 8 im Testtagebuch : Florian Klein: Für Windows-Veteranen bedeutet Windows 8 zunächst die größte Umgewöhnung seit langer, langer Zeit. Wer sich daran erinnert, als DOS noch das Betriebssystem für Spieler war, kann den Unwillen nachvollziehen, der Windows 95 damals entgegen schlug – aufgebläht, Ressourcen fressend, voller unnötigem Ballast für Spieler.

Ähnlich ergeht es heute Windows 8: Die jedem Windows-Design zuwider laufende Metro-Oberfläche mit ihren auf Desktop-Monitoren riesigen Kacheln und verschwenderisch mit Bildschirmplatz umgehenden Apps, der Store-Zwang auf der traditionell freien PC-Plattform und überhaupt der Bruch mit vielen lang antrainierten Windows-Gewohnheiten sorgen für heftigen Gegenwind. Noch dazu benötigen viele Apps zwingend ein Microsoft-Konto, Cloud-Anbindung und Datenschutzbedenken gehen Hand in Hand.

Und tatsächlich: Die konsequente Ausrichtung auf Touch-Bedienung, die zu ungewohnten und teils langen Umwegen mit der Maus führt, nervt anfangs schnell. Zumal Touch-Bedienung bei Desktop-PCs fast vollkommen sinnfrei ist, selbst mit einem der extrem seltenen berührungsempfindlichen TFTs schmerzen einem spätestens nach zehn Minuten die Arm- und Schultermuskeln, wenn der TFT nicht annähernd horizontal in den Schreibtisch eingelassen ist.

Die Apps sind ebenfalls kein Kaufgrund für Windows. Im Vergleich zu traditionellen Desktop-Programmen bestechen sie zwar mit unbestreitbar schickem Design, der Funktionsumfang und die Informationsdichte pro Zoll Bildschirmdiagonale sind aber um ein Vielfaches geringer. Unterm Strich finden wir nichts, was Sie mit einer App machen können, für das es nicht ein (meist wesentlich flexibleres) Desktop-Programm gibt. Mit Ausnahme von Xbox Music vielleicht, dem integrierten Streaming-Dienst für Musik von Microsoft, für den Sie die App brauchen. Desktop-Alternativen wie Spotify finden sich aber genug.

Erste Anzeichen, dass Windows 8 mehr kann, machen sich aber bemerkbar, sobald das befremdliche Gefühl angesichts der Metro-Oberfläche nachlässt und wir anfangen, den PC wie gewohnt zu nutzen – soll heißen: mit Desktop. Was sich einstellt, ist das Gefühl von Geschwindigkeit. Angefangen bei der Installation, die nicht einmal zehn Minuten dauert, bis hin zum teils doppelt so schnellen Hoch- und Herunterfahren gegenüber Windows 7 . Egal ob das ständige Umschalten zwischen Metro und Desktop, zwischen Apps und Programmen oder einzelnen Fenstern – Windows 8 ist noch flotter als der eh schon schnelle Vorgänger.

Außerdem bringt Windows 8 nicht nur Metro und Apps, Microsoft hat auch den traditionellen Desktop-Teil nicht vernachlässigt. Zwar fehlt nun der Start-Button, das an seiner Stelle per Rechtsklick erreichbare Menü macht aber häufige Systemsteuerungsaufgaben wesentlich komfortabler erreichbar als bisher. Dazu kommt der aufgebohrte Task Manager, der (unter anderem) endlich eine sinnvolle Kontrolle der automatisch mit Windows startenden Programme erlaubt. Kleinigkeiten wie die erstmals einigermaßen zuverlässig arbeitende Zeitvorhersage bei Kopiervorgängen inklusive Pausenfunktion und direktem Link zu Quell- und Zielordner tragen zum Eindruck bei, dass Microsoft bei Windows 8 wirklich nicht nur an Smartphones, Tablets & Co. gedacht hat, sondern die traditionellen PC-Nutzer durchaus mit im Blick hatte.

Unterm Strich bringt Windows 8 mehr (nützliche) Desktop-Neuerungen als Windows 7 im Vergleich zu Vista. Arbeiten und Spielen lässt uns der wesentlich wichtigere Desktop-Teil mindestens genauso gut wie von Windows 7 gewohnt. Wer Interesse am Neuen hat und bereit ist, einige Umwege aufgrund von Metro zu lernen, allerdings ohne dafür Abstriche bei den gewohnten Windows-Fähigkeiten zu machen, dem empfehlen wir unterm Strich den Umstieg auf Windows 8. Der Autor hat ihn jedenfalls (noch) nicht bereut, auch wenn er alles andere als nötig ist.

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Windows 1.0 (1985)
Mit Windows 1.0 startete Microsoft seinen Versuch, einen grafischen Aufsatz für MS-DOS zu etablieren. Überlappende Fenster gab es aber erst ab Windows 2.0 von 1987.