Zum Thema » Kolumne zu Hatred Warum wir Hatred testen » Report: Schön brutal Warum uns Gewalt fasziniert » Special: Skandalspiele Top 10 der Software-Aufreger Hatred für 14,99 € bei GamesPlanet.com Es gibt Spiele, für deren Test man sich eine besondere Herangehensweise überlegen sollte - Spiele, bei denen es nicht reicht, sich die markanten Aspekte von Story, Spielmechanik und Präsentation herauszupicken und im Anschluss eine Wertung zu geben. Schließlich will man als Redakteur jedem Titel gerecht werden. So lohnt sich ein unkonventioneller Ansatz beispielsweise bei cleveren Indie-Experimenten oder herausragend komplexen Meisterwerken - aber auch bei Hatred.

Natürlich ist die polnische Top-Down-Ballerbude weder Meisterwerk noch besonders clever - so viel können wir schon vorwegnehmen. Aber dafür scheint sie untrennbar verbunden mit ihrem eigenen Skandal-Potenzial. Hatred ist ein spielgewordener Tabubruch. In Konzeption, Spielmechanik und Vermarktung will es provozieren - deshalb redet kaum jemand über das Spiel an sich, ohne die Wirkung zu thematisieren, die es auf Gaming-Community und Spielekultur haben könnte. Die einen halten es allein deshalb schon für Schund, die anderen fordern eine faire Bewertung unabhängig davon.

Kolumne der Chefredaktion: Warum wir Hatred testen

In diesem Test versuchen wir, beiden Perspektiven gerecht zu werden. Deshalb besteht der Artikel aus zwei Teilen: Im ersten Part wird Hatred als Spiel bewertet, unabhängig von der Thematik und den Problemen, die diese womöglich mit sich bringt. Im Anschluss gehen wir auf die heiklen Amok-Inhalte ein, klären deren emotionale Wirkung und entscheiden, inwieweit Hatreds hasserfüllte Grundaussage in die Wertung einfließen muss.

Wo kaufen? Bis kurz nach Release war Hatred noch über Steam zu erwerben - mittlerweile gibt's aber für Hatred in Deutschland und Australien einen Region Lock. Das heißt, der virtuelle Amoklauf kann hierzulande nicht mehr über die Plattform erworben werden. Da Gog.com sich von vornerein gegen den Vertrieb entschieden hat, ist es als Deutscher sehr schwierig geworden, das Spiel zu kaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Region Lock mit einer anstehenden Indizierung zusammenhängt, ist indes sehr hoch. Deshalb könnte auch die bald erscheinende DRM-freie Desura-Version für deutsche Käufer zu spät kommen.

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Hatred
Wir sind das wandelnde Klischeebild eines Amokläufers. Mehr aber auch nicht.

Das Spiel hinter dem Skandal

Ja, das übergeordnete Ziel von Hatred ist tatsächlich ein weitreichender Massenmord. Wir schlüpfen in die Haut eines namenlosen Verbrechers, der die Schnauze voll von der Menschheit hat und sich in einem martialischen Amoklauf zusammen mit möglichst vielen Unschuldigen töten will. Mehr gibt's zur Story eigentlich nicht zu sagen - wir erfahren nach dem Intro an keiner Stelle mehr über die Beweggründe des langhaarigen Übeltäters.

Hatred : Das einzige optische Highlight sind die Explosionen. Das einzige optische Highlight sind die Explosionen. Im Vergleich zu ähnlichen prominenten Skandalspielen (die wir hier natürlich nicht namentlich nennen können) verschenkt Hatred hier Potenzial: Weder profitiert das Szenario von einem überdrehten schwarzen Humor, noch geht es konsequent die entgegengesetzte Richtung und erschafft in irgendeiner Form eine fesselnde Gewalt-Mär, die sich mehr traut als die Konkurrenz.

Stattdessen gilt: Was man in puncto Story bereits im ersten Trailer zu Hatred gesehen hat, ist gleichzeitig alles, was es auch im fertigen Spiel dazu zu »bestaunen« gibt. Das Setting bleibt plakativ, versteht es aber zumindest, sich mit einem distinkten Schwarz-Weiß-Look und ausgewählten Farbakzenten recht stilsicher in Szene zu setzen.

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Der Amoklauf-Simulator

Wer anhand der simplen Ausgangssituation vermutet, dass wir lediglich durch eine offene Nachbarschaft rennen und Zivilisten abschießen, der irrt - zumindest teilweise. Denn Hatred bemüht sich um einen Spannungsbogen und gibt dem Spieler eine Reihe von Aufgaben sowie mehrere Szenarien, die er abarbeiten muss. Wo wir im ersten Abschnitt noch durch den eigenen Wohnort rennen, Partys sprengen (im wörtlichen Sinn) und das örtliche Polizeirevier massakrieren, sind wir in späteren Levels in der Kanalisation unterwegs, schießen uns durch die Innenstadt und landen sogar in einer Army Base.

Hatred : Nebenmissionen wie die Kaufhausschießerei geben uns zusätzliche Respawn-Punkte. Nebenmissionen wie die Kaufhausschießerei geben uns zusätzliche Respawn-Punkte. Das Spielprinzip bleibt dabei im Kern vergleichsweise simpel: Wir blicken in Draufsicht auf unseren Amokläufer, bewegen ihn durch ein in der Regel recht offenes Areal und machen dabei häufig von unseren Waffen gebrauch. Am Anfang ist das keine große Herausforderung, wir sind mit einer AK ausgestattet und die zivile Bevölkerung hat dem nicht viel entgegenzusetzen. Doch bereits nach kurzer Zeit jagt uns die Polizei - und zumindest auf den beiden höheren von drei Schwierigkeitsgraden kann das sehr schnell in die Hose gehen.

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Darin zeigt sich mit die größte Stärke, aber auch eine der größten spielerischen Schwächen von Hatred. Zuerst das Positive: Das Ressourcen-Management des Spiels funktioniert. In jeder Mission müssen wir eine ganze Reihe von Abwägungen berücksichtigen, um den Levelabschnitt zu schaffen. Da gibt's zum Beispiel den Umgang mit Zivilisten: Jedes Exekutionsmanöver, das wir bei am Boden liegenden Menschen durchführen, füllt unsere Lebensenergie auf. Abseits davon finden wir weder Arzneikästen, noch regeneriert sich der langhaarige Amokläufer irgendwie von selbst.