Echte Überraschungen waren auf der Gamescom 2016 rar gesät. Vielleicht mit Ausnahme von Metal Gear Survive gab es keine unerwartete Neuankündigung. Zumindest im AAA-Bereich. Bei den Indie-Spielen sah das ganz anders aus. Wer den Blick von den großen Ständen von Blizzard, EA oder Ubisoft abwendete und auch mal die versteckten Nischen der Messehallen erkundete, konnte dort jede Menge grandiose Spiele finden und oft sogar direkt ausprobieren. Besonders viele coole Indies gab es natürlich an der großen Indie Arena Booth. Wir haben unsere sechs Lieblinge für Sie herausgepickt. Haben Sie noch andere tolle Indies entdeckt? Dann stellen Sie die Spiele doch in den Kommentaren vor.

Noch mehr großartige Spiele: Unsere Highlights der Gamescom

Little Nightmares

Release: 1. Quartal 2017
Plattform: PC, PS4, One

Schaffen wir den Elefanten aus dem Raum. Das Spiel, das offiziell zum besten Indie Spiel der Gamescom gewählt wurde, muss natürlich in dieser Liste stehen. Selbst wenn sich vortrefflich darüber streiten lässt, ob Little Nightmares des schwedischen Entwicklers Tarsier Studios (beteiligt an Little Big Planet 1-3) wirklich ein Indie Spiel ist. Schließlich finanziert der Publisher Bandai Namco die Entwicklung.

Außer Frage steht dagegen, dass Little Nightmares einen großartigen Eindruck macht. Wir steuern ein kleines Mädchen namens Six durch eine albtraumhafte Umgebung. Dabei lösen wir Physikrätsel und verstecken uns vor bösartigen Kreaturen. Vor allem das morbide Charakterdesign ist fantastisch. Eine ausführliche Preview auf Basis der spielbaren Demo finden Sie bei den Kollegen von GamePro.de.

Little Nightmares - Artworks aus dem Horrorspiel

The Sexy Brutale

Release: 1. Quartal 2017
Plattform: PC, PS4, One

Bloß nicht vom Namen verwirren lassen. Mit dem eigentlichen Spiel hat der Titel The Sexy Brutale nämlich nicht allzu viel zu tun. Die Coproduktion von Tequila Works (Deadlight) und Cavalier Games (neues Studio, ehemalige Entwickler von Lionhead) führt uns auf einen Maskenball, ausgerichtet von einem exzentrischen Adligen, dem Marquis.

Videos, News und Artikel: Alles zur Gamescom 2016

Die Partystimmung vergeht allerdings zügig, als sämtliche Angestellten des Herrenhauses durchdrehen und die Gäste ermorden. Als die Uhr Mitternacht schlägt, wird es noch kurioser: Plötzlich dreht sich die Zeit zurück und der Tag beginnt von neuem. Wie im Film »Und täglich grüßt das Murmeltier«. Um aus dieser Zeitschleife zu entkommen, muss unsere Spielfigur die Morde aufklären und verhindern. Auf diese Weise sollen wir dem mysteriösen Spuk auf die Spur kommen.

In der Top-Down-Perspektive erkunden wir das Anwesen und beobachten Gäste und Angestellte, um mehr über die Morde herauszufinden. Dann können wir eingreifen: Im gezeigten Beispiellevel tauschen wir die Munition einer Jagdflinte gegen Platzpatronen und machen die Tatwaffe damit unbrauchbar.

Hidden Folks

Release: Ende 2016
Plattform: PC, iOS

Hidden Folks ist »nur« ein interaktives Wimmelbild-Spiel, aber so toll gezeichnet, dass wir es in diese Liste aufnehmen. In putzigen Schwarz-Weiß-Illustrationen suchen wir Menschen oder Gegenstände und müssen dafür sogar kleine Rätsel lösen. Einen verschwundenen Fußball finden wir nur, wenn wir Büsche plattdrücken. Der Mechaniker gönnt sich ein Nickerchen in der Garage. Also Tor hoch und den Faulpelz geweckt. Spielerisch absolute Minimalkost und eher für das Handy zu empfehlen, aber toll anzuschauen.

Far: Lone Sails

Release: 2016
Plattform: PC, One

Der PC bekommt sein Journey, in Form von Far: Lone Sails. In einer düsteren Zukunft durchqueren wir als kleines Mädchen einen riesigen, ausgetrockneten Ozean, um mehr über das Schicksal der Welt und ihrer Bewohner herauszufinden.

Immerhin sind wir nicht zu Fuß unterwegs, sondern haben ein Gefährt: eine Mischung aus Dampflok und Segelschiff. Um dieses Fahrzeug dreht sich die gesamte Spielmechanik von Far. Wir müssen Brennstoff sammeln, Hindernisse beseitigen, Reparaturen durchführen, Feuer löschen oder einfach die Segel hissen und dabei aufpassen, dass der kräftige Wind die Tücher nicht zerfetzt.

Ein echtes Highlight von Far ist auch die Grafik. Die düstere 2D-Welt versprüht jede Menge Atmosphäre. Wir segeln unter klarem Sternenhimmel oder tuckern an einem Schiffswrack vorüber.

Haimrik

Release: 2017
Plattform: PC

Hallo, Johannes hier. Haimrik war mein ganz persönlicher Grund, bei 1C Company vorbeizuschauen. Der russische Publisher hat einige kleine Perlen in seinem Lineup, und dazu gehört eben das grandiose Haimrik des kolumbianischen Entwicklers Below the Game. Warum Haimrik mich so packt? Drei Gründe.

Ein irres Spielkonzept: Haimrik ist ein 2D-Action-Adventure mit einem Twist. Auf dem Boden unter den Füßen des Helden steht Haimriks Geschichte geschrieben. Und Haimrik kann den Text zum Leben erwecken. Steht er vor einer verschlossenen Tür, sollte ich nach dem Wort Schlüssel ausschau halten, es mir schnappen und halte plötzlich den gesuchten Schlossöffner in der Hand. Genauso funktioniert es mit Waffen, um Feinde zu besiegen oder sogar Brücken, um Abgründe zu überwinden. Oft ist Köpfchen gefragt, um - im wahrsten Sinne - die richtigen Worte zu finden.

Geniales Artdesign: Die gesamte Welt besteht aus zweidimensionalen, hübschen Comiczeichnungen. Nur hin und wieder öffnet sich die Welt in die dritte Dimension, wenn ich zum Beispiel mit einer Armbrust einen Drachen erlegen soll. Farben werden nur spärlich und gezielt eingesetzt.

Schwarzer Humor: Haimrik ist brutal. Saubrutal. Der Gewaltgrad ist ähnlich überzeichnet wie in der Serie »Happy Tree Friends«. Aber Gewalt ist lange nicht alles. Hinzu kommt ein sehr schräger Humor. Beispiel gefällig? Haimrik trifft eine Löwendame, die ihm einen Arm abbeißt. weil Haimrik aber unsterblich ist, wächst ihm der Arm sofort wieder nach. Fortan folgt die Löwin ihrer unerschöpflichen, lebenden Lunchbox überall hin und verteidigt Haimrik sogar gegen Feinde - gönnt sich im Gegenzug aber auch immer wieder einen Happen von seinem Körper.

Drone Swarm

Release: 2017
Plattform: PC

Der Begriff Massenschlacht muss für Drone Swarm neu definiert werden: In den taktischen Echtzeitkämpfen gegen außerirdische Invasoren steuern wir nicht Dutzende oder Hunderte Einheiten, sondern sage und schreibe 32.000 - nämlich den namensgebenden Dronenschwarm.

Was in der Theorie zwar unglaublich cool klingt, aber für die Praxis auch große Übersichtsprobleme befürchten lässt, spielt sich in der frühen Messeversion schon erstaunlich flüssig und unkompliziert. Per Kreiscursor »schneiden« wir einfach die gewünschte Dronenmenge aus unserem Schwarm, die fortan bei gedrückter Taste direkt unserem Mauszeiger folgt, sodass sich erstaunlich präzise Manöver vollführen lassen. Die sind auch bitter nötig, um den Lasersalven, Raketen oder Minen unserer Feinde auszweichen. Drone Swarm spielt sich dadurch trotz seiner Einheitenmassen deutlich actionreicher als vergleichbare Echtzeittaktik-Spiele.

Der eigentliche Star von Drone Swarm sind aber die coolen Spezialfähigkeiten unserer Dronen, die fleißig Gebrauch von einer beeindruckenden Physik-Engine machen. So formieren wir eine Mauer, an der Schüsse abprallen (am besten auf Gegner) oder schleudern Tausende Dronen als »Kanonenkugel« in Richtung Feindfregatte, um diesen in andere Schiffe taumeln zu lassen. Ebenso logische wie spannende Mechanik: Je mehr Dronen eine Spezialfähigkeit ausführen, desto mehr Wumms bekommt diese aber desto länger dauert auch ihre Ausführung.

Während die Schlachten von ein paar kleineren Steuerungsproblemen schon wunderbar funktionieren, schwebt über der Kampagne noch ein großes Fragezeichen. Geplant ist eine dynamische Weltallerkundung, die sowohl eine interessante Story erzählen als uns auch harte Entscheidungen abverlangen soll. Klingt auf dem Papier toll, zu sehen war davon aber noch nichts. Aber bis zum Release »irgendwann 2017« ist ja auch noch viel zeit.