Christian Pfeiffer : Prof. Dr. Christian Pfeiffer Prof. Dr. Christian Pfeiffer Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Dr. Christian Pfeiffer, gehört zu den bekannten Namen in der Killerspiel-Diskussion, die verschärfte Zensuren fordern. In einem Interview mit dem ehemaligen GameStar-Chefredakteur Jörg Langer sprach er über das Gewaltpotential beliebter, aktueller Spiele wie Grand Theft Auto 4 oder World of WarCraft.

Zu Beginn des Gesprächs stellt Pfeiffer klar, dass er keine Notwendigkeit sieht vollkommen auf Gewalt in Videospielen zu verzichten. Gewaltdarstellungen in Titeln wie Der Pate oder GTA 4 seien jedoch überzogen. Dass ein Großteil der Presse, auch spielfernere Medien wie die New York Times, GTA 4 feierte, kann der Kriminologe nicht gutheißen. »Wir haben das Spiel nachgespielt, es hätte indiziert werden müssen!« Die Einstufung »ab 18« wirke eher wie ein Ritterschlag. Doch auch Pfeiffer ist der Meinung, dass GTA 4 nicht das alleinige Übel sei. »GTA 4 allein macht niemanden zum Amokläufer. Es müssen immer andere Belastungsfaktoren hinzukommen, etwa innerfamiliäre Gewalt, Misserfolg in der Schule oder eine soziale Außenseiterrolle.«

Gewalt-Männersport zum Austoben

Christian Pfeiffer : »Ich habe noch nie so ein schönes Spiel gesehen von der Ästhetik her.« »Ich habe noch nie so ein schönes Spiel gesehen von der Ästhetik her.« Christian Pfeiffer hält im Interview auch Lösungsvorschläge bereit, um Aggressionen zu vermindern und Jungen ihre Männlichkeit »positiv erfahren zu lassen«. Dafür sollte in Ganztagsschulen Rugby angeboten werden. Dies sei ein »exzessiver Gewalt-Männersport, wunderbar in den Rollen und im ›Austobepotenzial‹.« Laut Pfeiffer zeigen Studien, dass Sportler seltener brutale Medien konsumierten. Doch nicht alleine brutale Inhalte sollten dazu führen, dass Computerspiele nur von Volljährigen erworben werden dürften. Spielsucht ist ein weiterer Begriff mit dem sich deutsche Behörden nicht intensiv genug beschäftigen würden. Wo der Begriff »Sucht« im Zusammenhang mit Computerspielen auftaucht, ist das Online-Rollenspiel World of Warcraft natürlich nicht weit. »Ich habe noch nie so ein schönes Spiel gesehen von der Ästhetik her. (…) Und es gibt viele humorige Sachen im Spiel. Aber trotzdem USK 18, denn in den Wirkungen ist WoW grauenhaft destruktiv.« 35% der männlichen Jugendlichen verbrächten mehr Zeit mit dem Spiel als mit Schulunterricht, mindestens viereinhalb Stunden am Tag. »Da ist das Leben aus der Balance geraten.«

Jugendschutz und Industrie sind nicht verfeindet

Dr. Christian Pfeiffer hat mit weiteren Pädagogen und Psychologen den »Kölner Aufruf« unterzeichnet (GameStar berichtete). Laut dem Dokument tragen »Killerspiele« die Hauptschuld an allerhand Dingen, die in Gesellschaft und Jugend falsch laufen. Hinter sämtliche Formulierungen die im Kölner Aufruf stehen, möchte sich der Kriminologe jedoch nicht stellen. »Nicht jedes Wort in diesem ›Kölner Aufruf‹ finde ich richtig«, gesteht er. Ihm sei es jedoch nicht möglich gewesen mit seinen Bedenken durchzudringen.

Dr. Christian Pfeiffer sieht kein spezielles Feindschaftsverhältnis zwischen der Industrie und Jugendschützern. »Wir könnten uns vorstellen, dass die Industrie einmal Spiele produziert, von denen wir ganz begeistert sind.«