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Report: Die Akte Ascaron | Seite 7

Große Hits, große Reinfälle

Leserbrief von Marc Oberhäuser

Ich war Mitbesitzer der Ikarion Software GmbH und habe nach dem Ende der Firma zusammen mit zahlreichen anderen ehemaligen Ikarion-Leuten unter Studio 2 Software GmbH an Sacred und Sacred 2 als Senior Game Developer gearbeitet.

Es ist wirklich erschreckend, wie die Mitarbeiter von Studio 2 sowie Holger Flöttmann und Franz Stradal in eurem Artikel abgeurteilt werden. Einen so einseitigen Bericht habe ich von der GameStar nicht erwartet. Hier äußern sich fast ausschließlich Personen, die nichts, oder so gut wie nichts zu Sacred beigetragen haben. Zum Thema „Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“: Ein Daniel Dumont war mit der Konsolenkonvertierung beauftragt und nicht für das Design von Sacred/Sacred 2. Wenn wir jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätten, wenn aus dieser Richtung wieder etwas Abstruses kam, hätten wir jetzt noch eine Gehirnerschütterung.

Sicher haben Holger Flöttmann und Franz Stradal - wie wir alle - nicht alles richtig gemacht, aber in eurem Artikel kommt das so rüber, als wenn sie absolut unfähige Personen wären. Ja, wir haben Fehler in der Planung gemacht, wir haben Zeitpläne zuweilen zu optimistisch eingeschätzt, aber so was passiert, wenn ein Team von ca. 20 Leuten auf 60 aufgeblasen wird. Die einfache Rechnung, dass mehr Leute das Äquivalent zu schnellerer Entwicklung ist, konnte nicht aufgehen. Und bis zum letzten Tag kamen immer wieder Befehle des neuen Ascaron-Geschäftsführers, zusätzliche Features ins Spiel zu packen.
Letztendlich ist das alles symptomatisch. Wir in Aachen kamen uns oft vor wie die Aussätzigen, die viel Geld kosteten, die man nicht mochte, die man aber leider dennoch brauchte. Die, die einen Betriebsrat etabliert hatten, um wenigstens ein wenig Gehör zu bekommen. Die, die trotz laufend zu spät gezahlten Gehältern zahllose Überstunden geknüppelt haben und endlose 7-Tage-Wochen hinter sich gebracht haben, um das Spiel irgendwann doch noch einigermaßen fertig zu bekommen.

Ich verabschiede mich (erstmals in meinem Leben) in Richtung Arbeitslosigkeit (wie fast alle anderen Mitarbeiter von Studio 2). Eine echte Schande, denn das Team war ein gutes.

Marc Oberhäuser
Senior Game Designer
Ascaron Studio 2

Leserbrief von Peter Luber

Holger Flöttmann war ein starker Producer, aber die Umsetzung eigentlich guter Visionen scheiterte häufig an Details. Der schlimmste und bis zuletzt wiederholte Fehler waren zu kurze Entwicklungszeiten für anspruchsvolle Ziele. Geld ist knapp, Entwicklungszeit ist Geld. Die Resultate sind fatal. Arbeitsvorbereitungen und Planung werden verkürzt, Fehleranfälligkeit steigt. Schnelle Ergebnisse schaffen technische Fakten. Für Qualitätssicherung und Polieren des Spiels gibt es zu wenig Zeit. Häufig kommen neue Aufgaben (Versionen, Demo, Marketingfeatures) dazu. Mitarbeiter werden demotiviert, Kunden enttäuscht, Potenzial nicht ausgeschöpft.

Daniel Dumonts Projekte waren erfolgreich, er konnte sein Team gegen Eingriffe abschotten. Die mittelgroßen Spiele waren sauber geplant - Zeit für den Abschluss fehlte auch hier oft. Andere Projektleiter hatten weniger Freiheiten.

Das Management verhandelt besser als optimistische Entwickler wie Franz Stradal. Zwei Jahre sind für einen Top-Titel mit neuer Technologie unrealistisch. Externe Berater bestätigten Studio 2 während und nach dem Addon hohe Produktivität - die ging durch die Verdreifachung des Teams verloren, Franz wollte keine Hierarchien. Dazu kam gestörte Kommunikation zwischen den Standorten, gestörtes Vertrauen. Aachen »wurde nicht fertig«, Gütersloh »verschwendete Geld«.

Die nötige Reorganisation erzeugte endlich wieder Fortschritt, aber Heikos »Lasst uns nach vorne schauen!« und Sündenbock Franz verhinderten Ursachenforschung. Statt schmerzhafter Kürzungen wurde ein letztes Mal zu optimistisch geplant. Das Ergebnis erfüllte die geweckten Erwartungen in Qualität und Verkäufen nicht.

Das Addon Ice&Blood ist nun der Abschied des Studio-2-Teams - Planung, Umfang und Fehler sind diesmal unsere eigenen!

Peter Luber
Senior Game Designer
Ascaron Studio 2

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Avatar sirsims
sirsims
#1 | 31. Aug 2009, 18:39
"Die Akte Ascaron" ist für mich zu einem eurer besten Reports geworden!
Ein Lob auch an Herr Schmidt.
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Avatar DoubleFloat
DoubleFloat
#2 | 31. Aug 2009, 18:47
Lob auch von meiner Seite!
Schade, dass es mit Ascaron zu Ende gegangen ist, Sacred und auch Sacred2 sind zwei meiner liebsten RPGs und ich hab schon einige gespielt.
Hoffen wir mal, dass die bisherigen Mitarbeiter alle nen neuen Arbeitsplatz finden und auch weiterhin ihre Kreativität in der deutschen Spielebranche einbringen.
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Avatar Jul!an
Jul!an
#3 | 31. Aug 2009, 18:53
Ein sehr guter, interessanter und aufschlussreicher Report! Ich selbst habe mich - wie viele andere leser - sehr häufig gefragt, wie es möglich ist, dass ein Studio wie Ascaron schließt. Mit Hits wie Sacred/Sacred 2...
Ich selbst war sehr erschrocken, als ich las, dass das kleine Spiel Ballerburg 1 Millionen Mark gekostet haben soll! Ähnliche kleine Spiele werden heutzutage immernoch von Hobbyentwicklern gebastelt....


Allerdings dachte ich der Reportwäre schon einmal erschienen??
Oder war das nur im Heft und jetzt ist er das erste Mal online?
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Avatar OneofOne
OneofOne
#4 | 31. Aug 2009, 18:55
Etwas einseitig geschrieben, da nicht mal einer von Studio 2 zum Thema Sacred zu Wort kommt. Und auch sonst sind wohl einige Aussagen unter den Tisch gefallen, die nicht ganz so negativ waren - aber wohl nicht zur gewollten Aussage passten. Aber trotzdem ganz guter Bericht. Man sollte sich aber auch mal die andere Seite in den offiziellen Foren anhören, um einen Gesamteindruck zu bekommen.
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Avatar Razortec
Razortec
#5 | 31. Aug 2009, 19:06
Das ist ein, für meinen Geschmack, guter Bericht, wo ich das Cover von Port Royale gesehen hab, musste ich an vergangene Zeiten denken. Schade finde ich es, trotz aller Unkenrufe, das es Ascraon/Studio II nicht mehr gibt. Ich hab mich eine Zeitlang im offiziellen Sacred Forum rumgetrieben und man konnte förmlich spüren, das die meisten der Jungs Engagement gezeigt haben, eine gewisse Ehre Ice & Blood gut und vollständig auf den Markt zu bringen. Es tut mir auch leid, das einige hochmotivierte und spezialisierte Leute auf dem Arbeitslosenmarkt "rumgondeln". Wer auch immer schuld hat, Arbeitslos, will glaub ich, keiner sein.
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Avatar FKFlo
FKFlo
#6 | 31. Aug 2009, 19:07
Stand das nicht schon im Heft?,,ahja seh greade japp stand es,.wusste doch das es mir bekannt vorkam :D
Naja hatte shcon überlegt nen Leserbrief los zu schicken,aber das kann ich mir ejtzt ja spaen und es euch heir sagen:
SUPER REPORT,.eines der besten die ich je bei euch gelesen habe,.
dickes Lob an euch.
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Avatar ck001
ck001
#7 | 31. Aug 2009, 19:14
große hits, große reinfälle - im ersten moment musste ich an looking glass denken, denen es ganz ähnlich erging. war da nicht mal ein artikel in einer gs?
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Avatar Tezcatlipoca
Tezcatlipoca
#8 | 31. Aug 2009, 19:26
Ich finde solche Hintergrundberichte unglaublich interessant. Endlich erfährt man mal klipp und klar, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat.

Computerspielentenwicklung ist schon ein sehr hartes Geschäft, trotzdem Schade um Ascaron.
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Avatar FKFlo
FKFlo
#9 | 31. Aug 2009, 19:26
Zitat von ck001:
große hits, große reinfälle - im ersten moment musste ich an looking glass denken, denen es ganz ähnlich erging. war da nicht mal ein artikel in einer gs?


Hehe wusste garnicht das sie außer The Dark Project I und Teil 2 noch andere Spiele entwicklet haben, aber demnach das sie auch Flops hatten oder Spiele die man schelcht hätte nennen können werden sie wohl wirklcih noch andere Titel entwicklet haben,.denn bei Dark Project (Thief) kann man ja wohl nicht von einem schelchten SPiel reden!!
Man wie ich mich auf Teil 4 freue :)
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Avatar itistoolate
itistoolate
#10 | 31. Aug 2009, 19:29
Schöner Artikel.
Es ist schade um Ascaron.
Flöttman hätte wahrscheinlich jemand anderem das Management anvertrauen und sich selbst um das Kreative kümmern sollen.
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