»Endlich, das erste Spiel, das die 100-Punkte-Wertungsmarke erreicht!« Denkt man zumindest als Tester, wenn man sich in die ersten Gefechte von Schlacht um Mittelerde 2 stürzt und die opulente Optik bestaunt: Mächtig stapft der Balrog über das Schlachtfeld. Wo er auftritt, zittert der Boden, von seinem Flammenschwert steigt Rauch in dichten Schwaden auf. Um ihn herum drängen sich zahllose Orks, in die Schlacht getrieben von den wummernden Kriegstrommeln der riesigen Trolle. Auf der Gegenseite: Menschen, Zwerge, Elben. Die Spitzohren jagen verzweifelt Pfeilsalve auf Pfeilsalve in die Orkmassen, brennende Geschosse setzen Bäume und Büsche in Brand. Ents, die knorrigen Baumwesen, stehen in der zweite Reihe und wuchten Felsbrocken zwischen die Orks - wo einer einschlägt, werden ganze Trupps hochgeschleudert. Gerade scheint der Vormarsch der Armeen Saurons ins Stocken zu geraten, da bricht an der linken Flanke der Boden auf: Heraus zischt ein riesiger Wurm, der mit seinem Feuerodem ein ganzes Zwergenregiment erledigt. Energiezauber blitzen durch die Luft, getroffene Olifanten brechen brüllend zusammen.

Sie sehen schon: Was das Team von EA Los Angeles auf den Bildschirm zaubert, ist einfach unglaublich. Dutzende Einheiten tummeln sich gleichzeitig auf dem Schlachtfeld, alle sind bis ins kleinste Detail fantastisch animiert. Man merkt deutlich, dass viele der Grafiker in der Filmbranche (unter anderem bei George Lucas' Special-Effects-Firma ILM) gearbeitet haben. Nur eins haben die Macher bei aller Opulenz vergessen: ein spannendes Spiel!

Sechs mit Elben

Der interessanteste und spielerisch anspruchsvollste Teil von Schlacht um Mittelerde 2 sind die Einzelgefechte im Skirmish-Modus. Sechs sehr unterschiedliche Völker stehen zur Wahl. Ganz neu: Goblins (können Mauern überklettern), Zwerge (kräftige Kämpfer, effektiv gegen Gebäude) und Elben (gut mit Pfeil und Bogen). Saurons dunkle Streitkräfte und Sarumans Armee der weißen Hand gab's schon im Vorgänger; die Menschen von Gondor und Rohan wurden zu einer Rasse zusammengelegt. Ganz am Anfang einer Partie verfügen Sie über nur eine Festung und zwei Arbeiter, die anders als in Teil 1 überall auf der Karte bauen können. Na, endlich!

Schlacht um Mittelerde 2 : Seeschlachten (hier mit Elbenschiffen) gibt es nur sehr selten. Seeschlachten (hier mit Elbenschiffen) gibt es nur sehr selten. Es gibt nach wie vor nur einen Rohstoff, der bei den Völkern auf unterschiedliche Art gewonnen wird. Zwerge werkeln in Minen, Menschen auf Bauernhöfen, Orks in Schlachthäusern (Animations-Tipp: Beobachten Sie mal, wie der fiese Metzger das Schlachtvieh händereibend und kichernd in seine Hütte lockt). Spielerisch unterscheiden sich die Methoden aber nicht. Die Rohstoffe gehen niemals aus, Produktionsstätten werden im Laufe des Spiels automatisch immer effektiver. Einheiten entstehen meist als mehrköpfiger Trupp in Kasernen. Diese Ausbildungscamps lassen sich gegen Bares aus der Rohstoffkasse aufwerten. Dadurch verkürzt sich die Ausbildungszeit, und Upgrades werden freigeschaltet. Jedes Volk verfügt über etliche dieser Verbesserungen, was zu zahllosen Varianten führt.

Schlacht um Mittelerde 2 : Dank dem frühlingshaften Wald-Zauber verschaffen wir uns in der Eisöde Kampf-Boni. Dank dem frühlingshaften Wald-Zauber verschaffen wir uns in der Eisöde Kampf-Boni. Defensivere Spieler verstärken Rüstungen, engagieren Bannerträger und halten sich Gegner mit Feuerkatapulten vom Leib. Aggressivere Naturen rüsten stattdessen die Nahkampfwaffen auf und attackieren mit vergifteten Schwertern. Allerdings sind diese Updates nicht wie in Dawn of War global verfügbar. Stattdessen müssen Sie jeden Trupp umständlich per Hand hochrüsten. Im übersichtlichen Konkurrenz-Spiel klappt das sehr gut. Doch in den riesigen Kämpfermassen der Schlachten um Mittelerde übersieht man des Öfteren die eine oder andere Einheit und wundert sich dann, warum der Krieg verloren geht.

Der separat aufrufbare Taktikmodus von Schlacht um Mittelerde 2 wird von uns zur »dümmsten Designentscheidung des Jahres« gekürt. An sich wäre die Idee gut: Sie wählen für jede Einheit Patrouillenwege und Angriffsziele aus. Ihre Armee führt die Befehle erst dann gemeinsam aus, wenn Sie die Anweisungen mit »Ausführen« bestätigen. Doch blöderweise tickt die Zeit während der Planungsphase weiter, der Gegner greift munter an. Zum Glück können Sie diese Neuerung auch einfach ignorieren.