Um im Konsolenkrieg mit Sony und Nintendo mithalten zu können, hatten sich die Microsoft Game Studios über die vergangenen Jahre zahlreiche Studios einverleibt oder exklusiv an sich gebunden -- oft ohne Rücksicht auf Kosten und ihr Image. Die prominentesten Beispiele waren die Halo-Macher von Bungie, der einstige Nintendo-Entwickler Rare (Perfect Dark, Golden Eye) und Peter Molyneuxs Lionhead (Fable).

Wo ist die Strategie?

Kommentar zur Ensemble-Schließung : Halo war ursprünglich für PC und Mac angekündigt -- bis Microsoft kam und den Ego-Shooter exklusiv an die Xbox band. Erst mit zwei Jahren Verspätung folgte dann die veraltete PC-Version. Halo war ursprünglich für PC und Mac angekündigt -- bis Microsoft kam und den Ego-Shooter exklusiv an die Xbox band. Erst mit zwei Jahren Verspätung folgte dann die veraltete PC-Version. Von diesem einst vielversprechenden Studionetzzwerk ist -- nicht erst seit der jüngsten Ankündigung, die Ensemble Studios zu schließen -- kaum noch etwas übrig. Bioware, die Macher der PC- & Xbox-exklusiven Rollenspiele Knights of the Old Republic und Mass Effect, gehören mittlerweile zu Electonic Arts, genau wie Digital Illusions (Battlefield-Serie, RallySport Challenge). Bizarre Creations (Entwickler des Xbox 360-Vorzeigerennspiels Project Gotham Racing 3) wurden von Activision gekauft, Fasa Studios (Crimson Skies, Shadowrun) geschlossen. Die Zusammenarbeit mit Gas Powered Games (Dungeon Siege) ist beendet. Und Bungie (Halo-Trilogie) hat sich seine Freiheit vor einigen Monaten selbst zurückgekauft.

Auch bei Online-Rollenspielen versuchte Microsoft viel und beendete nichts: Das intern entwickelte Mythica wurde 2004 eingestampft, das erste Xbox-MMO True Fantasy Live Online ereilte nach zwei Jahren Entwicklung das gleiche Schicksal, und bei Vanguard zog sich Microsoft ein Jahr vor der Veröffentlichung als Publisher zurück und überlies die Entwickler sich selbst und das Spiel Sony Online. Ob Silicon Knights weiterhin für Microsoft arbeiten werden, ist nach den zum Teil wenig schmeichelhaften Kritiken und dem schwachen Verkaufsstart des Action-Rollenspiels Too Human mehr als fraglich. Von dem seit mehr als drei Jahren angekündigten Alan Wake ist schon so lange nichts mehr zu sehen gewesen, dass immer wieder Gerüchte auftauchen, dass Spiel werde möglicherweise nie erscheinen.

Games for Windows - aber nicht von Microsoft

Kommentar zur Ensemble-Schließung : Die Ensemble Studios sind mit der millionenfach verkauften Age of Empires-Reihe bekannt geworden. Die Ensemble Studios sind mit der millionenfach verkauften Age of Empires-Reihe bekannt geworden. Dabei sieht es im Vergleich zum PC für die Xbox 360 noch verhältnismäßig gut aus. Dank Epics Gears of War 2 und Lionheads Fable 2 kann Microsoft im diesjährigen Weihnachtsgeschäft zwei zugkräftige Titel aufweisen. Nicht so für das eigene Windows-System: Microsofts vollmundig angekündigtes Games for Windows-Programm entpuppte sich als reine Marketing-Aktion und der dazugehörige Live-Dienst war von Anfang an auf dem PC eine Totgeburt. Interessiert sich Microsoft überhaupt für seine eigenen »Spieleplattformen« Windows XP und Vista? Wenn überhaupt, wurden erst mit großer Verzögerung Titel, bei denen Microsoft der Publisher war, für den PC umgesetzt. Eigene PC-Neuentwicklungen fehlen völlig. Während Electronic Arts mit Valve, Crytek, id Software und Epic die größten Shooter-Studios um sich schart und Blizzard konsequent nur für den PC entwickelt, legt Microsoft die Hände in den Schoss. Sogar die sonst eher für Konsolespiele bekannten japanischen Hersteller wie Capcom bringen ihre Titel seit einiger Zeit wieder auf den PC.

Auf der Games Convention im August gab es von Microsoft nicht einmal mehr eine Pressekonferenz: Man hatte den Besuchern nichts Neues mitzuteilen. Auf der E3 im Juli war die einzige nennenswerte Nachricht, dass Final Fantasy XIII auch für die Xbox 360 erscheint – neben ein paar dreist bei Sony oder Nintendo abgekupferten Games für Gelegenheitsspieler. Wie so oft müssen andere Spieleersteller mit ihren Blockbustern (GTA 4, Assassin's Creed, Call of Duty-Reihe) die Kohlen für den Software-Riesen aus dem Feuer holen.

Aufkaufen, Ausschlachten, Dichtmachen

Kommentar zur Ensemble-Schließung : Halo Wars soll noch im Frühjahr 2009 erscheinen - danach wird Ensemble geschlossen. Halo Wars soll noch im Frühjahr 2009 erscheinen - danach wird Ensemble geschlossen. Das Microsoft nicht an Ensemble und Halo Wars glaubt, zeigten die jüngsten Spielemessen nur zu deutlich: Das Echtzeit-Strategiespiel, dass laut Microsoft das gesamte Genre auf der Konsole revolutionieren sollte, wurde auf der E3-Präsentation nicht mit einem Wort erwähnt. In Leipzig suchten die Besucher auf dem Microsoft-Stand vergeblich nach dem Spiel. Dabei war Ensemble vor Ort und zeigte hinter verschlossenen Türen, dass Halo Wars nicht nur spielbar ist, sondern auch einen sehr guten Eindruck macht. Nur offenbar ist Ensemble zu sehr PC-orientiert und hat zu wenig Konsolenerfahrung.

Laut Microsoft habe es finanzielle Gründe gegeben, das 2001 aufgekaufte Studio zu schließen, um den »Wachstumspfad der Microsoft Games Studios« fortzusetzen. Es liege weder am Team noch der Qualität von Halo Wars, hieß es. Gleichzeitig soll aber ein neues Studio aus Teilen der alten Belegschaft gegründet werden, um weiterhin für Microsoft zu arbeiten. Das passt nicht zusammen. Wir wissen natürlich nicht, was wirklich bei Ensemble vor sich geht und werden es möglicherweise auch nie erfahren. Fest steht aber, dass Microsoft einen der ältesten und gerade in Deutschland hochgeschätzten PC-Entwickler platt macht. So klingen gerade für PC-Spieler hierzulande die letzten Worte der offiziellen Stellungnahme von Microsoft wie blanker Hohn: »Unsere Investitionen in Spiele waren nie größer als sie es heute sind.« Zumindest mit Blick auf Windows-Spiele könnte man dies sogar als freche Lüge bezeichnen.