Rückblick: Die PlayStation 3 :

Anfang 2005 sieht sich Sony in einer ähnlichen Situation wie schon damals bei der ersten PlayStation: Obwohl sich die gerade aktuelle Konsolengeneration noch gut verkauft und schöne Gewinne einfährt, zwingt die Konkurrenz zum Handeln. War es zuvor Sega mit seiner Dreamcast, so setzt nun Microsoft mit der Xbox 360 die Japaner unter Druck. Das Microsoft-Gerät soll Weihnachten 2005 erscheinen, also muss Sony auf der E3 2005 zumindest neue Hardware ankündigen, um dagegen zu halten.

Als Sony-Boss Kaz Hirai auf der Pressekonferenz die (damals noch silberne) PlayStation 3 präsentiert, bricht erst mal Jubel aus. Kein Wunder, das geheimnisvolle Innenleben mit den angeblich ultra-leistungsfähigen Cell-Chips klingt vielversprechend.

Tischgrill und Bumerang

Rückblick: Die PlayStation 3 : Die erste gezeigte Version des PS3-Controllers entpuppte sich als Bumerang-förmige Lachnummer. Die erste gezeigte Version des PS3-Controllers entpuppte sich als Bumerang-förmige Lachnummer. Auch wenn sich Spötter über das Tischgrill-Design und den Bumerang-förmigen Controller-Prototypen mokieren – Sony zeigt mit eindrucksvollen Technikdemos, dass man dem Microsoft-Angriff durchaus Paroli bieten will. Was Sony jedoch nicht zeigt, ist echte Konsolen-Hardware. Sowohl auf der E3 2005 als auch auf der Tokyo Game Show im September laufen die Spiele auf Entwickler-PCs – das ist bei Konsolen in der Entwicklungsphase ganz normal, stößt aber vielen Fans sauer auf, die endlich die neue Konsole sehen wollen.

Etwas arrogant kommt auch die Aussage bei den Spielern an, beim Controller auf eine Rumble-Funktion verzichten zu wollen (das ist laut Sony »Last Gen«) und dafür lieber die – in Spielen später nur selten genutzte – Sixaxis-Bewegungssteuerung einzubauen. Der wahre Hintergrund für den Rumpel-Verzicht dürfte dagegen ein Lizenzstreit mit Nintendo sein – zwei Jahre später bekommt aber auch die PlayStation 3 mit dem Dualshock 3 ein vernünftiges Rumble-Pad.

Erneut setzt Sony auch auf ein bewährtes Konzept: Half in der letzten Generation der integrierte DVD-Player der PS2 bei der Verbreitung, so ist es nun ein Blu-ray-Laufwerk, das die PS3 im Wohnzimmer etablieren soll. Und tatsächlich: Lange Zeit ist die PlayStation 3 eine der günstigsten und besten Möglichkeiten, sich den neuen Videostandard ins Haus zu holen.

Von Anfang an gibt Sony auch die Parole vom 10-jährigen Lebenszyklus der Konsole aus. Damit das Gerät so lange interessant bleibt, schiebt man immer neue Hardware-Innovationen nach: Die PS3-Version der EyeToy-Kamera kommt als PlayStation Eye in ungewöhnlichen Titeln wie Eye of Judgement oder EyePet zum Einsatz. In Kombination mit dem knubbeligen Move-Controller schlägt sie in Sachen Bewegungserkennung locker die Präzision der Wiimote.

LittleBigPlanet (2008)

Allerdings bleibt auch Sony nicht von Rückschlägen verschont. Groß ist der Aufschrei, als im April 2011 Hacker in das PlayStation Network einbrechen und Nutzerdaten stehlen. Überhaupt, das PlayStation Network: Lange Zeit bleibt Sonys Onlineangebot für die PS3 (und PSP/PS Vita) hinter der direkten Konkurrenz Xbox Live von Microsoft zurück. Der Store ist umständlich zu bedienen, die Downloads langsam, das Angebot mager.

Erst in den letzten Jahren der PlayStation 3 zieht das PSN mit Xbox Live gleich. Vor allem die Einführung von PlayStation Plus versöhnt die Spieler, schließlich liefert der kostenpflichtige Service jede Menge Rabatte auf Downloads und zwei hochwertige Spiele jeden Monat gratis – letzteres ahmt Microsoft hastig mit seinen »Games for Gold« nach.

Im Herbst 2013 wird die PlayStation 3 – mittlerweile in der dritten Modellgeneration (super slim) angekommen – endlich von der PS4 abgelöst. In Rente geht die Konsole deshalb aber noch lange nicht. Ähnlich wie damals PS2 und PS3 sollen alt und neu eine Zeit lang nebeneinander existieren. Schließlich sind die zehn Jahre Lebenszyklus erst 2015 rum.

Japan vs. USA

In der Spielebranche beobachtet man nach der Ankündigung der PlayStation 3 aufmerksam, wie sich die neue Wunderkonsole schlägt. Was sich in der letzten Konsolengeneration bereits abzeichnet, setzt sich ab 2005 fort: Die große Schlacht ums Wohnzimmer wird zwischen Microsoft und Sony ausgetragen. Zwar landet Nintendo 2006 mit der Wii einen riesigen Erfolg, aus dem Wettrüsten zwischen PlayStation 3 und Xbox 360 halten sich die Japaner aber klugerweise raus. Denn die beiden Kontrahenten kämpfen mit harten Bandagen, beide Geräte werden aggressiv beworben, die Marketingausgaben sind immens.

Kaum eine TV-Sitcom aus dieser Zeit etwa, in der nicht eine Xbox 360 unter dem Fernseher steht oder die typischen grünen Spielepackungen im Wohnzimmer herumliegen. Zwar hat die PlayStation 3 auf dem Papier die stärkere Hardware, in der Praxis schrecken die Entwickler jedoch vor der komplexen Cell-Architektur des Prozessors zurück. Die PowerPC-Kerne der Xbox 360 verhindern wiederum einfache Portierungen zwischen den Geräten, die ersten Multiplattform-Titel zeigen deshalb teils deutliche Unterschiede zwischen den beiden Versionen.

Deutlich wird in dieser Konsolengeneration aber auch: Die große Zeit der Konsolen-exklusiven Spiele ist endgültig vorbei. Früher typische Sony-Serien wie Final Fantasy oder GTA kommen nun gleichzeitig auch für die Xbox 360. Lediglich die Sony-eigenen Marken wie God of War, Uncharted oder Killzone bleiben natürlich im Haus.

Rückblick: Die PlayStation 3 : Besonders die Exklusivtitel wie hier Uncharted 2: Among Thieves zeigen, was alles in der PlayStation 3 steckt. Besonders die Exklusivtitel wie hier Uncharted 2: Among Thieves zeigen, was alles in der PlayStation 3 steckt.

Zwar hat die Xbox 360 einen Vorsprung von fast einem Jahr, allerdings macht anfangs die Hardware Probleme – der gefürchtete Red Ring of Death lässt so manche potenziellen Käufer dann doch auf die PlayStation 3 warten. Die kämpft dagegen vor allem zu Beginn mit dem hohen Preis von 599 Euro, zudem fallen mit späteren Modellen Features wie die Abwärtskompatibilität zur PlayStation 2 und die Möglichkeit weg, Linux auf der PS3 zu installieren.

Doch auch als beide Geräte längst im Markt etabliert sind, ist der Wettlauf nicht vorbei: Als Microsoft auf der E3 2009 den Bewegungssensor Kinect vorstellt, ist Sony in Zugzwang. Fast gleichzeitig mit Kinect für die Xbox 360 erscheint Ende 2010 PlayStation Move. Beide Anbieter peppen zudem Ihre Online-Angebote im Lauf der Zeit mit immer neuen Apps, Video on Demand-Diensten, Musikangeboten und Social-Media-Features auf.