Wer als strahlender Held gerne fiese Drachen erlegt und junge Vampirdamen rettet, ist bei Enderal komplett falsch. Wo die Geschichte bei Skyrim eigentlich nur schmuckes Beiwerk ist, setzt die Total Conversion Enderal auf die volle Dröhnung Story. Und die wird - ohne groß zu spoilern - düster, tiefgründig.

Ganz im Gegensatz zu Skyrim ist die Story von Enderal durchgängig präsent und dadurch geradliniger. Und obwohl auch die Nebenquests interessante Geschichten zu erzählen haben, schreitet das Geschehen maßgeblich im Takt der Hauptstory voran.

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Entwickler SureAI gibt sich dabei viel Mühe, den Spieler nachdenklich zu stimmen, Sinnfragen zu stellen und Tiefgang zu beweisen. So mancher Charakter offenbart Schwäche, Verzweiflung, ja sogar Depression, wie im Falle eines Weltverbesserers, der durch den Tod seiner Frau langsam aber sicher seine Illusionen verliert. Und so verströmt das Spiel eine gewisse Schwermut und Ernsthaftigkeit, die kaum mehr an Skyrim erinnert.

Skyrim: Enderal : Unsere Weggefährten unterhalten sich gerne und viel mit uns. Für Eilige aber wahrscheinlich etwas zu gern und zu ausgiebig. Unsere Weggefährten unterhalten sich gerne und viel mit uns. Für Eilige aber wahrscheinlich etwas zu gern und zu ausgiebig.

Geschichten, Gedanken, Gefühle

Um seine Handlung zu erzählen, nimmt sich Enderal sehr viel Zeit. Dialoge als auch Monologe können zuweilen locker mehrere Minuten dauern. Dabei schießt das Mod-Projekt hin und wieder mild übers Ziel hinaus und lässt uns gleich in der ersten Spielstunde so viele Informationen, Gedanken und Gefühle schlucken wie Skyrim wohl in den ersten zehn Stunden nicht.

Von den Quests sollte man keine neuen Maßstäbe erwarten, immerhin handelt es sich um ein Hobby-Projekt, sie sind jedoch wohlüberlegt in die Handlung integriert und bieten eine gute Balance zwischen Kampf und Gespräch. Hin und wieder gibt's auch gelungene Kopfnüsse zu knacken. Bei allen Aufgaben merkt man stets das Bestreben der Entwickler, den entscheidenden NPCs Charakter zu verleihen. Das gelingt mal besser, mal weniger, hilft aber stets dabei, die Welt von Enderal ernst zu nehmen.

Enderal
Obwohl wir in Enderal in lange Gespräche verwickelt werden und viele Quest komplett ohne Waffengewalt lösen, dürfen wir dann doch häufig genug zum Schwert greifen. Oder zu einem Feuer- und Blitzstab.

Als wir beispielweise ein Aufnahmeritual bestehen müssen, lernen wir zuerst zwei weitere Novizen näher kennen, kämpfen uns anschließend den Weg zum Ritualplatz frei und werden dort Zeuge eines heftigen Streits zwischen Meister und Novizen, bevor wir schließlich eine letzte Prüfung bestehen müssen, die auch unsere Gehirnwindungen beansprucht.

Enderal erzählt keine leichtfüßige Drachensage und hat auch wenig mit der kaltherzigen Witcher-Welt gemein. Die Mega-Mod stellt persönliche Schicksale in den Mittelpunkt und lädt uns zur Selbstreflexion ein. Das mag sicher nicht jedermanns Sache sein, wer sich aber darauf einlässt, dem versprechen wir ein ungewöhnliches tiefes Rollenspielerlebnis.