Fragt man Amerikaner, was ihnen spontan zu Deutschland einfällt, wird garantiert das Wörtchen »Autobahn« fallen – »the road without speed limit«. Dass dieser Mythos nur wenig mit der Realität zu tun hat, dürfte jeder Bundesbürger mit Führerschein wissen. Den Entwickler EA Black Box hindert das trotzdem nicht, den etwas anderen amerikanischen Traum vom grenzenlosen Rasen auch auf US-Highways umzusetzen – zumindest in Need for Speed: Undercover. Gut, eigentlich kennt man diese in ähnlicher Form bereits aus Most Wanted. Aber der zwölfte Teil der Rennspiel-Serie orientiert sich (nach dem enttäuschenden Vorgänger ProStreet) ohnehin wieder stark an den ursprünglichen Need for Speeds. Sprich: weniger Realismus, dafür mehr Action.

Need for Speed: Undercover : Die Fahrzeuge sehen dank hoher Polygon-Zahlen und realistischer Spiegelungen täuschend echt aus. Die Fahrzeuge sehen dank hoher Polygon-Zahlen und realistischer Spiegelungen täuschend echt aus.

Breite Straße

Die Rückkehr zu alten Tugenden bedeutet zunächst einmal, dass wir wieder eine fiktive Stadt frei erkunden und nach aktuellen Rennen abklappern dürfen. Die Undercover-Metropole Tri-City wirkt wie eine Mischung aus Miami, New Orleans und Chicago und besteht aus drei Gebieten: dem Bonzenviertel Sunset Hills, der Hafenregion Port Crescent sowie dem Wolkenkratzer-Labyrinth Palm Harbor. Zwischen den Arealen haben die Entwickler zahlreiche Autobahnen gezogen, auf denen wir den neuen »Highway Chase«-Modus ausprobieren. Das Ziel: Wir sollen möglichst schnell eine bestimmte Distanz zwischen uns und unseren Verfolger bringen. Knifflig, denn hier brettern wir ausgerechnet zur Rush Hour über den Highway, zischen links an einem LKW vorbei, streifen kurz darauf einen Minivan und weichen um Haaresbreite einem kreuzenden Schulbus aus – Wahnsinn! Der erste Eindruck: Die Hochgeschwindigkeitsrennen machen eine Menge Spaß, könnten Einsteiger aber schnell überfordern. Denn anders als in den herkömmlichen Modi bedeutet ein Unfall meist das sofortige Aus. Um dem entgegenzuwirken, dürfen wir (erstmals in der Need for Speed-Serie) Erfahrungspunkte sammeln und diese auf zehn Talentpunkte verteilen. Soll es mehr Nitro oder mehr Motorleistung sein? Sind uns gute Bremsen oder ein besseres Lenkverhalten lieber? Da wir mit diesen Werten nicht das Auto, sondern unseren Piloten verbessern, wirken sich die Eigenschaften auf alle Fahrzeuge aus, die in der Garage stehen. Trotzdem lässt das Rollenspiel-Element eine Frage offen: Was ist daran wirklich neu? Immerhin erreichte man mit Tuning schon in den Vorgängern einen ähnlichen Individualisierungseffekt – zumal das Rumschrauben am eigenen Auto in Undercover ohnehin wieder eine wichtige Rolle spielen wird. Ob und wie das neue Charaktersystem also dauerhaft motiviert, muss sich erst noch zeigen.