Blizzards Patchpolitik bei Diablo 3 :

Du weißt, dass du Luxusprobleme hast, wenn du dich über kostenlose Inhalte beschwerst. Und keine Frage, Patch 2.4.0 für Diablo 3 war außergewöhnlich: Neue Gebiete, neue Items, neue Herausforderungen wie die Setportale - so etwas noch Jahre nach Release eines Spiels gratis zu kriegen, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Ich habe mich am Releasetag sofort wieder ins Spiel gestürzt, um sämtliche Blutscherben für ein paar der genialen Patch-Items auf den Kopf zu hauen und in den Nephalem-Portalen auf Beutejagd zu gehen. Aber ich weiß schon jetzt, dass der neue Sammeltrieb recht bald wieder abflauen wird. Um länger frisch zu bleiben, bräuchte Diablo 3 endlich wieder größere und tiefergreifende spielmechanische Veränderungen. Kurzum: Es wird höchste Zeit für ein neues Addon!

Blizzards Patchpolitik bei Diablo 3 : Der Autor
Maurice Weber zog das erste Diablo seinerzeit aus einer dieser Sammel-Spielepackungen und stürzte sich gemeinsam mit seinem besten Kumpel in die Kathedrale von Tristram. Damals dachten die beiden noch, sie wären schon richtig weit, als sie endlich den Butcher erledigt hatten. Gute, alte Zeit! Sein Wunsch für die Zukunft: Endlich Nekromanten in Diablo 3, verdammt!

Gratis-Patches - ist das alles?

Klar, dass Version 2.4.0 gleich drei neue Gebiete bringt, ist für Patch-Maßstäbe beachtlich. Aber mal ehrlich, wie stark bereichern sie das Spiel wirklich? Nach ein paar Spielstunden hat man alles gesehen, was sie zu bieten haben. Danach werden sie nichts weiter als ein winziger weiterer Baustein für die zufälligen Nephalem-Portale und eine Handvoll neuer Schauplätze unter Dutzenden für die Kopfgelder. Ein letztlich kaum merkliches Stück Extra-Abwechslung, ein Sandkorn in der Wüste.

Mehr: Die neuen Gebiete von Version 2.4.0 in der Übersicht

Blizzards Patchpolitik bei Diablo 3 : Path of Exile bietet mehr Motivation, jede Saison neue Charaktere auszuprobieren. Path of Exile bietet mehr Motivation, jede Saison neue Charaktere auszuprobieren. Die Season-Tretmühle wiederum funktioniert in Diablo 3 längst nicht so gut wie in Diablo 2 oder Path of Exile, dem derzeit stärksten Konkurrenten. Daran ist in erster Linie die Charakterentwicklung schuld. Wenn jeder Held auf Stufe 70 mangels verpflichtender Talentwahl grundsätzlich gleich ist, fehlt ein ganz wichtiger Anreiz, sich immer wieder neue Recken zu basteln und neue Fähigkeiten auszuprobieren. Nun habe ich grundsätzlich gar nichts gegen dieses System, denn ich kann ja frei mit meinen bereits hochgelevelten Charakteren experimentieren.

Aber für die Seasons bleiben dann nur noch die recht mageren Belohnungen und der Wettstreit auf den Ranglisten, der aber ohnehin nur für die allerbesten Spieler relevant ist. Im Gegensatz zu Path of Exile bietet Diablo 3 auch nicht mit jeder Season neue einzigartige Mechaniken wie exklusive neue Monster oder andere Widrigkeiten, die dem neuerlichen Durchlauf zusätzliche Würze verleihen.

Zum Seasonstart: Video-Guide zum effizienten Powerleveln

Man vergleiche all das mal mit der gewaltigen Umwälzung, die Reaper of Souls seinerzeit lostrat! Eine neue Klasse, die Spieler zu Tausenden ans Charakter-Zeichenbrett trieb. Ein großer fünfter Akt, der mit seinen stärker zufallsgenerierten Gebieten die langfristige Abwechslung drastisch nach oben schraubte.

Und natürlich viele der Spielmechaniken, die das Spiel überhaupt erst zu der motivierenden Beutejagd machten, die es heute ist, darunter der komplette Abenteuermodus mit Kopfgeldern und Nephalem-Dungeons und die Mystikerin, bei der ich Item-Eigenschaften neu auswürfeln kann. Mal wieder so eine groß angelegte Erweiterung stünde Diablo 3 deutlich besser zu Gesicht, als mit Patches stetig kleinere Einzelmechaniken an das bestehende Grundgerüst anzudocken. Selbst wenn die teils richtig gelungen sind, so wie Kanais Würfel.

Aber Blizzard hat entweder keine größeren langfristigen Pläne für Diablo 3 oder man will sie noch nicht verraten. Schon auf zwei Blizzcons in Folge spielte die Teufelshatz von allen Serien des Entwicklers ganz eindeutig die kleinste Rolle, und auf der Gamescom - 2013 immerhin der Ankündigungsort von Reaper of Souls - sah es ähnlich düster aus. Könnte es sein, dass das Spiel ohne Auktionshaus einfach nicht mehr so lukrativ ist wie Free2Play-Dauerbrenner der Marke Hearthstone - und deswegen auch weniger Ressourcen reingesteckt werden?

Im asiatischen Raum hat Blizzard gar mit Mikrotransaktionen für Diablo 3 experimentiert, auch wenn die bislang offiziell nicht für den westlichen Markt geplant sind. Trotzdem legt all die Funkstille zu größeren Erweiterungen den Verdacht nahe, dass Blizzard Diablo 3 mehr in Richtung Service-Plattform entwickeln will, die zwar regelmäßig kleinere Updates, aber keine dickeren Erweiterungen mehr kriegt. Ich hoffe, da liege ich falsch.