Battlefield 1 :

Zum Thema Battlefield 1 ab 16,99 € bei Amazon.de Battlefield 1 für 49,99 € bei GamesPlanet.com Ich spiele jetzt mal das Teufelchen und meckere über die E3 2016. Und das nicht, weil ich die Spiele doof finde (tue ich nicht), oder frustriert bin, dass der liebe Kollege Johannes dieses Jahr nach Los Angeles fliegen darf, während ich mit der Heimberichterstattung dran bin (natürlich bin ich frustriert, aber das klären wir nach der Messe). Nein, ich meckere, weil man als Journalist per Berufsdefinition auch mal ganz bewusst über die schlechten Dinge reden muss. Oder zumindest Stellen aufdecken sollte, an denen es knirscht im Getriebe der Spielebranche. Sonst kann man die Welt schließlich nicht zu einem besseren Ort machen - und darum geht's ja letztlich auch.

Und was könnte besser für das Wohlergehen der Welt sein als ein bisschen Kritik an den großen Publishern? Richtig, ziemlich wenig. Also: Wenn die E3 für mich eines transparent macht, dann sind das die enormen Schwierigkeiten, die der Triple-A-Markt beim Einschlagen wirklich neuer Pfade hat. Oder anders: Die ganz großen Publisher sind extrem vorsichtig damit, die großen Budgets mal in echte Experimente zu pumpen, statt sich auf etablierte Formeln zu verlassen. Oder anders: Es wird extrem viel alter Krams aufgewärmt und zur quasi-neuen Suppe verrührt.

Um das zu belegen, brauche ich mir nur den E3-Feed unserer GameStar-News und die darin vorkommenden Spiele anzuschauen. Ich lese mal (schreibend) vor: Assassin's Creed (Film), Mass Effect: Andromeda, Resident Evil 7, Gears of War 4, Watch Dogs 2, Tekken 7, Forza Horizon 3, Fifa 17, Dead Rising 4, Call of Duty: Infinite Warfare, Lego Star Wars 7, God of War 4, Ghost Recon: Wildlands, Deus Ex: Mankind Divided. Natürlich gibt's auch neue Marken wie Recore oder Steep mit mittelgroßem Budget. Und ja, neuerdings zerrt EA immer mal wieder einen zittrigen Skandinavier mit Unravel oder Fe auf die Bühne, um zu zeigen, dass sie ein Herz für Indies haben (ich weiß, das klingt zynisch, aber ich bin gerade ja auch ein Teufelchen). Bei den ganz großen Fischen gibt's derzeit nur ein Zauberwort: Franchise.

Battlefield 1 : Der Autor: In Dimi steckt gelegentlich ein kleiner Hipster, auch wenn er das nie zugeben würde. Er würde dann sagen: »Ich habe einen komplizierten Geschmack«. So oder so, der Mainstream geht ihm manchmal auf den Keks, gerade wenn die neuen Spiele nicht mehr zu bieten haben als einen starken Markennamen. Gleichzeitig fällt er vor Freude vom Stuhl, weil The Elder Scrolls 6 angekündigt wird. In Wahrheit kann nur niemand Dimis komplexen Geschmack verstehen. Am wenigsten er selbst.

Und jetzt? Soll man als markengesättigter Spieler dem stagnierenden Triple-A-Markt frustriert den Rücken kehren, um sich komplett auf frische Indie-Experimente zu konzentrieren? Kann man sicher machen. Oder man regelt es wie ich, tanzt auf mehreren Parties gleichzeitig und beglückt vor allem das eigene Fanherz mit diesen Fortsetzungen alter Klassiker, während man den Hunger nach neuen Ideen mit anderen Spielen stillt. Egal was man tut, man sollte die Hoffnung für den Triple-A-Markt nicht verlieren - denn ironischerweise zeigt gerade Battlefield 1, das zu den größten Franchises überhaupt gehört, dass es durchaus im ganz großen Stil frischen, interessanten und spektakulären Wind geben kann. Und davon profitiert sogar Call of Duty.

Das meistgeklickte Spiel: Battlefield 1

Dass der AAA-Markt sich so schleppend weiterentwickelt, hat natürlich handfeste (lies: monetäre) Gründe. Spiele wie Battlefield und Call of Duty richten sich an den Mainstream, also an Millionen von Spielern in allen Altersklassen, Bildungsschichten und Meinungsspektren. Wer hier mal als Publisher einen Volltreffer landet, gibt das Erfolgsrezept nicht so schnell wieder her. Denn der Mainstream lässt sich gar nicht so leicht kalkulieren - dass der erste Trailer zu Infinite Warfare mit fast 3.000.000 Downvotes in die Internetgeschichte eingeht, hat sicher kein Marketing-Mensch geplant (das neue E3-Gameplay liegt aktuell bei 20.000 Dislikes und 10.000 Likes).

Man hat also die Wahl: Wagt man eine komplett neue Marke und investiert zig Millionen Dollar mit hohem Risiko - oder released man ein Skyrim HD oder God of War 4, die auf Seiten wie GameStar.de in Sachen User-Interesse jedes andere Spiel in den Schatten stellen, und riskiert dabei »nur«, den Bogen ähnlich zu überspannen wie Infinite Warfare?

Ich kann schon verstehen, warum man sich für als Publisher für Option B entscheidet. Battlefield 1 brilliert hier an fünf Fronten: Erstens erbt es offenbar spielerisch die Stärken, die Fans seit Jahren an der Serie lieben, zweitens ist es deshalb jetzt schon ein enormer Erfolg (und meistgeklicktes Spiel bei uns), drittens wagt es trotzdem ein neues, nie dagewesenes Setting und viertens sorgt es damit für wahrlich willkommene Vielfalt im Shooter-Mainstream. Und fünftens stürzen Zeppeline ab!

Der Spagat

Den Spagat zwischen Alt und Neu müssen selbst die konservativsten Franchises zumindest im Ansatz wagen, wenn sie aktuelle Ableger als neues Produkt verkaufen wollen - Battlefield 1 wagt hier meiner Meinung nach einen mutigen, vergleichsweise großen Sprung ins kalte Wasser. Und es überlässt Activision das Quasi-SciFi-Military-Shooter-Subgenre, in dem es sich nun »nur« noch mit Titanfall 2 duellieren muss. Insofern ist das auch EA-Taktik: Battlefield macht sein eigenes Ding, Titanfall (das von den ehemaligen CoD-Erfindern stammt) attackiert Call of Duty.

Ein cleverer Schachzug. Und für uns Spieler eine sehr gute Nachricht. Denn wie erfolgreich Infinite Warfare und Titanfall 2 auch immer werden mögen - die Riege der Multiplayer-Platzhirsche gewinnt dieses Jahr an Vielfalt. Denn die Publisher haben endlich gemerkt, dass es eben doch mehr als militärische SciFi gibt, und das finde ich super.

Battlefield 1 wird zwar durch und durch ein Battlefield, also Teil einer altbekannten Serie. Aber es wird auch das erste Spiel, das mir die Chance gibt, im Ersten Weltkrieg in beeindruckender Detailtreue und Opulenz an großen Schlachten teilzunehmen. Darauf habe ich als Historien-Fan extrem viel Lust, auch wenn ich natürlich weiß, dass ich hier mit keiner differenzierten Anlayse von Kriegsgräuel rechnen darf. Aber das brauche ich auch nicht zwangsläufig - Fortschritt muss nicht automatisch »Intellektueller Anspruch« bedeuten (außerdem gibt's dafür das tolle Valiant Hearts).

Und wer weiß, wohin die Reise danach geht? In Sachen Szenario bricht es auf eine komplett neue Art mit den etablierten Spiele-Settings. Ich bin gespannt, wie der Mainstream-Shooter-Markt nach Battlefield 1 aussehen wird. Und das ist doch schon mal was.

Oh, und Kudos an For Honor und Horizon: Zero Dawn, die wirklich mal was komplett Neues wagen. Ich mag Ritter.