Baldur's Gate : Um Baldur's Gate - Siege of Dragonspear ist eine Debatte entbrannt, dabei geht es aber teilweise weniger um die Qualität des Spiels. Für lauten Protest sorgt ein Transgender-Charakter. Um Baldur's Gate - Siege of Dragonspear ist eine Debatte entbrannt, dabei geht es aber teilweise weniger um die Qualität des Spiels. Für lauten Protest sorgt ein Transgender-Charakter.

Der Entwickler Beamdog sieht sich derzeit mit heftiger Kritik zur Erweiterung Siege of Dragonspear für den Rollenspiel-Klassiker Baldur's Gate konfrontiert. Hintergrund ist zu großen Teilen die integrative Geschichte, die unter anderem auch einen Transgender-Charakter bietet.

Die NPC-Klerikerin Mizhena erklärt auf die Frage nach ihrer Vergangenheit, dass sie als Junge geboren und aufgezogen wurde. Später kam sie jedoch zur Erkenntnis ihrer wahren Sexualität und gab sich einen weiblichen Namen. Das Gespräch kommt nur auf Anfrage zustande, Mizhena wirbt nicht offen mit der gefundenen sexuellen Orientierung. In einem anderen Dialog macht der Charakter Minsc einen Witz in Bezug auf Gamergate: Das Motto der Bewegung »actually, it's about ethics in games journalism« wird als » it's about ethics in heroic adventuring« persifliert. Mehr Inhalte zum Thema gibt es nicht, die vorhandenen reichen aber für teils kritische Kommentare aber leider auch Anfeindungen von Spielern.

Kritik auf Steam und Metacritic

Auf Metacritic steht das Spiel derzeit bei einer Userwertung von 3,8 mit 262 negativen Bewertungen, ein großer Teil davon sind 0 von 10 Punkte. Nutzer kritisieren den »SJW-Müll« (für Social Justice Warrior), eine »aufgezwungene Agenda« und den »feindseligen Entwickler«. Auf Steam bittet ein türkischer Spieler, die entsprechenden Inhalte zu entfernen, damit die Tochter ebenfalls Siege of Dragonspear spielen könne. Tatsächlich gibt es bereits eine Mod, die entsprechende Inhalte aus dem Spiel entfernt.

Andere Fans fassen ihre Kritik neutraler und wünschen sich schlicht ein eskapistisches Abenteuer, das keine politischen Themen in irgendeiner Form beinhaltet. Ein Transgender erklärt im offiziellen Forum ausführlich, warum er Mizhena als Charakter aufgesetzt und keinesfalls als repräsentativ empfindet. Außerdem gibt es eine Reihe an Kritiker, die sich an technischen Mängeln und Bugs stören und keine Stellung zum SJW-Thema beziehen. Deren Wertungen fallen dann aber selten mit 0 Punkten aus.

Nicht ohne Provokation

Zum Thema Entwickler: Autorin Amber Scott gab zuvor in einem Interview mit Kotaku an, dass das Spiel bewusst mit einem integrativen Ansatz im Hinterkopf entwickelt wurde:

Im Orginal gibt es eine Menge Witze auf Kosten von Frauen. Safana war zum Beispiel in BG1 nur ein Sexobjekt und Jaheira war die zickige Ehefrau für pure Comedy. Wir haben gesagt »Nein, das ist nicht wirklich die Geschichte, die wir erzählen wollen«. In Siege of Dragonspear kriegt Safana eine kleine Nebengeschichte, ihre Persönlichkeit wurde deutlich verbessert. Wem das zu viel ist, der hat Pech gehabt.

Auch im eigenen Forum hatte Scott ihren Standpunkt klargemacht und sich selbst als Social Justice Warrior bezeichnet. Ob die Story tatsächlich einer Agenda folgt, muss zwar jeder für sich entscheiden. Auf Twitter folgten jedoch harsche Reaktionen von Gamergate-Sympatisanten:

Wir haben Allison Rapp demontiert, [Amber Scott] folgt

Das Twitter-Profil von Scott ist mittlerweile privat. Nintendo-Mitarbeiterin Allison Rapp wurde von ihrem Arbeitgeber offiziell wegen eines Zweitjobs entlassen, vorangegangen war allerdings eine monatelange Hass-Kampagne wegen Kürzungen in einem Spiel, für die Rapp verantwortlich gemacht wurde.

Der Fantasy-Vater schaltet sich ein

Ed Greenwood, der Erschaffer von Forgotten Realms höchstpersönlich, gab ebenfalls eine Stellungnahme via Facebook ab. So sei er traurig über die Situation und fordert die Fans zur Reflektion über die Fantasy-Welt auf, die schon immer ungewöhnliche Charaktere hervorgebracht hat. Transgender gab es in den Geschichten der Forgotten Realms schon immer, von Göttern bis Nebencharakteren. Wer Halbspezies ertragen kann, so Greenwood, sollte eigentlich auch sexuell divergente Ansichten akzeptieren können. Zumal dies nicht in Geschrei und Bedrohung einer Person via Social Media ausarten müsse.

Beamdog CEO Trent Oster hatte im offiziellen Forum gebeten, dass Fans gegenüber der schroffen Kritik positive Bewertungen vergeben sollen. Man möchte ein »Gegengewicht zur lauten Minderheit« aufbauen, die für potentielle neue Spieler ein zu düsteres Bild von der Situation zeichnen.

Knicken die Entwickler ein?

Mittlerweile gibt es ein neues Statement von CEO Trent Oster, in dem einige relevante Punkte angesprochen werden. So betont Oster, dass Mizhena noch etwas ausgefeilter hätte sein können. Außerdem stimme er dem »Feedback« der Community zum Gamergate-Witz von Minsc zu, welches »nichts mit dem Charakter zu tun hat« und entfernt werden wird. Anders als im Fall Nintendo gegen Allison Rapp gibt Oster aber zu verstehen, dass die Firma zu 100 Prozent hinter allen Mitarbeitern stehe. Auch wenn sie Ziel einer Hetzkampagne werden, wie im Fall von Amber Scott.

Baldur's Gate: Siege of Dragonspear ist seit dem 31. März 2016 für die Enhanced Edition des Fantasy-Rollenspiels verfügbar. Entwickler Beamdog wurde von ehemaligen Bioware-Mitarbeitern gegründet.

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Baldur's Gate: Enhanced Edition - Siege of Dragonspear
Die Hauptgeschichte führt uns mit hanebüchenem Handlungsbogen hierhin und endet mit einer Seifenoper.