Lohnende Taktiktiefe

Die gute Balance macht sich auch in der für Dota-Titel typischen Taktiktiefe und im wichtigen Teamwork bemerkbar: Jeder Spieler muss seine Rolle kennen und die Fähigkeiten seines Helden beherrschen, sonst endet er schneller als rote Pfütze, als er »Hilfe!« in den integrierten Sprachchat kreischen kann.

Dota 2 : Mit seiner »Megypyre«-Fähigkeit legt der geflügelte Drachenheld Jakiro einen Flammenteppich. Mit seiner »Megypyre«-Fähigkeit legt der geflügelte Drachenheld Jakiro einen Flammenteppich. Zusammenarbeit sind das A und O, beispielsweise betäubt ein Held den Gegner, damit die Kameraden zuschlagen können. Ein clever getimter Angriff ist mindestens ebenso wichtig wie ein rechtzeitiger Rückzug, was – zumindest bei halbwegs gleichwertigen Teams – zu dynamischen, hin und her wogenden Matches führt, aber auch zu einer steilen Lernkurve.

Die federt Dota 2 ein wenig ab, indem es Tutorial-Videos zu jedem Helden und Trainingspartien gegen KI-Gegner anbietet. Auf der höchsten Fähigkeitsstufe spielen Letztere sogar überraschend stark. Teamwork wiederum lässt sich prima im Koop-Modus üben, in dem ein menschliches Fünferteam gegen ein KI-Quintett antritt und sogar Battle Points verdient.

Diese Zähler sammeln die Spieler durch Siege und Niederlagen, um im Profil-Level aufzusteigen und dabei kosmetische Helden-Gegenstände abzustauben. Auch nach jedem regulären (Nicht-Koop-)Match spendiert Dota 2 einige Gegenstände – und zwar Gewinnern sowie Verlierern.

Das motiviert, Schlachten zu schlagen, um optische Goodies abzusahnen. Oder akustische wie alternative Killstreak-Ansager. Die kostenlos spielbaren Dota 2-Widersacher League of Legends und Heroes of Newerth sind da längst nicht so spendabel.

Dota 2 : Das sagt der Kenner
Dennis »HolyMaster« Schumacher, Event Manager joinDOTA.com: »Dota 2 ist genau das Spiel, auf das Dota-Veteranen jahrelang gewartet haben. Das frischere Grafikgerüst und die starke Vertonung sind dabei nur zwei von vielen Verbesserungen. Zu den wichtigsten gehören auch das Reconnect-Feature, das direkt ins Spiel eingebaute Matchmaking, oder ganz besonders der vielseitige Spectator-Modus. Ein einzigartiger Grundpfeiler ist Valve‘s kreative Unterstützung der eSport-Szene und der Community im Allgemeinen. Organisatoren und Spielern stellt Valve Instrumente zur Verfügung, selbstständig Geld mit dem Spiel zu verdienen, beispielsweise durch den Verkauf von Turnier-Tickets oder selbst entworfenen Items. Dota 2 ist kein Computerspiel im klassischen Sinne, es ist vielmehr eine Sportart. Sie muss über lange Zeit erst erlernt werden, motiviert dann aber jahrelang.«

Dota 2 vs. LoL

Was die Frage aufwirft, wie sich Dota 2 im Vergleich zur Konkurrenz sonst so schlägt. Nun, League of Legends (LoL) ist eigentlich gar kein direkter Rivale des Valve-Titels, weil es das Heldenjagd-Prinzip spürbar abwandelt – und damit für große Teile der klassischen Dota-Community ein rotes Tuch darstellt.

Grundsätzlich bietet natürlich auch LoL packende Heldenschlachten, allerdings fehlen unter anderem die aus Dota bekannten Power-Up-Runen (Unsichtbarkeit etc.), die zerstörbaren und somit taktisch wichtigen Bäume sowie die Möglichkeit, angeschlagene Verbündete vollends auszuknipsen, um dem Gegner die Goldbeute zu verweigern (»Deny«).

Dadurch spielt sich LoL flotter und etwas simpler, aber längst nicht anspruchslos oder öde. Nur die Heldenbalance wackelt oft deutlich, neue Streithähne sind mal übermächtig, mal überflüssig. Dafür ergänzt League of Legends das eigentliche Kampfgeschehen um motivierendes Drumherum.

So steigen Spieler partienübergreifend im Level auf, schalten besondere Zauber frei und stellen Runen-Sets zusammen, die ihnen Kriegern Werteboni verleihen. Dieses abgewandelte Konzept macht LoL weder besser noch schlechter als Dota 2 -- es ist einfach anders und auch etwas besser geeignet für Dota-Neulinge.

Dota 2 :

League of Legends
70 Millionen registrierte Spieler, 32 Millionen davon sind zumindest einmal im Monat aktiv: League of Legends erfreut sich einer gigantischen Free2Play-Community – und ist gar kein reiner Dota-Klon.
Besser als Dota 2, weil ...
... es leichter zu lernen ist.
... es sich flotter und direkter spielt.
... es dank seiner Profil-Levelaufstiege und Runen viel Langzeit-Motivation entfaltet.
... es mehr Modi bietet, darunter das Battlefield-ähnliche und sehr spaßige Dominion.
Schlechter als Dota 2, weil ...
... es das Dota-Spielprinzip deutlich vereinfacht.
... neue Helden oft unbalanciert sind.
... die Comicgrafik detailärmer wirkt.
... die Bots schwächer sind.
Geeignet für ...
... Dota-Neulinge, die »reinschnuppern« wollen.
... Spieler, die das normale Dota langweilig finden.
... Spieler, die große Communitys mögen.

Dota 2 vs. HoN

Der direktere Widersacher von Dota 2 heißt Heroes of Newerth, kurz HoN. Das hat zwar eine kleinere Community als League of Legends, ist aber wie der Valve-Titel ein originalgetreuer Ableger der Ursprungs-Mod.

Und glänzt ebenfalls mit einer guten Heldenbalance: Neue Recken sind zwar häufig unbalanciert, stehen aber nur Bezahlspielern zur Verfügung und dürfen auch nicht in Turnieren antreten. Erst wenn sie »fertig« sind, darf sie jeder ins Gefecht führen.

Zudem bietet HoN ein direkteres Spielgefühl, was auch daran liegt, dass es in Dota 2 eine (gewollte) winzige Verzögerung zwischen Mausklick und Heldenaktion gibt. Wer HoN oder LoL gewohnt ist, muss sich darauf erst einstellen.

Außerdem führt HoN ausführliche Statistiken, aus denen sich das Können eines Spielers detailliert ablesen lässt. Dota 2 verzeichnet in seinen Spielerprofilen lediglich die Anzahl der Siege und Bewertungen anderer Spieler, ob der betreffende Mitstreiter etwa freundlich oder hilfsbereit war.

Nur das eigene Profil zeigt zusätzlich eine Übersicht, wie gut man welchen Helden beherrscht – zumindest im Vergleich zu anderen Spielern auf demselben Niveau. Apropos: Zum Matchmaking sortiert Dota 2 seine Spieler hinter den Kulissen grob in drei Fähigkeits-Schubladen ein, was nicht immer zu ausgeglichenen Partien führt.

Dota 2 :

Heroes of Newerth
Seit der Free2Play-Umstellung Mitte 2011 sind die Spielerzahlen dieses originalgetreuen Dota-Klons kontinuierlich gestiegen, derzeit liegen sie bei schätzungsweise einer halben Million – klein, aber fein.
Besser als Dota 2, weil …
… es sich spürbar direkter spielt.
… das Matchmaking durchschaubarer ist.
… es detailliertere Statistiken führt.
… es einen Karten-Editor mitbringt.
… es mehr Modi bietet, darunter das vom Community-Liebling zum offiziellen Modus avancierte »Mid Wars«.
Schlechter als Dota 2, weil …
… seine Umgebungen weniger liebevoll wirken.
… es keinerlei Bots zum Training bietet.
… es technisch etwas schwächer ist.
Geeignet für …
… Dota-Profis oder solche, die es werden wollen.
… Spieler, die gerne vorher wüssten, wie gut ihre Mitstreiter und Gegner so sind
… Spieler, die eingeschworene Communitys mögen.