Kolumne zu GTA 5 :

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Kritisieren kann man einiges. Zum Beispiel, dass die Missionsstruktur immer wieder die gleiche Abfolge aus Anfahrt mit Dialog, Action, Rückfahrt mit Dialog abfeiert. Das Kampfsystem, das zumindest bislang auf den Konsolen durch die Aufschalt-Mechanik zu belanglos wurde. Am meisten aber vielleicht, das es letztlich auch nur eine Fortsetzung der Bauart »größer und hübscher« ist. Aber Genörgel geht ja immer, und das will ich ja eigentlich gar nicht. GTA 5 bringt mich in die ärgerliche Situation ständig erklären zu müssen, was mir daran nicht gefällt, obwohl es mir gefällt.

Kolumne zu GTA 5 : Der Autor
Nach einer schlaflosen Nacht kann unser Video-Chefredakteur Andre Peschke die erledigten GTA-Missionen an seinen Augenringen abzählen, derzeit pumpt sein Herz reinen Kaffee durch die Venen. Er bereut keinesfalls, für GTA 5 aufgeblieben zu sein – es ist ja nach wie vor ein sehr gutes Spiel. Nur eben nicht der Meilenstein, zu dem es gerne erklärt wird. Und nun geht Andre erst mal herzlich mit dem Kollegen Dimitry diskutieren, der GTA 5 kürzlich als »Epos der Postmoderne« gelobt hat. Meinungsverschiedenheiten sollen ja in den besten Familien vorkommen. Und die GameStar-Familie ist nun mal die allerbeste.

Wo ist das Einzigartige?

Dabei ist meine Frage ja: Was sehen all die anderen Journalisten in dem Spiel, das so einzigartig sein soll? Sowas kann einen als Spielejournalisten ja wahnsinnig machen. Aber auch als Spieler fühlt man sich komisch, wenn man einen scheinbar universell anerkannten, monumentalen Titel nicht so sehen kann, wie alle anderen. Man fühlt sich ein ausgesperrt, wäre fast geneigt, einfach in den Singsang mit einzustimmen: »Bestes Spiel aller Zeiten! Na klar, ich sehe es auch! Wäre ja schlimm, wenn nicht!«

Auch die Kollegen von der Gamepro, die im Test zu GTA 5 ebenfalls eine extrem hohe Wertung vergaben, haben mir bislang nicht wirklich begreiflich machen können, warum GTA 5 seine Salbung zum Top-Titel unter den Top-Titeln verdient hat. Spitzenklasse: Ja. Top 5 der besten Spiele aller Zeiten? Das muss dringend debattiert werden, so in aller Ruhe. Nur die kehrt ja nicht ein bei einem Spiel, das praktisch alle paar Monate wieder neu veröffentlicht wird. Gestern Nacht gerade wieder. Da kamen endlich die PC-Spieler an die Reihe - anderthalb Jahre nach der Erstveröffentlichung.

Immerhin, eine gute Gelegenheit, dem GTA-5-Mysterium ein weiteres Mal nachzugehen. Vielleicht macht es ja diesmal »klick«. Aber es klickt nicht - obwohl es viel positives zu notieren gibt: Der Rockstar Social Club, einst Geißel der Menschheit, erweist sich als einigermaßen sozial: Offline-Modus, vertretbare Anmeldung. Auch die Server scheinen nach kurzem Schluckauf okay zu sein. Trotzdem: Das Spiel kommt schwer in Gang. Insbesondere beim dritten Anlauf.

Nach ein paar Stunden notiere ich mir nach wie vor nur Detailverbesserungen: Gerade die mit der Next-Gen-Version neu eingeführte Ego-Perspektive spielt sich mit Maussteuerung deutlich besser und könnte nun tatsächlich die Bereicherung für das Spiel werden, die man sich schon im letzten Jahr davon versprach. Zugleich macht die gute alte Maus die Gegneraufschaltung überflüssig, die die Kämpfe in den Konsolenversionen oft so anspruchslos macht.

GTA 5 - PC-Version
Psychopaths don't look at explosions.

Was jedoch fehlt, ist das wahrhaft Grandiose. Ja, kaum etwas im Spiel ist schlecht, vieles gut, manches hervorragend. Doch in der Abgrenzung des Außergewöhnlichen vom Einzigartigen kann das nicht genug sein. GTA V ist im positivsten Sinne ein Best-of der vorigen Teile und ist deswegen ein Spiel, dass man nur jedem ans Herz legen kann. Aber es setzt nicht die Art neuer Impulse, um seine Ehrung zu verdienen. Den fliegenden Wechsel zwischen seinen Hauptfiguren würde manch einer vielleicht als bedeutende Neuerung ins Feld führen, aber so schön das Feature auch ist, stand es je im Zentrum der Begeisterung? Die Spielwelt schon eher, aber ahmt die nicht zu sehr nach, was vorher schon war? Wohlgemerkt immer, wenn es darum geht, zum einem der besten Spiele aller Zeiten gekürt zu werden.

GTA V als absoluten Über-Titel zu begreifen, bleibt für mich also weiterhin schwierig. Jetzt, wo die technische Apokalypse ausgeblieben ist und sich die drängendsten Fragen erledigt haben, bin ich allerdings gespannt: Wie werden die PC-Spieler GTA 5 bewerten, Monate nach der Erstveröffentlichung? Ist der Titel wirklich der 97-Punkte-Meilenstein, eines der besten Spiele in der gesamten Geschichte der Computerspiele? Falls ja, dürfte ihm das bisschen verstrichene Zeit nichts anhaben.