Call of Duty: Modern Warfare 2 im Test | Seite 2
Packende Action, doofe Story
Die Helden
Apropos Wechsel: Genau wie in allen anderen Call of Duty-Spielen bleibt Joseph Allen nicht der einzige Soldat, in dessen Haut Sie schlüpfen.
In Modern Warfare 2 sind’s ganze vier: Zu Allen kommen später der SAS-Soldat Gary »Roach« Sanderson, ein weiterer US-Ranger namens James Ramirez; und sogar Soap MacTavish, den Haupthelden des ersten Teils, dürfen Sie wieder übernehmen. Den Großteil des Spiels lang stellt Soap allerdings den Boss von Roach, ist also ein computergesteuerter Begleiter. Erst gegen Ende muss der Mann vom englischen SAS (Special Air Service) wieder die Kohlen aus dem Feuer holen. Mit den vier Männern erleben Sie atemberaubende Stunden. Allerdings nicht viele, denn die Kampagne von Modern Warfare 2 ist mit fünf bis sechs Stunden nicht länger als die des Vorgängers, eher etwas kürzer. Immerhin gibt’s obendrauf noch den Spec-Ops-Modus, der für Solisten durchaus interessant ist, allerdings mit der Kampagne nichts zu tun hat.
Eine Warnung, ohne allzu viel verraten zu wollen: Gewöhnen Sie sich besser nicht an die vier Helden des Spiels. Infinity Ward zögert wie im ersten Modern Warfare auch dieses Mal nicht vor drastischen Konsequenzen.
Das Leveldesign
Ihr Soldatendasein führt Sie um den halben Globus. Joseph Allen bleibt nicht in Afghanistan, er macht einen Abstecher nach Moskau.
Mit Roach toben Sie durch Rio de Janeiro, ballern sich dort durch ein Armenviertel und hetzen über Wellblechdächer einem rettenden Helikopter entgegen. Russland und eine Bohrinsel liegen ebenso auf Roachs Route, sogar einen sehr atmosphärischen Tauchgang werden Sie mit dem Mann erleben. Als James Ramirez geht’s mit Stryker-Unterstützung (also mit einem Panzerfahrzeug) durch die Vororte Washingtons und später hinein ins brennende Herz der Hauptstadt. Im Großen und Ganzen ist das Leveldesign serientypisch streng linear, jedoch räumt Ihnen Modern Warfare 2 in bestimmten Missionen auch minimalen Freiraum ein. Wenn Sie in einer amerikanischen Fastfood-Oase auf den riesigen Parkplätzen gegen die Russen antreten, bleibt es Ihnen überlassen, welche Strecke Sie zur nächsten Aufgabe nehmen. Wenn Sie in einem Schneesturm mit Soap MacTavish ein Satellitenmodul von einem russischen Flughafen stehlen sollen, dürfen Sie alle Gegner umpusten, können die aber auch geschickt mit Hilfe eines Herzschlagsensors an Ihrer Waffe großräumig umzirkeln. Letzteres ist übrigens bedeutend einfacher als die Ballervariante.
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Der Anspruch
Im Gegensatz zum Vorgänger können wir für Modern Warfare 2 eine gelungene Verbesserung verbuchen: Das Spiel setzt immer nur ein bestimmtes Feindkontingent in ein Areal und lässt nicht dauernd neue Gegner auftauchen. Ist der letzte Widersacher schließlich aus dem Weg geräumt, machen sich Ihre KI-Begleiter selbstständig daran, weiter vorzurücken. Sie müssen also nicht ständig vorrücken, damit’s weiter geht.
Das eingeschränkte Feindkontingent gestaltet Ihr Soldatenleben auf »Veteran«, dem höchsten der vier Schwierigkeitsgrade, im Vergleich zum Vorgänger geradezu beschaulich. Trotzdem wäre es falsch, das Spiel als simpel zu bezeichnen. Infinity Ward hat einige ziemlich knifflige Passagen eingebaut. Da wäre beispielsweise Ihr erster Ausflug ins Armenviertel (Favela) von Rio de Janeiro. In den verwinkelten Gassen schießt man von unten, oben und der Seite auf Sie. Scharfschützen und Gegner mit Raketenwerfern lauern auf den Dächern, plötzlich öffnen sich Fenster, aus denen man aus nächster Nähe auf Sie feuert.
Regelrecht an die Substanz gehen die Minuten, die Sie auf einen Datentransfer in Makarovs Unterschlupf warten müssen. Während wichtige Dokumente enervierend langsam auf eine mobile Festplatte übertragen werden, müssen Sie ganz alleine gefühlte Hundertschaften von Gegnern abwehren, die aus allen Richtungen kommen und nicht nur Sie, sondern auch Makarovs Computer aufs Korn nehmen. An der Gegner-KI konnten wir jedoch keine nennenswerten Verbesserungen feststellen. Die Gegner werfen nach wie vor Granaten (wenn auch etwas weniger verschwenderisch als in Call of Duty: World at War), Sie nutzen noch immer die ihnen zugewiesenen Deckungen, sie stürmen aber wie gehabt schnurgerade auf Sie zu oder rennen ihnen gleich gruppenweise um Hausecken vor die Flinte. Nur manchmal schaffen es die Burschen, Ihnen in den Rücken zu fallen. Gerade zu Beginn des Favela-Levels müssen Sie aufpassen, denn zwischen den Häusern gibt’s mehrere Routen, die auch die KI-Gegner nutzen.