Warner Bros. sind genial. Also zumindest die deutschen WB-Agenturen, denen bei The Lego Batman Movie ein Marketing-Geniestreich gelingt: Gronkh als Synchronsprecher für den Joker. Einen stärkeren Zielgruppenmagneten für Jugendliche und Kinder kann man kaum finden - bei Bill Kaulitz hat's schließlich auch funktioniert.

Einen Haken hat die Sache aber: Kaum eine aktuelle Filmreihe lebt so sehr von ihrem Wortwitz und der Sprecher-Rafinesse wie The Lego Movie und dessen Spin-Off The Lego Batman Movie. Jemanden mit so wenig Vertonungs-Erfahrung für die Rolle von Batmans charismatischstem Schurken zu rekrutieren, könnte sich also durchaus als Fiasko entpuppen. Deswegen will ich auch zu allererst darüber reden, ob die »Gronkh-Rechnung« aufgeht, bevor ich über den eigentlichen (extrem sehenswerten) Film rede.

Ich wüsste übrigens wirklich gerne, ob Gronkh für seinen Job mehr Gage bekommt als die übrigen Stimmen, die quasi allesamt gestandene Veteranen sind (Batman, Alfred und alle »Leihfiguren« aus anderen Franchises werden von ihren klassischen deutschen Sprechern vertont, David Nathan nimmt beispielsweise seine Rolle als Bruce Wayne aus der Dark-Knight-Trilogie wieder auf).

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Funktioniert Gronkh als Synchronsprecher?

So oder so, der YouTube-Primus macht seine Sache als Batmans Erzrivale Joker durchaus ordentlich. Klar, man hört den Unterschied zu den Profis und es fehlt die genial-verrückte Spitze und Bösartigkeit, die Simon Jäger in The Dark Knight aus dem Clown des Bösen herauskitzeln konnte (uns Spielern bewies er sein Talent für fiesen Wahnwitz auch noch als Vaas Montenegro in Far Cry 3). Aber man kauft ihm die Rolle trotzdem ab - und Gronkh transportiert durch die Bank den Spaß an seiner Rolle. Davon profitiert gerade ein launiger Film wie The Lego Batman Movie.

LEGO Batman Movie

Ich kann mir vorstellen, dass einige Kritikerkollegen sich über Gronkhs Sprecher-Performance die Haare raufen werden. Aber ganz ehrlich: Bei der deutschen Vertonung eines so wortwitz-lastigen Films bleiben immer ein paar Feinheiten auf der Strecke. Dass es trotzdem unzählige Momente gab, in denen der ganze Kinosaal (mich eingeschlossen) aus dem Lachen nicht mehr raus kam, zeugt davon, dass die Synchronstudios (Gronkh eingeschlossen) hier einen echt guten Job gemacht haben.

Und für Wortwitz-Enthusiasten gibt's ja immer noch die Möglichkeit, sich den Film im englischen Original anzuschauen. Okay? Gut - jetzt wo wir das geklärt haben, reden wir über den eigentlichen Film. Der macht nämlich extrem viel Spaß.

Best of Batman

The Lego Batman Movie ist eine augenzwinkernde Eigenparodie, in der DC auf knapp 80 Jahre Batman zurückblickt, um sich in einem Effektfeuerwerk mal so richtig über die skurrilen Seiten des düsteren Fledermausmanns lustig zu machen. Von den Serials der 1940er über die abgedrehte Adam-West-Phase der 60er bis zum seriösen Dark Knight - jede Ära des dunklen Rächers bekommt in The Lego Batman Movie ihre Bühne (und ihr Fett weg). Allein die unzähligen Schurken aus allen Lebensphasen von Bruce Wayne sind eine faszinierende Wühlkiste für Nerds. Kennen Sie beispielsweise Orca, den mörderischen Fischmenschen?

Man merkt wahrscheinlich schon, dass ich hier ein bisschen vage bleibe. Meiner Meinung nach sollte man sich so wenig wie möglich über die Story von The Lego Batman Movie informieren, bevor man ins Kino geht - deshalb will ich hier auch nichts spoilern. Nur so viel: Die reine Handlung des abgedrehten Lego-Films fällt vergleichsweise simpel und vorhersehbar aus.

Um Gotham City vor Gronkh-Joker zu retten, muss Batman lernen, anderen Menschen zu vertrauen. Das ist gleichzeitig der einzige Aspekt, in dem der Film wirklich enttäuscht: Bei so kreativen Gags und Charakteren hätte ich mir eine ähnlich abgedrehte Story gewünscht. Man weiß nach zehn Minuten, worauf das Finale hinausläuft - und Batman auf dem Weg zum Offensichtlichen zu verfolgen, kann sich deshalb an einigen Stellen ganz schön in die Länge ziehen.

Besser als Batman v Superman

Dass der Film am Ende trotzdem viel mehr Spaß macht als Batman v Superman, liegt schlicht am hervorragenden Gag-Design. Die Dialoge sind knackig, überraschend, witzig und unheimlich clever. Wer The Lego Movie gesehen hat, kann in etwa absehen, was auf ihn zukommt. Falls nicht: Stellen Sie sich die pointierten Gespräche eines Uncharted in einem Universum vor, in dem tendenziell alles möglich scheint.

Das geht ab Sekunde Eins los: Wenn Batman die »Opening Credits« seines eigenen Films kommentiert und drüber munkelt, wie man dieses »Warner Bros.« denn jetzt richtig ausspricht, beginnen schon die ersten Lacher (auch wenn der Witz natürlich niedergeschrieben lange nicht so zündet wie in Aktion). Tempo und Rhythmus der Gags zünden fast immer - auch im Deutschen.

Aus Comic-Fan-Perspektive haben die Macher in meinen Augen komplett verstanden, was Batman über die Jahrzehnte so großartig gemacht hat - und das ist eben weit mehr als die düstere Dark-Knight-Stimmung, die er seit den 80ern verkörpert. Mal abgesehen von einigen Längen im Drehbuch hatte ich beim Schauen unheimlich viel Freude, habe gelacht und gleichzeitig innerlich gejubelt, wie sehr ich diesen ganzen Superhelden-Kram liebe - also genau die Gefühle, die der Film auslösen will. Die Effekte sind großartig, der Soundtrack ebenfalls voller Jokes, ich kann den Film klar jedem empfehlen, der Lust auf eine witzige, abgedrehte Achterbahnfahrt hat.

Wer einen waschechten Nachfolger zu The Lego Movie sucht, sollte seine Erwartungen allerdings zurückschrauben. The Lego Batman Movie erreicht an keiner Stelle dessen komplett verrückte Genialität, weil er einfach zu vorhersehbar bleibt und der Rahmen an Cameo-Auftritten und Franchise-Crossovern ebenfalls unter dem des letzten Films bleibt. Aber immerhin: Sauron und Voldemort geben ein tolles Pärchen ab.