Mafia 3 vs. GTA 5 : Mafia 3 vs. GTA 5: Was eignet sich für welchen Spieler? Mafia 3 vs. GTA 5: Was eignet sich für welchen Spieler?

Zum Thema Mafia 3 ab 20 € bei Amazon.de Mafia III für 39,99 € bei GamesPlanet.com Disclaimer: Ein Vergleich zwischen GTA 5 und Mafia 3 ist in einigen Aspekten natürlich ein bisschen unfair. Da wäre zum einen die Wertungsdifferenz - GTA 5 staubt satte 92 Punkte samt Platin-Award ab, Mafia 3 muss sich mit einer 72 zufriedengeben. Außerdem spielt Grand Theft Auto 5 in puncto Produktionsbudget in einer anderen Liga und Rockstar Games dürfte deutlich mehr Entwicklungszeit reingesteckt haben - zumindest, wenn man bedenkt, dass der ursprüngliche Mafia-3-Entwickler 2K Czech erst 2014 aufgelöst (beziehungsweise massiv umstrukturiert) wurde.

Mafia 3 bekam daraufhin mit Hangar 13 ein taufrisches Studio, das sich hier als Team die ersten Sporen verdienen musste. Welpenschutz gibt's aber in der Community da draußen nicht, und ehrlich gesagt bin ich auch der Meinung, dass man so einen Luxus nicht erwarten darf. Als Open-World-Spiel in einer amerikanischen Großstadt muss sich Mafia 3 den Vergleich mit dem großen Konkurrenten einfach gefallen lassen (zumal beide mit Take Two ja quasi die gleiche Muttergesellschaft haben) - und in dem Fall lohnt sich das auch.

Als fleißiger Spieler von GTA Online und Tester von Mafia 3 stelle ich die beiden Open-World-Giganten hier gegeneinander und schaue mir die Unterschiede an, denn beide Spiele interpretieren Open World auf eine teils komplett unterschiedliche Art und Weise. Dabei bringt es wenig, sich voll auf polemische Offensichtlichkeiten zu stürzen. Natürlich steckt in GTA 5 mehr drin. Natürlich gibt's da einen Multiplayer. Und mittlerweile dürfte auch jeder mitbekommen haben, dass Mafia 3 technisch lange nicht so sauber läuft wie GTA 5. Ich will die Designfehler und das mangelnde »Polishing« hinter Mafia 3 zwar nicht in Schutz nehmen (darüber muss man sich als Käufer sogar aufregen!), aber in diesem Duell hier konzentriere ich mich auf die nicht so offensichtlichen Aspekte.

Dazu gehört: Wie verhalten sich die Storys zueinander? Welche Open World bietet was? Wo gibt's welche Form von Action? Und was sollte man sich als Fan klassischer Gangsterfilme eher zulegen?

Lincoln Clay vs. Trevor Philips

Die Story ist klar die größte Stärke von Mafia 3. Lincoln Clays Rachefeldzug gegen die Mafia gibt dem kompletten Spiel Struktur, die Einbettung zahlreicher spannender Charaktere rundet die vermeintlich simple Geschichte ab. Und der Dokumentarstil gibt dem Ganzen eine »Suspense«-Note der Extraklasse, denn wir wissen bereits vor Beginn der Kampagne, dass Lincoln ein kontroverses, mordendes Monster ist, zumindest aus ziviler Perspektive. Dabei verliere ich als Spieler nie das Ziel aus den Augen. Die Geschichte von Mafia 3 ist fokussiert und damit unheimlich intensiv.

Gerade GTA 5 geht hier (auch im Vergleich zum Vorgänger GTA 4) einen anderen Weg. Nach dem Banküberfall-Prolog fächert sich die Geschichte auf ihre drei Hauptfiguren auf und verfolgt eine weitaus losere Struktur - und das eigentlich fast bis zum Ende des Spiels. Es geht eher darum, die schrägen Vögel Michael, Trevor und Franklin in diversen Situationen zu zeigen und ihre wilden Action-Eskapaden in satirischem Kontext einzufangen, als einen emotional involvierenden Plot zu zeichnen. Oder anders: Grand Theft Auto 5 nimmt sich an vielen Stellen leichtherziger als Mafia 3.

Beide Geschichten haben klare Stärken (wer mehr über die Story-Genialität von GTA 5 lesen will, kann hier mein episches Feature in zwölf Akten dazu aufrufen), Mafia 3 erzählt aber in klassischen Kategorien die ernstere und stringentere Gangster-Geschichte. Wer bei einer Open-World-Ballade über organisierte Kriminalität also einen Ansatz wie in den alten Mafia-Filmen bevorzugt, greift besser zu Lincoln Clays Tragödie. Hangar 13 bemüht sich um eine vielschichtige und glaubhafte Charakterisierung von Clays Partnern Cassandra, Vito und Burke, gleichzeitig kriegen wir als Spieler durch den Pater eine Perspektive von außen - und durch CIA-Agent Donovan eine politische Note. Als Kompromiss kann man auch GTA 4 mit Grafikmods spielen, allerdings verpasst man dann die spannende Dokumentar-Erzählweise von Mafia 3.

Autos vs. Autos

Grand Theft Auto hat's im Namen, Mafia in der eigenen Serien-DNA (erinnern Sie sich an das Autorennen aus Mafia 1?!): Fahrzeuge gehören in einer Open-World-City zum guten Ton - und hier konkurrieren die schnittigen 60er-Karossen aus New Bordeaux mit den Gegenwarts-Autos von GTA 5. Im ersten Schritt sollte man aber betonen, dass Fahrzeuge in beiden Spielen komplett unterschiedliche Stellenwerte haben. Grand Theft Auto 5 verwendet einen weitaus größeren Teil der Kampagne auf Fahrpassagen, Fahrzeug-Action und spektakuläre Stunts. Es gibt zahlreiche Monsterstunts, Autorennen und Tuningmöglichkeiten (allein schon im Online-Modus). Mafia 3 schaltet da mehr als nur einen Gang zurück.

In New Bordeaux benutzen wir Autos, um von A nach B zu kommen und im Zweifelsfall der Polizei zu entkommen. Es gibt abseits der Capo-Belohnungen von Vito und Co. keinerlei Tuning- oder Upgradesystem, der Fuhrpark fällt deutlich kleiner aus und die Missionen involvieren Fahrzeuge viel seltener als bei Rockstar. Auch die Fahrphysik erlaubt in Mafia wegen ihrer Trägheit keine spektakulären Stunts oder aufregende Fahrmanöver, das Schadensmodell unterstützt außerdem ohnehin keine glaubhaften Crashes.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich will hier Mafia 3 nicht für seine technischen Grenzen an den Pranger stellen, aber wer bei einem Open-World-Spiel vor allem das Cruisen durch die Welt toll findet, muss schlicht darüber informiert werden, dass das in Mafia keinen Großteil der Kampagne ausmacht und nicht sonderlich viel Freude bereitet. Außer man steht auf Sounds der 60er-Jahre, denn der Soundtrack ist erstklassig.

Die Open Worlds im Vergleich

GTA 5 hat einen anderen »Scope« als Mafia 3. Mit San Andreas wurde hier ein kalifornisches Großraumgebiet virtuell umgesetzt, in dem die Hauptstadt Los Santos nur einen kleinen Teil ausmacht. Darüber hinaus gibt's gigantische Berge, kleine Wüstendörfer, Weinberge, Flusstäler und so weiter. Die Kehrseite in der Solo-Kampagne: Das Geschehen springt relativ großzügig von Ort zu Ort, ohne dass man eine echte Beziehung zu einzelnen Vierteln aufbaut. Die großen Pluspunkte hinter San Andreas sind eher die Panorama-Aufnahmen und kinoreifen Schauplätze, wohingegen man beispielsweise in Franklins Ghetto kaum näher an die Bandenkriege zwischen den Families herankommt (außer man checkt fleißig Wikis). Hier trumpft Mafia 3.

Da wir als Lincoln wirklich jedes Viertel der Stadt unter unsere Kontrolle bringen und von feindlichen Mafia-Hauptmännern befreien, kann ich als Spieler mit der richtigen Einstellung diese Nähe zum Geschehen toll auf mich wirken lassen. Jeder Capo kriegt einen Namen, und ich ein Gefühl für die Struktur des organisierten Verbrechens in New Bordeaux. Als story-affiner Spieler gefällt mir das sehr, allerdings fällt die Stadt selbst dabei gelegentlich unter den Tisch. Hangar 13 hat mit New Bordeaux durchaus einen abwechslungsreichen Schauplatz geschaffen, der mit dem Bayou auch über eine ländliche Region verfügt.

Allerdings habe ich als Spieler abseits der Mafiamissionen sehr wenig Interaktion mit der Spielwelt. Wo ich in GTA 5 in Läden einkaufe, im Online-Modus Liquor Stores überfalle und mit Kumpels einen draufmache, gestaltet sich das Cruisen durch New Bordeaux sehr gleichförmig. Außerdem kommen die Schauplätze wegen der ganzen Überstrahlungseffekte auch weniger zur Geltung. Schade drum.

Der Gameplay-Mix

Wo in GTA 5 der Wechsel im Wesentlichen zwischen Fahrzeug- und Ballerpassagen stattfindet, wählen wir in Mafia 3 hauptsächlich zwischen Schleichen und Schießen. In Los Santos treffe ich auf durchchoreographierte Spektakelmissionen, New Bordeaux gibt mir stattdessen Sandbox-Areale, in denen sich Lincoln nach Belieben austoben kann. Die Schießereien in Mafia 3 haben ihre KI-Probleme, ja das stimmt, aber sie geben ein tolles und vor allem filmisches »Shootout«-Gefühl, das man durchaus loben sollte.

GTA 5 hat durch die Bank den besseren Mix aus spannenden Gameplay-Einlagen, trotzdem punkten die Mafia-Gefechte mit einem atmosphärischen »Infight«-Schwerpunkt, der mich an die guten alten Zeiten von Max Payne und Co. erinnert. Wer bei Gangster-Spielen vor allem fetzige, brutale und dreckige Gefechte erleben will, macht mit Mafia 3 nichts verkehrt, natürlich bietet auch GTA 5 an der Front ausreichend Unterhaltung.

Die mangelnde Abwechslung von Mafia 3 muss man allerdings in kauf nehmen. Wo sich GTA 5 wie ein reizüberflutender Gangster-Freizeitpark anfühlt, sollte ich mich als Lincoln Clay auf Arbeit vorbereiten. Hier finden die Leute Freude, die in Open-World-Spielen gerne die Karte von Aufgaben »säubern«, ein Gefühl von Herrschaft über die Spielwelt empfinden wollen und keine Scheu vor routinierter Arbeit haben.

GTA 5 vs. Mafia 3: Das Fazit

Mafia 3 eignet sich für die Leute besser, die eine kompaktere Open-World-Erfahrung wollen. GTA 5 ist eine gigantische Unternehmung in einer riesigen Spielwelt, in der man sich bei all den Nebensächlichkeiten völlig verlieren kann (und sollte). Mafia 3 fährt einen kleineren Maßstab und konzentriert sich ganz auf die Hauptgeschichte und ihre Verästelung in den diversen kleinen Territorialeroberungen. Wollen Sie einen klassischen Gangster-Film als Spiel erleben? Haben Sie vor zehn Jahren das Spiel zu Scarface gespielt und fanden es super?

Dann ab nach New Bordeaux - seien Sie aber gewarnt, dass das eine holprige Reise wird, in der Sie an sehr vielen technisch groben Stolpersteinen vorbeikommen. Wollen Sie hingegen ein offenes Gangster-Epos mit völlig verrückten Ideen und Charakteren, das mit seinem Online-Modus und den Millionen Kleinigkeiten und Details für Hunderte Stunden beschäftigt, dann kaufen Sie ein Ticket nach Los Santos.

Oder Sie zocken GTA 4 mit Grafikmods. Das ist ein guter Kompromiss.