Die besten Trailer der Woche : Trailer sind ja schon seit geraumer Weile eine eigene Kunstform. Sie entscheiden meist in erster Instanz darüber, ob wir auf ein Spiel aufmerksam werden und uns weiterhin dafür interessieren - oder eben nicht. Deswegen werden nicht selten Unsummen für diese Werbefilmchen ausgegeben. Außerdem entstehen sie oft nicht in den Entwicklungsstudios, es werden externe Firmen dafür angeheuert. Wie etwa Blur aus Kalifornien, die richtig große Namen wie Mafia oder Halo im Portfolio haben. Oder Platige Image aus Polen, auf deren Kappe nicht nur The Witcher 3-Trailer gehen, sondern auch solche für For Honor oder Total War: Warhammer. Oder das deutsche Studio Virgin Lands, das unter anderem Trailer für Anno Online gemacht haben.

Und auch wenn wir inzwischen nur alle zu genau wissen, dass fertige Spiele oft nichts mit den zuvor von uns bestaunten Werbefilmen zu tun haben - wir lieben sie, die Trailer.

Und weil wir sie so lieben, aber nicht immer alle gleich anschauen können, wenn sie erscheinen, stelle ich (und auch mal die Kollegen) an dieser Stelle nun jede Woche die fünf Trailer vor, die mir zwischen Freitag und Freitag am besten gefallen haben. Na gut, vielleicht werden's nicht immer fünf sein, vielleicht sind's auch mal nur drei oder vier. In der E3- und Gamescom-Woche mache ich das Defizit dann aber locker wieder wett. Als Rausschmeißer gibt's übrigens immer einen All-time Favorite von mir oder einem der Kollegen. Und jetzt geht's los.

Platz 5: RIOT: Civil Unrest

Gottchen, dieses Spiel treibt den Pixel-Look auf die Spitze - dachte ich bei den ersten Szenen, war dann aber recht schnell gefangen vom grafischen Minimalismus. Insbesondere deswegen, weil mein Kopf beim Anschauen automatisch echte Bilder daruntergelegt hat. Bilder, die ich schon mal in Dokumentationen oder den Nachrichten gesehen habe. Warum? Weil RIOT: Civil Unrest ein Echtzeit-Strategiespiel ist, das es uns erlaubt, reale Ausschreitungen der jüngeren Geschichte auf Seiten der Polizei oder als Aufständische nachzuerleben. Das könnte ziemlich intensiv werden.

Platz 4: The Flame in the Flood

Wenn ich ketzerisch wäre, würde ich ja behaupten, dass man den Releasetrailer von The Flame in the Flood gar nicht sehen muss. Man muss ihn nur hören. Denn die wundervolle Musik von Chuck Ragan dringt ohnehin schon in jede einzelne Pore. Nun ja, zumindest bei Menschen, die Chuck Ragan schon erlegen waren, als er noch nur für Hot Water Music geröhrt hat. Herrje, kann der röhren! Und bei Menschen, die auf Folk (gescheiten) und Bluegrass und so stehen. Aber ich bin ja nicht ketzerisch, man sollte also unbedingt die Augen aufhalten und den Trailer mit seiner einnehmenden Grafik auch anschauen.

Platz 3: Far Cry Primal

Dass Ubisoft seit etlichen Jahren enorm gute Trailer raushaut, ist ja nix Neues. Und ohne Jux, ich kann Ezio und Altair, wie sie zu Dubstep irgendwo rauf rennen oder Leute verdreschen, ja immer und immer und immer wieder zusehen. Für Far Cry Primal hat sich der Publisher aber mal was Anderes überlegt als coole Szenen auf coole Musik extra cool zu schneiden. Da wäre etwa dieser Trailer mit dem Soldaten, der durch die Zeit rennt. Lässiger aber noch, weil gleichermaßen abstrakt wie ironisch: die Spielecke aus Stein. Was das an Zeit und Schweiß gekostet haben muss! Und billig war's sicher auch nicht. Wobei - billiger als ein durchschnittlicher Rendertrailer ist die steinerne PlayStation 4 wohl allemal gewesen.

Platz 2: Hitman

Apropos Rendertrailer! Hier wäre dann endlich einer. Und zwar ein richtig guter, sonst hätte er es ja nicht auf Platz 2 geschafft. Herrlich unterkühlt, stylisch und trotzdem mit dem nötigen emotionalen Wumms, denn in den Opening Cinematics von Hitman wird uns gezeigt, was für eine lässige Socke Nr. 47 ist und schon immer war. Und was für eine lässige Socke wir demnächst sein können - wenn wir denn Lust auf Häppchenmeucheln haben sollten. Bevor ich zur extrem schrägen Nummer 1 komme, schnell eine Frage in die Runde: Sieht der Typ im Pool nicht wahnsinnig nach Terry O'Quinn (Lost) aus oder bilde ich mir das ein?

Platz 1: Unreal World

»You may want to shake the pine needles off your shoulders.« Sagt die nette Erzählerin im Trailer von Unreal World. Vielleicht sollte ich aber zunächst einmal die Spinnweben entfernen, die sich beim Anschauen der Szenen wie aus dem Nichts vor meinem Bildschirm manifestiert haben, bevor ich mir Piniennadeln von den Schultern schüttle! Meine Güte, das Werbefilmchen zum Rollenspiel ist wie eine Zeitreise in die frühen 90er. Und das ganz ohne Ironie. Denn Unreal World ist tatsächlich von 1992.

Ganz zu Beginn war's mal ein ASCII-Shareware-Spiel, inzwischen läuft's auf modernen Rechnern, sogar mit Musik und ist seit jüngst auch über Steam für 11 Euro (aktuell rabattiert für 9,34 Euro) zu beziehen. Optisch ist es aber ganz weit in der Vergangenheit stecken geblieben. Das finde ich allerdings nicht mal ansatzweise schlimm, zumindest während ich mir den Pixelbrei und die Fotos von »echten« Steinzeithelden anschaue und an früher denke. Spielen werde ich Unreal World allerdings niemals, auch wenn's über die Entwickler-Website kostenlos zu haben ist. Dafür wirkt's dann doch zu komplex und unübersichtlich. Aber den Trailer kann man sich gefahrlos anschauen und wahlweise schmunzeln oder ganz doll nostalgisch werden.

All-time Favorite: World in Conflict

Zu World in Conflict existieren einige ziemlich gute Trailer. Der mit Audioslave unterlegte etwa. Ich bekomme allerdings eine noch stärkere Gänsehaut bei World in Conflict meets Tears for Fears' »Everybody Wants to Rule the World«. Zum ersten natürlich, weil ich den Song einfach liebe. Zum zweiten aber auch, weil er als Stück aus dem 80ern (konkret stammt er von 1985) schlicht gut zum Setting (Kalter Krieg eskaliert, UdSSR überfällt Nato) passt. Zum dritten schließlich, weil Szenen und Musik wundervoll organisch verschmelzen und die Spielegeräusche nicht vollends überlagert werden, sondern effektvoll immer wieder den Song durchbrechen. Toll!