Mit ein Grund, warum auch heute noch die meisten Hersteller auf Retail-Versionen ihrer Spiele setzen, obwohl sie gleichzeitig auf die Digital-Distribution schwören, ist die nicht zu unterschätzende »Regal-Präsenz«. Mit dieser lässt sich auch die Neugierde von Otto-Normalverbraucher wecken, der Online vielleicht nicht auf das Produkt gestoßen wäre. Natürlich würde sich auch so mancher kleinerer Indie-Entwickler über mehr Regal-Präsenz freuen, doch die wenigsten Verleger und auch Händler zeigen Interesse daran, die kleineren Indie-Projekte statt oder parallel zu den AAA-Produktionen ins Sortiment aufzunehmen.

Grund genug für Mark Morris von Introversion Software, dem Entwickler hinter dem Strategiespiel Prisoner Architect, auf einem Panel der Reezed 2013 mal richtig aus der Haut zu fahren und mit Worten, die im wahrsten Sinne des Wortes unter die Gürtellinie gehen, gegen diese Einstellung zu wettern.

»Publisher und Einzelhändler sind F****n. Ich kann das auch erklären: Aus unserer Sicht konnten wir unsere Spiele nirgends im britischen Einzelhandel platzieren. Es gab keinerlei Interesse, irgendeinen ungewöhnlichen Titel im Sortiment aufzunehmen. Sie wollen alle nur 100 Exemplare des nächsten AAA-Titels im Regal stehen haben. Hätte sich diese Praxis fortgesetzt, hätte es die Indie-Revolution nie gegeben.«

Mittlerweile setzt Introversion bei Prison Architect auf eine kostenpflichtige Alpha, in etwa vergleichbar mit dem Finanzierungsmodell von Minecraft. Dadurch wurde das Spiel zum bisher finanziell erfolgreichsten Titel des Studios.

Chris Avellone von Obsidian Entertainment (Project Eternity) sieht es nüchtern: Spiele-Publisher und -Einzelhändler hätten, wie in jedem Geschäftsfeld, eben selten Lust, finanzielle Risiken mit ungewöhnlichen Spiel-Ideen einzugehen. Andererseits würde das eben auch dazu beitragen, dass sich unabhängige Entwickler mit ungewöhnlichen respektive nicht Massenmarkt-kompatiblen Spielen, finanziert durch alternative Geschäftsmodelle, weiter als Alternative zum AAA-Markt etablieren können.

Quelle: Eurogamer.net