Diesmal andersrum

Dass Mills dieses Mal auf Töchterchen Kim zählen muss, dürfte schon für Stirnrunzeln beim Publikum sorgen. Aber warum nicht? Megaton legt bei seiner Inszenierung ganz offensichtlich wenig Wert auf Logik oder Realismus, also scheint alles erlaubt. Und so lässt er Kim über die Dächer Istanbuls klettern und sorgt dafür, dass sie ihren entführten Vater möglichst spektakulär ausfindig macht - indem sie Handgranaten um sich wirft nämlich. Wer wissen will, wie das funktioniert, sollte sich den Film ansehen, wir wollen hier nicht zu viel verraten.

Exodus - Götter und Könige (25. Dezember 2014)
Regisseur Ridley Scott erzählt die Geschichte von Moses (gespielt von Christian Bale) neu. Er wächst in der Pharaonenfamilie von Ägypten auf. Obwohl sie nicht blutsverwandt sind, stehen er und sein Bruder Ramses sich sehr nahe. Doch während Ramses Pharao wird, hat Moses Visionen von Gott und führt schließlich das versklavte Volk von Israel in die Wüste. Mit Sigourney Weaver, Aaron Paul und Ben Kingsley.

Luc Besson hat sich das Sequel ganz offensichtlich ein wenig aus den Fingern gesogen. Trotzdem wirkt die Prämisse zumindest ansatzweise plausibel: Ein Vater, der Rache am Mord seines Sohnes üben will. Mills möchte ja eigentlich gar nicht mehr kämpfen. Lieber würde er das schöne Istanbul genießen und wieder mit seiner Exfrau anbändeln. Aber: was muss, das muss. Und so bleibt es nicht aus, dass Liam Neeson einige Nahkampfeinlagen hinlegt und wild um sich ballert.

Ein paar Logikfehler stören dann aber doch: Vater und Tochter setzen ihr Auto geradewegs durch das Tor und mitten in den Hof der amerikanischen Botschaft, um ihrem Verfolger zu entkommen. Wie es sein kann, dass Mills dann in der nächsten Szene schon wieder hinter den Übeltätern her ist, wird nicht erklärt. Da ist auch der nebenbei erwähnte Freund, der wohl Verbindungen zur Botschaft hat und ihm geholfen haben will, wenig befriedigend.

Legitime Gewalt?

96 Hours - Taken 2 : Auch im zweiten Taken-Film zeigt Liam Neeson wenig Zurückhaltung bei seinen Gegnern. Auch im zweiten Taken-Film zeigt Liam Neeson wenig Zurückhaltung bei seinen Gegnern. Liam Neesons Figur ist zwiespältig. Als Zuschauer steht man schnell hinter dem Helden und will, dass er seine Gegner ausschaltet. Dennoch musste sich Luc Besson nach dem ersten Teil viele Vorwürfe in Richtung Gewaltverherrlichung anhören. Auch im Sequel ist die Brutalität nur ansatzweise runtergeschraubt worden. Mills will zwar eigentlich gar nicht kämpfen, sieht sich aber doch immer wieder zum Morden gezwungen. Ein innerer Konflikt, der gegen Ende des Films noch einmal zur Sprache gebracht wird. Eine moralische Geste, die sich wohl am ehesten an kritische Zuschauer wendet.

Fazit

Anne Facompre: Für Genre-Anhänger und Fans des ersten Teils ist 96 Hours – Taken 2 fast schon Pflicht. Mit dem dreifachen Budget sorgt Megaton für mehr Tempo, was dem Film sehr gut tut. Und Liam Neeson strotzt der irrwitzigen Geschichte mit einer souveränen Performance, die immer unterhaltsam bleibt. Wer bei diesem Rachefeldzug also keine moralischen Bedenken hegt, dürfte an dem Spektakel seine Freude haben.