Geschmacklosigkeit oder gebotene Härte?

Wir springen einige Spielabschnitte weiter und befinden uns in einer vom Krieg gezeichneten Lagerhalle der US-Version. Vor uns sitzt auf einem Stuhl ein geschundener, vor Dreck starrender Mann mit eingefallenen Wangen und müden, tief in den Höhlen liegenden Augen. Seine Hände sind auf den Rücken gebunden, trotz des jämmerlichen Anblickes des Gefangenen bleibt keine Zeit für Mitleid: Der Mann ist im Besitz kriegswichtiger Informationen, die er natürlich nicht preisgeben will. Auf Knopfdruck verpassen wir dem Geheimnisträger einen Schlag ins Gesicht, trotzdem will er seine Geheimnisse nicht preisgeben. Ein weiterer Knopfdruck zerbricht eine Fensterscheibe, unsere Hand greift eine große Glasscherbe, stopft sie dem Gefangenen in den Mund und wir schicken ein paar Schläge hinterher. Der Mann spuckt Blut und Scherben, und selbst hartgesottene Action-Fans wenden sich angewidert ab.

Call of Duty: Black Ops
PC-Screenshots aus der Test-Version

Wo Modern Warfare 2 sich noch damit begnügte, Folter lediglich anzudeuten und den Rest der Vorstellungskraft des Spielers überließ, geht Black Ops einen gewaltigen Schritt weiter. Der Spieler wird nicht nur zum Zeugen dieser unmenschlichen Behandlung, sondern selbst zum Folterknecht. Ohne moralische Entrüstung vorschieben zu wollen, darf man an dieser Stelle fast schon froh sein, dass Activision sich in der deutschen Version gegen aktive Folter entschieden hat. In der USK-freigegebenen Fassung beginnt dieser Spielabschnitt wesentlich später, nämlich nach der Foltersequenz. Eine kluge Entscheidung, denn wenn Spieler-Deutschland eines nicht gebrauchen kann, dann sind es weitere von den Massenmedien lancierte Hetzkampagnen im Stile von »Videospiele bringen unseren Kindern das Foltern bei«.

Abgetrennte Gliedmaßen und rollende Steine

Später pirschen wir in der US-Version durch einen Tunnel und sind mit einem großkalibrigen Revolver bewaffnet. Die Atmosphäre ist düster, Wasser tropft von der Decke, die Beleuchtung ist schlecht und hinter jeder Ecke könnte ein Gegner lauern. Plötzlich springt ein Vietcong aus einem Seitengang, wir legen an, drücken ab und amputieren mit unserem Treffer das Bein des Gegners. Dieselbe Wirkung entfalten auch Handgranaten oder Raketenwerfer. Hier ist die USK ihrer Linie treu geblieben – ganz nach dem Motto: »Blutspritzer ja, abgetrennte Gliedmaßen nein«, bleiben die Extremitäten der Gegner in der deutschen Version an ihrem Platz. Eine weitere Änderung ist eher subtiler Natur: Wir befinden uns an Bord eines Kanonenboots und wollen den Fluss hinauffahren. Bevor die mächtigen Dieselmotoren des Bootes zu röhren beginnen, wirft einer unserer Kollegen ein Radio an, und Mick Jagger intoniert »Sympathy for the Devil« während wir in der Dämmerung mit der Bordkanone Gegner, Fahrzeuge und Gebäude vom Ufer räumen. Dank der Musik erinnert die Szene ein wenig an Francis Ford Coppolas Meisterwerk »Apocalypse Now«, genauer gesagt an die von Wagners Walkürenritt untermalten Szenen. In der deutschen Variante von Black Ops hingegen fehlt die musikalische Untermalung, was dem Spielabschnitt eine ganz andere und wesentlich düsterere Stimmung verleiht.

Sinnvoll geändert?

Call of Duty: Black Ops : Im Mehrspieler-Modus gibt es keine Änderungen. Im Mehrspieler-Modus gibt es keine Änderungen. Laut den anwesenden PR-Managern wurden außer den hier geschilderten Änderungen und der Entfernung verfassungswidriger Symbole keine weiteren Kürzungen vorgenommen.(der Mehrspieler-Modus bleibt übrigens gänzlich unangetastet). Unserer Meinung nach sind die Anpassungen für den deutschen Markt so marginal, dass sie eigentlich nicht ins Gewicht fallen. Das Wegfallen der Folterszene begrüßen wir sogar ausdrücklich, da auf diese Weise ein dramatischer Imageschaden für die gesamte Branche sowie die Spieler in Deutschland vermieden wird. Wer das Spiel dennoch in seiner ganzen Härte erleben will, muss zum Österreich-Import greifen, denn dort erscheint Call of Duty: Black Ops (fast) gänzlich ungeschnitten auf deutsch. Lediglich die Hakenkreuze wurden auch in dieser Version entfernt.