Warum sind Computerspiele so teuer? Natürlich ließen sich mehr Spiele verkaufen, wenn die Preise fielen. Ob das gewaltige Massen wäre, sei dahingestellt; es ist ja nicht nur das Geld, das bestimmt, wie viele Spiele ein Mensch pro Jahr kauft, sondern auch die Zeit. Wer Empire oder Drakensang erwirbt, braucht erst mal lange Zeit nichts anderes mehr.

Die großen Hersteller legen ihre Preise nicht aus Gier und Torheit fest, sondern in einem Bereich, der das beste Verhältnis aus Verkaufszahlen und Ertrag verspricht. Dazu kommen Sachzwänge, etwa die Aufschläge bei Konsolenspielen, die von Microsoft und Sony diktiert werden. Keine Firma hat Interesse daran, den Standard-Preis von 60 Euro auf Xbox und PS3 für den PC stark zu unterbieten, denn das hieße, sich selbst Konkurrenz zu machen.

Wenn Valve nun in einer Wochenend-Aktion die Preise im Online-Shop Steam senkt und daraufhin deutlich mehr Left 4 Dead oder Team Fortress 2-Spiele verkauft, dann will das nicht viel heißen. Valves Preisspielereien sind in erster Linie Schnäppchen-Angebote, wie wenn der örtliche Supermarkt »100g Salami heute 80 Cent!« ins Schaufenster hängt. Klar schlagen dann mehr Menschen zu. Tags darauf ist der Preis wieder oben, weil genügend Leute Salami zum Normalpreis kaufen. So ist das auch bei Spielen.

Trotzdem zeigt Valves Experiment, dass es einen Trend zu Impulskäufen gibt: Je niedriger der Preis, desto niedriger auch die Hemmschwelle, spontan zuzuschlagen. Das könnten die Hersteller für sich nutzen. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass sich bei den Käufern sehr schnell ein Lerneffekt einstellt: Viele warten dann einfach auf das nächste Sonderangebot, so wie schon jetzt ein guter Teil der Spieler nicht mehr zum Vollpreis einkauft, weil sie wissen, dass in ein paar Monaten günstige Budget-Versionen erscheinen.

Spiele gehören nicht zum täglichen Bedarf, ein paar Tage oder Wochen zu warten tut nicht weh.
Dennoch sind die Preise für Spiele zu hoch und werden auf Dauer sinken müssen. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist nicht einzusehen, warum Download-Versionen praktisch das Gleiche kosten wie verpackte Ladenversionen. Die Hersteller geben ihre Kostenersparnis im Moment nicht weiter; das wird sich ändern, sobald die Konkurrenz auf dem Download-Markt steigt.

Zum anderen verbreiten sich günstige Gelegenheitsspiele so dramatisch, dass sie vor allem älteren Spieler zunehmend attraktiver erscheinen als teure Hardcore-Games. Wenn die Hersteller ihre Kernzielgruppe nicht schrumpfen sehen wollen, müssen sie der Casual-Konkurrenz durch niedrigere Preise begegnen.

Christian Schmidt, Stellvertretender Chefredakteur GameStar