Journey, Shadow of the Colossus und Zelda - allesamt großartige Spiele, die es leider nie auf den PC geschafft haben und es wohl auch nicht mehr schaffen werden. Ein großer Verlust für uns PC-Spieler, aber auch eine große Chance für Hob. Denn das neue Werk der Torchlight-Entwickler Runic hat uns beim Anspielen gleich an alle drei Konsolen-Meisterwerke erinnert.

Wie Journey will Hob eine bewegende Geschichte völlig ohne Worte erzählen. Wie Shadow of the Colossus soll Hob uns ein Gefühl von völliger Isolation in einer riesigen Welt vermitteln. Und Zelda? Von der Nintendo-Serie erbt Hob die klassische Mischung aus Erkunden, Rätseln und Kämpfen, mit der wir uns nach und nach eine offene Welt erschließen.

Aber kann das Indie-Spiel Hob wirklich in derart große Fußstapfen treten, oder verkommt es zum Flickenteppich zu vieler unterschiedlicher Vorbilder? Wir konnten gleich zwei Demos des Puzzle-Adventures spielen, die durchaus Hoffnung machen.

Die Hob-Entwickler bei uns im Studio

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?

Die erste Demo beginnt direkt am Anfang des Spiels und stellt uns zunächst unseren Hauptcharakter vor: Der heißt zwar nicht Link, ist aber trotzdem ein zipfelmütziges kleines Wesen - nur dass die Größe hier täuscht, dank eines Roboterarms verfügt er über eindrucksvolle Kräfte. Die nützen uns nicht nur beim Kämpfen, sondern auch beim Erkunden. In unserem Fall einen fremden Planeten mit saftig grünen Wiesen, samt freundlicher kleiner Alien-Eichhörnchen und geheimnisvoller Steinruinen.

Letztere machen uns natürlich neugierig. Was es damit auf sich hat, wollen die Entwickler allerdings noch nicht verraten. Wo die Steinbauten herkommen und wer sie erschaffen hat, sollen wir im Laufe des Spiels herausfinden. Der Clou dabei ist aber, dass wir wie in Journey nichts darüber gesagt bekommen, die Welt soll ihre Geschichte selbst erzählen - ganz ohne Dialoge.

Wir vermuten aber, dass die Ruinen etwas mit uns zu tun haben. Immerhin hat Runic uns gegenüber betont, dass unser Charakter bewusst so gestaltet ist, dass er keinem anderen Geschöpf in der Welt gleicht und so wie in Shadow of the Colossus völlig isoliert ist. Wir spielen aus irgendeinem Grund den letzten unserer Art und müssen das Geheimnis der Ruinen lüften, um mehr über uns und die Welt zu erfahren. Sind die verfallenen Gebäude das Überbleibsel einer vergessenen Zivilisation? Und wurde die durch eine Katastrophe ausgelöscht oder ist sie einfach mit der Zeit verschwunden?

Hob : Die unterirdischen Maschinen machen uns neugierig auf die Geschichte hinter Hob. Die unterirdischen Maschinen machen uns neugierig auf die Geschichte hinter Hob.

Einmal Anschalten bitte!

Die Prämisse klingt spannend, der Entwickler muss aber natürlich schaffen, das rein über die Bilder und natürlich das Gameplay selbst effektiv zu kommunizieren. Die Dungeons unter den Ruinen deuten schon mal an, wie dieses Zusammenspiel funktionieren könnte. Während wir Zelda-typisch erkunden, rätseln und kämpfen, entdecken wir gewaltige, stillgelegte Maschinen, die wir mit Hilfe von Elektrizität wieder in Gang setzen können. Richtig tot sind die Hinterlassenschaften der früheren Bewohner also nicht, sie schlafen nur.

Zur Maschinenreparatur benötigen wir verschiedene Fähigkeiten, die wir im Laufe des Spiels erhalten: Wir können mit unserem künstlichen Arm große Hebel bewegen oder Energie sammeln, um durch elektrische Felder oder über Abgründe zu flitzen. So erreichen wir neue Plattformen, öffnen Türen und bahnen uns immer weiter unseren Weg durch das Ruinen-Labyrinth.

Bei den Rätseln kommt es dabei oft auf das richtige Timing an und weniger wirklich auf Köpfchen, da wir meistens nur geschickt Hindernisse überwinden müssen, um rechtzeitig einen bestimmten Schalter zu erreichen. Hier darf uns Hob im späteren Spielverlauf gern mehr Hirnschmalz abverlangen. Auch bei den Kämpfen fühlt sich Hob zumindest zu Spielbeginn noch arg trivial an. Gegen die schwächlichen Alien-Soldaten und Roboter reicht stupides Angriffstastenhämmern, obwohl unser Held sogar ausweichen könnte und über eine Ausdauer-Anzeige verfügt und das ungewöhnliche Design der außerirdischen Monster definitiv interessant wirkt.

Hob : Die koboldartigen Aliens in Hob sind trotz interessanter Optik leider keine große Herausforderung. Die koboldartigen Aliens in Hob sind trotz interessanter Optik leider keine große Herausforderung.

Zelda für Erwachsene

In der zweiten Demo sind wir schon weiter in die Ruinen vorgedrungen und brauchen zumindest einen kleinen Trick, wenn wir es bei unserem ersten Bosskampf gegen eine Art Dinosaurier-Schamanen einfacher haben wollen: Der Entwickler rät uns, zunächst die Stromgeneratoren zu zerstören, die dem Feind als Energiequelle dienen. Und tatsächlich: Kaum sind die Generatoren weg, ist der Fiesling deutlich leichter aufs Kreuz zu legen. Der Ansatz, die Rätselmechaniken so auch in die Kämpfe zu integrieren, gefällt uns theoretisch wirklich prima.

Praktisch haben wir den Endgegner auch ohne Stromtrick problemlos windelweich prügeln können. Hier würden wir uns tatsächlich ein wenig mehr Zelda wünschen, bei dem wir ohne Enträtselung der Endgegner-Strategie keine Sonne sehen. Aber wer weiß: Vielleicht zieht Hob ja beim Anspruch noch an. Monstergruppen mit unserem Roboterarm zu verprügeln macht zwar durchaus schon jetzt richtig Laune, nur ist es eben auch immer das Gleiche.

Dennoch befindet sich Hob befindet sich bereits auf einem guten Weg: Trotz der comichaften Optik wirkt es deutlich ernster und erwachsener als Zelda und könnte mit seiner schon jetzt gut abgeschmeckten Mischung aus Erkunden, Kämpfen und Rätseln genau die Action-Adventure-Feinkost werden, für die wir normalerweise neidisch in Richtung Konsolen schielen.

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Hob