Eine Trilogie besteht, wie der Name schon sagt, aus drei Teilen. Meistens ist es so, dass der erste Teil ein wunderbarer Anfang ist, der zweite verändert hier und da etwas und passt sich dennoch an und der dritte beherbergt ein tolles und zufriedenstellendes Ende. Auch Biowares SciFi-Spiel Mass Effect soll eine Trilogie werden und konnte mit den ersten Teil, der 2008 erschien, ein spannendes und spaßiges SciFi-Rollenspiel abliefern. Nun haben die Kanadier den zweiten Teil veröffentlicht und wollen damit das prächtige Mittelstück der Trilogie abliefern. Ob das klappt? Erfahrt mehr im folgenden Test, der euch, ohne viel von der Story zu verraten, alles Wichtige erzählt.
Anfang mit Schrecken
Bioware beginnt Mass Effect 2 mit insgesamt zwei verschiedenen Intros, wobei das erste wohl einem Urknall gleich kommt. Unser Schiff aus Teil 1, die Normandy, wird von einem bis dato unbekannten Feind angegriffen und Bioware löst sein Versprechen ein, was sie nach Mass Effect 1 gegeben haben: Commander Shepard stirbt und die Normandy ist verloren. Bevor wir aber dies sehen, müssen wir durch die beschädigte Normandy laufen, unseren Piloten Joker retten, nur um dann ins All hinausgeschleudert zu werden und dort ansehen zu müssen, wie unser Shepard stirbt – ein tragischer Tod für die Allianz-Heldin bzw. für den Allianz-Helden. Kurz nach dieser bombastischen Einleitung werden wir auf einem Planeten geborgen und von Cerberus, einer Organisation die nicht gerade beliebt bei den anderen Universums-Mitbewohnern ist, wiederbelebt und reanimiert. Wer keinen Mass-Effect-1-Speicherstand mehr hat, kann sich hier seinen Commander wieder zusammen flicken, denn diese Reanimation dient als Charakter-Editor und fügt sich nahtlos ins Spiel ein.
Mehr Action und düsterer
Nachdem wir den Editor hinter uns haben geht es auch schon fast los mit dem aus Teil 1 bekannten Kampfsystem. Hinter verschiedenen Gegenständen können wir in Deckung gehen und können von dort aus auf andere Gegner schießen, allerdings hat diesmal unsere Waffe Munition. Das heißt wir können nicht mehr solange auf dem Feind schießen bis unsere Waffe überhitzt, sondern haben immer nur so viele Kugeln wie im Magazin vorhanden, danach müssen wir es wechseln. Das ist zwar Anfangs ein wenig komisch, wenn man es ist noch anders gewohnt ist, aber Shooter-Spieler haben damit kein Problem. Apropos Shooter: Mass Effect 2 setzt auf mehr Action und mehr Shooter-Einlagen, als noch der Vorgänger. Dafür entfällt einiges an Rollenspielgrundlagen, unter anderem das Inventar und die vielseitigen Fähigkeiten. Zwar gibt es immer noch einige Fähigkeiten, aber gegen Ende des Spiels hat man nahezu alle erlernt. Dazu baut Mass Effect 2 auf eine düstere Story und wirkt dadurch erwachsener. Dennoch rutscht man nicht in den Gruselbereich ab, aber die Stimmung ist bei weitem nicht mehr ganz so hell wie noch im Vorgänger.
Typische Bioware Charaktere
Neben der tollen Story bietet Mass Effect 2 natürlich auch verschiedene Charaktere an, wovon mehrere unseren Commander Shepard begleiten. Ein paar Teamkollegen stammen dabei von der alten Mannschaft, darunter der Pilot Joker und der Turrianer Garrus, den wir später in unser Team rekrutieren. Aber Bioware hat auch einige neue Charaktere mit eingefügt, darunter die Cerberus-Mitarbeiterin Miranda oder der Ex-Allianzsoldat Jacob. Auf Miranda treffen wir schon im Tutorial, der ersten Mission nach unserer Reanimation. Miranda ist eine selbstsichere Person, die aber mysteriöse Züge annimmt und uns manchmal etwas verwundert. Ebenso wunderbar hat Bioware es hin bekommen, dass jeder dieser Charaktere seine eigene Hintergrundgeschichte hat, auf die uns die Charaktere mal früher, mal später ansprechen. Erfüllen wir ihre Bitte werden sie loyal, was später ein wichtiger Ausgangspunkt für das Ende der Story ist.
Und was sollen wir eigentlich tun?
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Reden wir doch mal über Gott & Die Welt
Wie man es aus den Bioware Spielen der letzte Jahre kennt, gibt es in Mass Effect 2 sehr viele Dialoge. Wie auch bekannt, entwickelt Bioware besonders dank dem Einflussmöglichkeiten auf die Dialoge eine kleine Art Zeitspiel, denn teilweise überlegen wir fünf Minuten lang, welche Entscheidung wir wählen sollten. In den Dialogen können wir entweder neutral bleiben oder diplomatisch oder aggressiv, was manchmal großen oder kleinen Einfluss auf die fortgehende Story und Dialoge nimmt. Dadurch entfaltet das Spiel eine weitgehende Tiefe und bringt Spannung hinein, wie man es von einem Spiel zum Großteil eher nicht erwartet. Dazu kommen, in bestimmten Dialogen festgesetzt, Sofort-Eingriffe in den Dialog, die entweder besonders wirksam diplomatisch oder aggressiv sind, aber die wir nicht nutzen müssen, sondern rein optional sind. Damit fügt Bioware den Dialogen ein wenig Dynamik hinzu und wir achten umso mehr auf die tollen Dialoge, die im Englischen zwar besser klingen, als im Deutschen, aber dennoch besitzt die Deutsche Sprachausgabe eine ordentliche Synchronisation.
Schusswechsel im All
Wie etwas weiter oben schon erwähnt, sind die Kämpfe in Mass Effect 2 ein Stück actionlastiger geworden. Das Tempo hat in den Kämpfen zugenommen und wir schießen weitaus mehr und fühlen uns manchmal wie in einem Shooter. Dazu kommt, dass aus Shootern sehr bekannte Heilungsprinzip. Werden wir eine kurze Zeit lang nicht beschossen, heilt sich Shepard von alleine inklusive seinem Schild. Werden wir hingegen heftig getroffen bildet sich ein roter Rahmen um unser Interface. Hinzu kommen die Trefferzonen des Gegners, weshalb wir nun öfters Feuerstöße ansetzen und diese möglichst Richtung Kopf. Betroffen von den Trefferzonen scheint auch die schwache Gegner-KI zu sein. Manchmal verschanzen sich die Gegner hinter explosiven Fässern oder laufen mit voller Wucht auf uns zu, was nicht gerade sehr klug ist, denn dann können wir das Dauerfeuer eröffnen und der Gegner liegt relativ schnell am Boden. Dennoch machen die Kämpfe sehr viel Spaß, auch wenn das Spiel nicht mit Items motiviert, wie in anderen Rollenspielen.
Talentsystem überarbeitet
Dadurch ist Mass Effect 2 weniger ein Rollenspiel im klassischen Sinne. Der Pausenmodus, der zum Einsetzen von taktischen Befehlen oder Talenten im Vorgänger existierte, wird im zweiten Teil der Serie nur noch selten benutzt. Grund dafür ist, dass unsere KI-Kollegen einerseits ihre Talente ordentlich einsetzen, aber es gibt auch nicht mehr so viele taktische Befehle, im Grunde fast gar keine. Außerdem gibt es kein Training mehr für bestimmte Waffen, geschweige denn Attribute, wie Ausdauer oder Stärke auf die Rüstungen. Dafür verbessern wir nun klassenspezifische Talente, die sich bis zu maximal 4 Punkten ausbauen lassen. Gegen Ende des Spiels hat man nahezu alle Talente auf die höchste Stufe gebracht und das Talentsystem erschöpft sich dann schon, was eigentlich schade ist. Sobald wir übrigens eine Fähigkeit voll ausgebaut haben, dürfen wir uns noch zwischen eine Sonderspezialität entscheiden, was aber nicht ausschlaggebend für das Spiel ist.
Tolle Grafik, toller Sound
Während Dragon Age: Origins noch unter der schwachen Grafikengine litt, besitzt Mass Effect 2 eine sehr ansehnliche Grafik. Die Charaktere sehen einfach nur wunderschön aus, die Beleuchtungseffekte und die erhöhten Partikel sorgen für hübschere Effekte und spannendere Zwischensequenzen. Hinzu kommen die detaillierteren Texturen, wodurch das Spiel für das Jahr 2010 eine absolut passende Grafik bietet und sich nicht verstecken muss. Der Sound des Spiels ist auch gelungen, besonders die Waffensounds hören sich noch etwas futuristischer an. Der Soundtrack dem in nichts nach und man findet darunter den einen oder anderen tollen Track, den man auch ohne das Spiel sich mehr als einmal anhören kann.
Igitt, Bugs!
Überraschend und vor allem für Bioware, sind die häufiger auftretenden Bugs. Mal sind es kleinere Dialog-Aussetzer oder Charaktere die über den Boden schweben. Außerdem passiert es häufiger, dass in den Dialogen die NPCs weg springen und die Laufen-Sequenz erneut beginnt. Ab und zu passiert es auch, dass unser Charakter in der Luft herumhängt und man das Spiel vom letzten Speicherpunkt erneut laden muss – das ist nervig. Schön hingegen ist, dass es die Fahrstuhlladezeiten nicht mehr gibt. Das hatte im ersten Teil manchmal bis zu einer Minute gedauert dafür gibt es nun aber die Ladebildschirme. Die wirken zwar etwas unästhetischer, sind dafür aber schneller, besonders in der Normandy. Im Durchschnitt wartet man in der Normandy 3 bis 5 Sekunden bis man auf dem nächsten Deck ist. Bei einer Mission sind es rund 15 bis 20 Sekunden.
Unser eigenes Zimmer!
Zu guter Letzt wollen wir noch auf die neue Normandy, die man gleich zum Anfang zu Gesicht bekommt, eingehen. Diese ist nun größer als noch im Vorgänger und bietet genug Platz für unsere 10 Teammitglieder. Ebenso neu ist EDI, die Künstliche Intelligenz, die uns mit einigen Basiswissen und technischen Know-How zur Verfügung steht. Außerdem besitzen wir nun unser eigenes Zimmer, wo wir unser privates Terminal mit eingehenden Nachrichten abrufen können und unsere Ausrüstung einfärben dürfen. Ebenso können wir uns verschiedene Accessoires kaufen, wie etwa Fische oder einen Hamster. Das ist zwar eine kleine Spielerei, sorgt aber für Atmosphäre. Neu an der Normandy ist auch, dass sie nun Treibstoff braucht, sollten wir nicht mit einem der Massenportale herumfliegen, um in andere Galaxien zu gelangen. Ebenso müssen wir bzw. sollten wir unsere Normandy ausbauen, damit sie standhält gegen die Schiffe der Kollektoren. Dazu brauchen wir vier verschiedene Materialien, die wir bekommen, in dem wir andere Planeten scannen. Sollten wir feststellen das sich irgendwo auf dem Planeten etwas von einem Material findet schießen wir eine Sonde hinab, die uns das Zeug besorgt. Das macht zwar anfangs noch Spaß, nutzt sich aber schnell ab und wird zum nervigen Minispiel.


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