Artikel

Die Artikel-Übersicht auf GameStar.de mit Previews, Hintergrund-Berichten, Reports, Kolumnen, Interviews, Kinofilm-Kritiken und mehr.
Seite 1 2

Filmkritik zu Django Unchained

Western von gestern

Je absurder das Vorhaben, desto besser der Tarantino: Django Unchained feiert den europäischen Spaghetti-Western in den USA, und zwar brutaler und hinterlistiger als die Vorbilder es jemals waren.

Von Christian Merkel |

Datum: 11.01.2013


Zum Thema » Interview : Quentin Tarantino »Ich musste die Gewalt reduzieren« » Filmclip Django Unchained Dr. Schultz befreit Django » Interview: Christoph Waltz Ungewollt Drehbuch beeinflusst Quentin Tarantino liebt Kino. Vor allem die Streifen, mit denen er aufgewachsen ist. Dass Italowestern ganz eindeutig zu seinen Favoriten gehören, merkt man allen seinen Filmen an. Der zweite Kill Bill war stark von Sergio Leones Werken inspiriert, auch Ennio Morricones Musik taucht immer wieder auf. Tarantinos aktueller Film Django Unchained bezieht sich auf Sergio Corbuccis Western Django von 1966 mit Franco Nero in der Hauptrolle. Obwohl Nero auch in Django Unchained einen Kurzauftritt absolviert, hat Tarantino kein Remake gedreht. Er greift vielmehr die Motive des Rächers und Antihelden im Kampf gegen den Rassismus auf, um eine völlig neue Geschichte rund um die Sklaverei in Amerika kurz vor dem Bürgerkrieg zu erzählen.

Die Handlung

Django Unchained holt weit aus. Im Stil einer Origin-Geschichte aus der Comic-Welt erzählt Tarantino, wie aus dem unbeholfenen, aber mit Schusswaffen bestens vertrauten Django (Jamie Foxx, zuletzt in Kill the Boss und Stichtag zu sehen) ein eiskalter Rächer wird. Ohne ein wenig Hilfe von außen geht da nichts: Der Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz, Inglourious Basterds und zuletzt in Green Hornet und Der Gott des Gemetzels) braucht Hilfe bei der Jagd nach den Brittle-Brüdern. Da Django im Gegensatz zu ihm weiß, wie die Ziele aussehen, befreit Schultz ihn aus einem Sklaventreck und verspricht ihm die Freiheit, nachdem die Brüder erledigt sind.

Doch es bleibt nicht beim Zweckbündnis: Ein Vertrauensverhältnis entwickelt sich. Gemeinsam machen sie weiter Jagd auf flüchtige Verbrecher. Django reift dabei sowohl als Person sowie als Schütze. Die Erfahrung braucht er auch: Django will seine Frau Broomhilda (Kerry Washington, wurde mit Ray und Der letzte König von Schottland bekannt) wiederfinden, die ihm ein Sklavenhändler geraubt hat. Schultz und Django finden sie auf Calvin Candies (Leonardo diCaprio, J. Edgar und Inception ) Farm. Mit falscher Identität und einem ausgefuchsten Plan versuchen sie, Candie die Frau abzuluchsen. Doch der Haussklave Stephen (Samuel L. Jackson, seit Pulp Fiction immer wieder Stammgast bei Tarantino und zuletzt in The Avengers zu sehen) deckt das falsche Spiel auf. Ein Kampf ums Überleben beginnt.

Django Unchained
Django (Jamie Foxx) und Broomhilda (Kerry Washington) sind ein Ehepaar, was unter Sklaven eigentlich nicht als üblich galt.

So kurz diese Beschreibung auch sein mag, Tarantino erzählt Django Unchained nicht als kleines Kurzfilmchen. Über 165 Minuten zieht sich seine Geschichte in einer episodenhaften Struktur, die an Homers Odyssee erinnert. Der Film ist darüber hinaus mit vielen Anekdoten und langen Gesprächen gespickt, die nicht immer zur Handlung beitragen. Der Zuschauer nickt trotzdem nicht ein: Immer wieder versteht es der Regisseur, der Handlung eine unerwartete Wendung zu geben oder irgendetwas Überraschendes zu zeigen.

Sklaverei und der Bürgerkrieg

Django Unchained : Dr. King Schultz (Christoph Waltz) und Django (Jamie Foxx) raufen sich in Django Unchained zusammen. Dr. King Schultz (Christoph Waltz) und Django (Jamie Foxx) raufen sich in Django Unchained zusammen. Im Original von 1966 ist Django der archetypische Rächer. Diesen Charakterzug verlernt er auch in Django Unchained nicht. Mit den Worten: »Weiße töten und dann noch dafür bezahlt werden? Was sollte man daran nicht mögen?« steigt der schwarze Ex-Sklave ins Kopfgeldjäger-Geschäft ein. Diesen Hass begründet Tarantino. So sind im ganzen Film die Gräueltaten der weißen Amerikaner zu sehen. Vor allem bei Auswüchsen wie dem »Mandingo«-Kampf zweier Sklaven um Leben und Tod und einer Kastrationsszene schaut die Kamera nie weg, sie konfrontiert den Zuschauer fast schmerzhaft mit schockierenden Momenten. Und bei der Gewalt bleibt es nicht: So darf der Bösewicht einen elendig langen Monolog über das Gehirn von Farbigen halten. Ob Tarantino hier nur Voyeurismus betreibt oder wirklich kritisiert, muss jeder für sich entscheiden.

Tarantino wäre aber nicht Tarantino, wenn er nicht wüsste, dass die Karikatur meistens noch effektiver ist als die reine Gewaltdarstellung. So wird in einer Szene ein Vorläufer des Ku Klux Klans mit seiner eigenen Unfähigkeit und Problemen zuhause auf die Schippe genommen. Aber gerade in Momenten, in denen es kleine Fortschritte bei Djangos Akzeptanz in der Gesellschaft gibt, erkennt der Zuschauer , dass dem Film doch eine Botschaft auf dem Herzen liegt. Eine der stärksten Szenen ist der Moment, als ein weißer Sheriff Django als Kopfgeldjäger anspricht und ihn damit richtig ernst nimmt.

INHALTSVERZEICHNIS

Seite 1
Seite 2
Diesen Artikel:   Kommentieren (69) | Drucken | E-Mail
FACEBOOK:
TWITTER:
 
WEITERE NETZE: Weitersagen
Sagen Sie Ihre Meinung (» alle Kommentare)
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten!
» Zum Login

Sie sind noch nicht in der GameStar-Community angemeldet?
» Zur kostenlosen Anmeldung
Erster Beitrag  |  » Neuester Beitrag
1 2 3 ... 7 weiter »
Avatar KingLamer
KingLamer
#1 | 11. Jan 2013, 11:26
1. nach diesem film werden wieder einige big-budget-western kommen.
2. endlich wiedermal ein tarantino nach meinem geschmack (nicht so skuril oder gewaltstrotzend wie zuletzt)
rate (33)  |  rate (3)
Avatar Arthur_42_Dent
Arthur_42_Dent
#2 | 11. Jan 2013, 11:39
"...auch wenn er nicht ganz an Pulp Fiction oder Kill Bill heranreicht."

Sorry, aber ich finde nicht das Kill Bill sich die selbe Messlatte wie Pulp Fiction teilen kann. Sowieso hat jeder Tarantino Film für sich seinen eigenen Charme und ist meiner Meinung nach unvergleichlich.
Als Fan der ersten Stunde freu ich mich auf jeden Fall tierisch auf Django! Yeah!
rate (53)  |  rate (5)
Avatar DieWitzfigur
DieWitzfigur
#3 | 11. Jan 2013, 11:45
@ Kinglärmer

Den Big-budget-Western gabs ja auch schon mit "True Grit" von den Coen Gebrüdern. Allein schon wegen Jeff Bridges als grimmiger Säufer (was auch sonst) ist der Film sehr sehenswert.
rate (25)  |  rate (2)
Avatar Arthur_42_Dent
Arthur_42_Dent
#4 | 11. Jan 2013, 11:56
Zitat von DieWitzfigur:
@ Kinglärmer

Den Big-budget-Western gabs ja auch schon mit "True Grit" von den Coen Gebrüdern. Allein schon wegen Jeff Bridges als grimmiger Säufer (was auch sonst) ist der Film sehr sehenswert.


Stimmt! "True Grit" war verdammt gut!
rate (17)  |  rate (1)
Avatar DR. Giggles
DR. Giggles
#5 | 11. Jan 2013, 12:05
hab den film zwar noch nicht gesehen, kann also nicht darüber sagen.
dennoch würde ich zu gern wieder einen gangsterfilm wie pulp fiktion oder reservoir dogs von ihm sehen.
rate (12)  |  rate (2)
Avatar Srefanius
Srefanius
#6 | 11. Jan 2013, 12:29
Ich bin Western-Fan. Ich bin Sergio-Leone-Fan. Ich bin Tarantino-Fan. Ich bin Morricone-Fan.

-> Ich bin verdammt nochmal heiß auf diesen Film!
rate (15)  |  rate (1)
Avatar KingLamer
KingLamer
#7 | 11. Jan 2013, 13:23
Zitat von DieWitzfigur:
@ Kinglärmer

Den Big-budget-Western gabs ja auch schon mit "True Grit" von den Coen Gebrüdern. Allein schon wegen Jeff Bridges als grimmiger Säufer (was auch sonst) ist der Film sehr sehenswert.

ja, true grit war ein guter western. verdammt real gehalten halt.

seit 2007 gab's nur eine handvoll western mit viel budget: 2007 3:10 to yuma, 2008 appaloosa, 2010 jonah hex und eben 2010 true grit.
für meinen geschmack sind das alles gute filme (ausser jonah hex natürlich), aber gerade viele wurden nicht produziert (nicht mal einer pro jahr). django könnte die szene schon ein bisschen beleben. mal sehen.
rate (4)  |  rate (0)
Avatar Maxter
Maxter
#8 | 11. Jan 2013, 13:34
Zitat von Arthur_42_Dent:
"...auch wenn er nicht ganz an Pulp Fiction oder Kill Bill heranreicht."

Sorry, aber ich finde nicht das Kill Bill sich die selbe Messlatte wie Pulp Fiction teilen kann. Sowieso hat jeder Tarantino Film für sich seinen eigenen Charme und ist meiner Meinung nach unvergleichlich.
Als Fan der ersten Stunde freu ich mich auf jeden Fall tierisch auf Django! Yeah!


Pulp Fiction spielt wohl in einer eigenen Liga. Und Kill Bill war ziemlich gut aber nicht überragend.
rate (11)  |  rate (2)
Avatar Granatennorbert
Granatennorbert
#9 | 11. Jan 2013, 13:41
Also Kill Bill war einfach nur schlecht. Keine Ahnung was Quentin da für Vorstellungen hatte aber die komplette Reihe war mehr als überflüssig. Dass jemand einen Trash wie Kill Bill fabriziert hat und grandiose Filme wie Reservoir Dogs, Jackie Brown, Pulp Fiction und Inglourious Basterds schuf, passt irgendwie nicht zusammen.
rate (11)  |  rate (24)
Avatar outofcontrol84
outofcontrol84
#10 | 11. Jan 2013, 13:47
Macht einen guten, ersten Eindruck. Aber keine Konkurrenz für Hanekes "Amour", und ich hoffe dass das diesmal auch Hollywood kapiert!
rate (1)  |  rate (2)
1 2 3 ... 7 weiter »

PROMOTION
 
Sie sind hier: GameStar > Artikel > Filmkritiken > Django Unchained
top Top
Werde Fan von GameStar auf FacebookFacebook Aboniere den YouTube-Kanal von GamestarYouTube Besuche Gamestar auf Google+Google+ GameStar auf Twitter folgenTwitter Alle RSS-Feeds von GameStar.deRSS-Feeds Jetzt GameStar-Newsletter bestellenNewsletter
© IDG Entertainment Media GmbH - alle Rechte vorbehalten