Mittendrin »nur« gut

Nach diesem fulminanten Auftakt schläft Captain Scarlett aber etwas ein. Schuld daran sind einige überraschend öde Sammelmissionen. Ein Schiffskoch verlangt zum Beispiel allen Ernstes von uns, zwanzig Früchte einzusacken. Obwohl die Mission mit einem gewohnt irren Statement vorgestellt wird, läuft die Obstsammelei nach Schema F: Wir mussten zurück zu einem schon gesäuberten Banditencamp und die besagten Früchte einfach von ein paar Palmen runterballern. Da sind wir, vor allem im Hauptspiel, kreativeres von Gearbox gewohnt.

Einzig die optionalen Schatzkarten-Missionen sollte man sich nicht entgehen lassen. Zwar ist diese Schatzsuche recht mühsam, doch die Belohnungen sind nützliche einzigartige Waffen, die auch neue Strategien ermöglichen. Wir haben etwa eine mächtige Schrotflinte (den Waisenmacher) gefunden, die uns aber bei jedem Schuss ein bisschen Schaden zufügt.

Borderlands 2: Captain Scarlett und ihr Piratenschatz : Anfangs etwas öde: Die Gegend Oasis ist optisch nur zum aufwärmen gedacht. Später wird's besser. Anfangs etwas öde: Die Gegend Oasis ist optisch nur zum aufwärmen gedacht. Später wird's besser.

Zweitens ist die titelgebende Scarlett nicht so launig wie die restliche Figurenriege. Wir trefft die Dame in ihrem futuristischen Piratenkreuzer und begeben uns für sie dann auf die Suche nach einem sagenumwobenen Schatz. Zwar ist die Piratenbraut für ein paar Lacher gut, vor allem weil sie immer wieder betont, uns umzulegen, nachdem ihr den Schatz findet, aber den Vergleich mit Charisma-Bolzen wie dem vielleicht besten Oberbösewicht Handsome Jack aus dem Hauptspiel hält sie nicht stand.

Umgekehrt verhält es sich mit den Umgebungen. Der Anfangsabschnitt ist vergleichsweise mau, mit einer austauschbaren Stadt und einer leidlich optisch ansprechenden Wüste. Die Landschaft wird aber konstant besser, abwechslungsreicher und überraschend farbenfroh, mit kristallklarem Wasser, malerischen Sandstränden, düsteren Bergbauanlagen und beeindruckenden Höhlen.

Lukratives Ende

Das war‘s aber auch schon mit der Jammerei – abseits dieser, leicht verschmerzbaren, mittelprächtigen Designentscheidungen hat Captain Scarlett und ihr Piratenschatz mehr als genug neue Aspekte für alte Borderlands-Seebären. Unsere Widersacher sind beispielsweise nicht nur alte Feinde mit neuem Anstrich, sondern haben neue, fiese Strategien in petto.

Borderlands 2: Captain Scarlett und ihr Piratenschatz : Die Gesellen mit den Stachel-Ankern verhindern Camper-Strategien. Die Gesellen mit den Stachel-Ankern verhindern Camper-Strategien. Säbelschwingende Nahkampf-Kapitäne saugen uns etwa die Lebensenergie weg und suchen dann feige das Weite und Anker-schwingende Dickwanste ziehen Camper aus deren Versteck. Unser liebstes Hassobjekt ist der Ninja-Pirat. So lächerlich-großartig die Kombination auch klingt, der Kerl macht euch die Hölle heiß indem er sich unsichtbar macht und uns hinterrücks aufschlitzt.

Außerdem motiviert natürlich die neue Beute. Zwar finden wir schon auf dem Weg zum Finale des Addons reichlich nützliche Knarren, doch besonders die Belohnungen nach dem letzten Boss waren zumindest in unserer Test-Session die Reise wert. In punkto Beute werden auch Gruppen mit hohen Levels (50+) zufriedenstellend versorgt. Die können sich nämlich den neuen, knackschweren Raid-Bossen stellen und dadurch Seraph-Kristalle einsacken und die dann gegen neue Seraph-Waffen eintauschen.

Borderlands 2: Captain Scarlett und ihr Piratenschatz : Patrick Mittler: Captain Scarlett legt eine Punktlandung hin: Gerade als ich mit meinem Koop-Kollegen eine Pause vom Borderlands-Alltag einlegen wollte (mitten im zweiten Durchgang), läuft das Addon in den Downloadhafen ein und ich muss mir schon wieder ein paar Nächte um die Ohren schlagen. Schlimmer noch: Captain Scarlett ist ein würdiger Auftakt und ein gutes Vorzeichen für drei weitere (hoffentlich) gute DLCs. Wenn Gearbox diesmal auf maue Arena-Varianten (Mad Moxxi's Underdome Riot) verzichtet, wird uns Boderlands 2 noch eine Weile beschäftigen.