Zum Thema » Filmkritiken auf Gamestar.de Unser Kanal zu aktuellen Kinofilmen Da ist er, der geschniegelte Tom Cruise mit dem stets sitzenden Haar, wieder auf der großen Leinwand. Aber Moment mal: Der sieht ja ganz anders aus. Vollkommen untypisch gibt sich der Hollywoodstar in der Kinoadaption des Broadway-Musicals Rock of Ages. Da erscheint er doch glatt mit Rockermähne, Augen-Make-Up, Tattoos und schwarzen Fingernägeln auf der Leinwand. Kann das was werden? Die Antwort kommt überraschend: Ja, es kann.

Mit einer komplett vorhersehbaren Story, teilweise nur mittelmäßiger Schauspielleistung, vielen unbekannten Gesichtern aber dafür einer überaus gelungenen Darbietung kultiger 80er-Jahre-Rocksongs könnte Rock of Ages ein erfrischend leichter Film für den Kinosommer 2012 werden.

Die Story

Wir schreiben 1987. Landei Sherrie (Julianne Hough) aus Oklahoma kommt mit dem Greyhound-Bus in LA an. Dabei hat sie kaum mehr als ihre Sammlung an Rockplatten, die ihr auf dem Sunset Boulevard sogleich geklaut wird. Mit großen Träumen ist die Blondine nach LA gekommen. Im Musikbusiness will sie es schaffen. Da kommt es ihr natürlich nicht ungelegen, dass der ebenfalls musikalisch ambitionierte Drew (Diego Boneta) sie sofort seinem Chef Dennis (Alec Baldwin) vorstellt und ihr dadurch auch noch einen Job im Bourbon Room besorgt. Dieser ist nämlich der angesagteste Club der Stadt, hier stehen die ganz Großen auf der Bühne.

Sherrie und Drew sind von Anfang an Feuer und Flamme füreinander und prompt kommt auch noch Drews große Chance. Er und seine Band sollen als Opening Act für die Rockband Arsenal auftreten, die im Bourbon Room ihren letzten Auftritt zelebrieren wollen. Allen voran Leadsinger Stacee Jaxx (Tom Cruise), dessen Anwesenheit für ein volles Haus sorgen soll.

Währenddessen protestiert die Frau des Bürgermeisters (Catherine Zeta-Jones) mit ihren Anhängern lautstark gegen die Machenschaften der Rockstars, weil sie einen schlechten Einfluss auf die Jugend haben sollen.

Rock of Ages
Alec Baldwin und Russel Brand verstehen es, einmal so richtig abzurocken.

Kitsch, Cruise und Rock'n Roll

Rock of Ages fängt so kitschig an, dass man einen leichten Drang verspürt, das Kino nach wenigen Minuten schon wieder zu verlassen. Da sitzt die blonde Sherry mit ihrem Köfferchen im Cross-Country-Bus nach LA und fängt urplötzlich an, von ihren Träumen zu singen. Als die anderen Passagiere und der Busfahrer dann auch noch einstimmen, ist das Desaster perfekt. Gelacht wird hier mehr aus Scham als aus Vergnügen. Überraschenderweise kriegt Regisseur Adam Shankman aber doch noch die Kurve und nach der ersten halben Stunde hat man sich eingefunden und kann sich der Show getrost erfreuen. Allen voran retten Tom Cruise jedoch den Film.

Wer hätte das gedacht? Der Hollywoodstar macht sich richtig gut als versoffener Altrocker. Dass er hierbei den gesamten Film über mit freiem Oberkörper herumläuft und seine gestählte Brust zur Schau trägt, ignorieren wir mal gekonnt. Der Schlüssel zum Erfolg? Selbstironie. Obwohl sich der ganze Film nicht so furchtbar ernst nimmt, kommt dies erst mit Stacee Jaxx so richtig zur Geltung. Tom Cruise meistert die Performance perfekt. Hier wird zwar nicht in Slaptstick abgedriftet, aber der Rockstar ist konsequent komisch. Wenn er dann auch noch Bon Jovis ›Wanted Dead or Alive‹ und weitere 80er Jahre Rockhymnen raushaut, fängt man nicht nur unverhofft mit dem musikalischen Mitwippen an, er darf auch herzhaft gelacht werden.