Dass Fallout 4 DLCs bekommt, ist so überraschend wie die Nachricht, dass Star Wars fortgesetzt wird. Natürlich wird sich Bethesdas Addon-Abteilung die Finger wundprogrammieren, um aus einem Spiel, das alleine am Starttag 750 Millionen Dollar umgesetzt hat, das Maximum an Zusatzprofit rauszuholen. Und warum auch nicht, das ist legitim - so lange die DLCs ihr Geld wert sind.

Als Fallout 4-Tester, der im Bostoner Ödland bereits jeden Stein umgedreht hat und jede Todeskralle mit Vornamen kennt, muss ich mich also fragen: Entwickelt Bethesda Fallout 4 generell so weiter, wie es weiterentwickelt gehört? Zur Erinnerung: Perfekt war Fallout 4 bei Weitem nicht, bei den GameStars haben es unsere Leser »nur« zum zweitbesten Rollenspiel des Jahres 2015 gewählt, mit deutlichem Abstand hinter The Witcher 3. Nutzt Bethesda seine DLC- und Patchpläne, um zumindest aufzuschließen?

Eine Mod macht's möglich: Witcher-3-Feeling in Fallout 4

Immerhin etwas Neues

Klar, was Bethesda in den 757 Wörtern seiner DLC-Pressemeldung verkündet, sind lediglich Absichten und Rahmeninfos. Oh, und eine Preiserhöhung für den Season Pass, die meine Kollegen Sebastian Stange und Heiko Klinge an anderer Stelle kontrovers diskutieren. Falls jemand meine Meinung dazu interessiert: Ich würde niemals, niemals einen Season Pass kaufen. Egal, zu welchem Spiel.

Ich hasse nämlich diese Katze-im-Sack-Angebote, bei denen ich vorher nicht einschätzen kann, was ich bekomme, Rabatt hin oder her. Für Vorbestellungen gilt genau das Gleiche. Hey, ich habe mir damals auch Überraschungseier-Figuren auf dem Flohmarkt erfeilscht, statt die blöden Eier zu kaufen und bloß zu hoffen, dass Happy Hippos drinstecken. Aber gut.

An dieser Stelle will ich den Season-Pass-Preis mal ausklammern und über Inhalte sprechen (wie in der Politik, höhö). Und ich muss sagen: Die DLCs zu Fallout 4, die Bethesda angekündigt hat, klingen gut! Wenn man den Beschreibungstexten glauben darf, bringen sie nicht mehr vom Gleichen, sondern neue Spielelemente: Ich darf meinen eigenen Kampfroboter zusammendübeln (Automatron) und Ödland-Kreaturen zähmen (Wasteland Workshop). Endlich meine eigene Wach-Todeskralle!

Fallout 4 DLCs : Fallout 4 Automatron: Meinen Roboter-Begleiter darf ich selbst zusammenschrauben. Aber ist der DLC für zehn Euro auch umfangreich genug? Fallout 4 Automatron: Meinen Roboter-Begleiter darf ich selbst zusammenschrauben. Aber ist der DLC für zehn Euro auch umfangreich genug?

Klar, spektakulär klingen Automatron und Wasteland Workshop nicht. Letzteres bringt beispielsweise neue Bauteile für Siedlungen, die auch Modder basteln könnten. Wüsste nicht, warum ich dafür nun unbedingt bezahlen müsste. Aber diese beiden DLCs zeigen zumindest, dass sich Bethesda Gedanken macht, wie sie Fallout 4 kreativ erweitern können. Für mich macht einen guten DLC nämlich immer noch aus, dass ich darin Dinge tun und erleben kann, die es im Hauptspiel so nicht gibt.

Wobei man am Ende aber immer noch schauen muss, ob der Automatron-DLC für 10 Euro genauso viel Umfang bietet wie das ebenso günstige The Witcher 3: Hearts of Stone, das in Sachen Preis-Leistung und Story eine neue DLC-Messlatte gelegt hat. Nun, es wird sich zeigen, sobald wir die Fallout-4-DLCs testen.

So geht DLC: The Witcher 3: Hearts of Stone im Test

Könnte groß werden

Und dann wäre da ja noch das »große« Addon Far Harbor. Und ja, ich habe »Addon« geschrieben statt »DLC«, weil Far Harbor genau danach klingt: nach einer richtigen Erweiterung. Genauer gesagt erinnert mich seine Beschreibung an Shivering Isles für Oblivion: Ich bekomme eine große, zusätzliche Welt, in der sich mehrere Fraktionen bekämpfen. Und hey, die Daedra-Dämonenwelt von Shivering Isles war klasse, weil ganz anders als das Hauptprogramm.

Bethesda hat in der Vergangenheit also bereits bewiesen, dass sie Addons basteln können, die ihr Geld wert sind, und die in manchen Aspekten sogar das Mutterspiel übertreffen. Für Far Harbor erwarte ich lebendigere Fraktionen (Nie mehr müde Minutemen!), einen Fokus auf klassisches Rollenspiel (Mehr Dialoge mit echten Entscheidungen!), eine spannendere Geschichte (Ich will mehr Undercover-Synth-Jagden à la Blade Runner!) und endlich wieder abgedrehtere Schauplätze (Die Kinder des Atoms sind die perfekte Vorlage für Freak-Brutstätten à la Megaton!).

Fallout 4 DLCs : Far Harbor hätte das Potenzial zum kreativen Addon à la Shivering Isles. Bethesda muss es nur nutzen. Far Harbor hätte das Potenzial zum kreativen Addon à la Shivering Isles. Bethesda muss es nur nutzen.

Der Kollege Maurice Weber geht in einem gesonderten Artikel noch genauer darauf ein, was das Addon bringen sollte. Ich möchte an dieser Stelle nur sagen: Far Harbor hat Potenzial, die Idee klingt spannend, ich mag das Versprechen einer großen Addon-Welt. Es könnte ein hervorragendes und kreatives Addon wie Shivering Isles werden, und Bethesda hat die Chance, Versäumnisse des Hauptprogramms wieder gut zu machen. Sie müssen sie nur nutzen.

Ein echtes Addon? Was wir uns von Far Harbor wünschen

Was macht das Interface?

Also alles bestens? Sagen wir's so: Bethesdas DLC-Pläne klingen zumindest nicht nach uninspiriertem Erweiterungs-Einerlei. Da steckt Köpfchen dahinter. Allerdings bügeln die angekündigten DLCs nicht alle Probleme von Fallout 4 aus - da muss Bethesda mit Patches ran. Und das tun sie auch! Ich persönlich finde es toll, dass Bethesda wieder einen vollwertigen Überlebensmodus einbauen will, mit Hunger, Krankheiten & Co. Das hat mir schon in Fallout: New Vegas gefallen, nicht weil's so komplex gewesen wäre, sondern weil's so perfekt zur »Einsamer Überlebender im Ödland«-Stimmung passte.

Fallout 4 DLCs : Endlich meine eigene Wach-Todekralle - das Tierezähmen in Wasteland Workshop macht's möglich. Endlich meine eigene Wach-Todekralle - das Tierezähmen in Wasteland Workshop macht's möglich.

Bethesda feilt also auch weiter am eigentlichen Fallout 4 - und das ist ebenfalls eine gute Nachricht, sie könnten es ja einfach liegenlassen und sich rein auf die DLCs konzentrieren. Erfreulicherweise soll bald auch endlich das Creation Kit folgen, der vollwertige Mod-Baukasten von Fallout 4. Der befindet sich laut Bethesda endlich »in der Testphase« und wäre dann auch etwas, das Fallout 4 seinem Rivalen The Witcher 3 voraushätte. Das Hexer-Rollenspiel wird nämlich keine Mod-Tools mehr bekommen.

Bei all dem Lob darf aber ein Tadel sein, es gibt nämlich ein Wort, das ich in den bisherigen Patchnotes schmerzlich vermisst habe: »Interface«. Die Bedienung von Fallout 4 gehört, vornehm ausgedrückt, nicht gerade zu den komfortabelsten. Nicht auf den Konsolen, und erst recht nicht auf dem PC, wo sich beispielsweise der Siedlungs-Baumodus kreuzumständlich steuert. Selbst nach einigen Änderungen. Wenn Bethesda sein Engagement ernst nimmt, muss da also noch einiges passieren, wohlklingende DLC-Pläne hin oder her.

Ein guter Anfang ist aber gemacht. Also, Bethesda, verpatzt das bloß nicht!

Ein heikler Deal: Fallout 4 im Test