Zum Thema Project Cars 2 ab 59,99 € bei Amazon.de Ende 2017 will Project Cars 2 mit donnerndem Motor ins Rennspiel-Genre brettern und alle Fans einsacken, die nicht bei Drei auf den Bäumen sind. Und damit sind wirklich alle Rennspiel-Fans gemeint, echte Sim-Profis aber auch Konsolen-Racer, die lieber mit dem Gamepad fahren wollen.

Diesen Anspruch hatte allerdings schon der Vorgänger und setzte sich damit trotz hervorragender Wertungen ein wenig zwischen die Stühle: Einsteiger wurden vom beeindruckenden Tiefgang der Simulation abgeschreckt, für viele Hardcore-Fans war Project Cars aber doch noch zu weichgespült - sie spielen bis heute lieber Assetto Corsa, Raceroom Racing oder iRacing.

Der Zeitpunkt für Project Cars erneuten Angriff auf den Sim-Thron ist aber denkbar günstig. Assetto Corsa und Raceroom haben inzwischen schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und Forza Horizon 3 dürfte viele Anfänger auf den Sim-Geschmack gebracht haben. Sofern Microsoft nicht ein eventuelles Forza Motorsport 7 als Scorpio-Launch-Titel in der Hinterhand hält, kann nur Dirt 4 Project Cars 2 noch in die Suppe spucken.

Kein Wunder, dass Project Cars 2 dieses Jahr Bandai Namcos wichtigster Titel ist. Jetzt muss diesmal nur noch der Plan aufgehen, Neulinge und Experten gleichermaßen zu begeistern.

In Frankfurt konnten wir die Pre-Alpha der Renn-Sim auf PC anspielen, haben drei Kurse ausprobiert und halten hier passenderweise drei wichtige Punkte fest, mit denen Slightly Mad Studios zumindest der eine Teil dieser Herkulesaufgabe gelingen könnte.

Nummer 1: Die Bedienung

Project Cars 2 will die beste Bedienung für jeden Spielertypen bieten. Dazu gehört auch eine umfassende Gamepad-Optimierung (gerade beim ersten Project Cars war das Fehlen einer solchen noch einer der Kritikpunkte). Konsoleros sollen mit ihrem Xbox- und PS4-Pad auch auf realistischeren Einstellungen ein gelungenes Fahrgefühl bekommen.

Project Cars 2

Auf PC lässt sich Project Cars 2 mit Xbox-Pad sehr intuitiv bedienen, allerdings waren in der Pre-Alpha zu Testzwecken auch die meisten Sim-Features deaktiviert. Also keine manuelle Schaltung, kein Kuppeln und so weiter. Auch die Deadzones des Gamepads waren uns etwas zu grob kalibriert. Das verhinderte eine wirklich feine Lenkung, aber hier handelt es sich um eine Einstellungsfrage - unterm Strich geht die Bedienung leicht und flüssig von der Hand, sofern man eben in der Lage ist, das Auto vernünftig auf der Strecke zu halten.

Das Lenkrad bleibt aber dennoch die Peripherie der Wahl, das versichert uns auch Bandai. Gerade mit realistischen Einstellungen sollen Lenkrad-Besitzer einen spürbaren Vorteil gegenüber der simplen Gamepad-Steuerung haben. Tja, nur ausprobieren durften wir das leider nicht. Als Eingabegerät stand uns nur das Gamepad zur Verfügung. Daher wissen wir auch nicht, ob sich die Force-Feedback-Effekte verbessert haben - hier war die Konkurrenz dem Vorgänger spürbar voraus.

Zumindest mit dem Gamepad kann aber die Umsetzung ins tatsächliche Fahrverhalten jetzt schon überzeugen. Oder anders: Die Autos in Project Cars 2 fahren sich klasse. Spielbar waren drei Kurse, zwei davon auf der japanischen Mt.-Fuji-Strecke, die dritte im schwedischen Arvidsjaur. In Kurven kleben die Autos (ein Mercedes C63, ein AMG GT R und dessen Rennvariante GT 3) realistisch auf dem Asphalt - oder brechen aus, wenn wir es mit dem Gas übertreiben. Und natürlich wirken sich die Streckenverhältnisse merklich auf das Fahrverhalten der Karren aus.

Nummer 2: Regen, Schnee, Hagel, Pfützen - hui!

Das Wetter in Project Cars 2 könnte zum größten Highlight des ganzen Spiels werden. In unserer Pre-Alpha wurde an den Einstellungen geschraubt, sodass im Rahmen eines Rennens diverse Wettersituationen stufenlos ineinander übergehen. Gerade drücken wir noch bei strahlendem Sonnenschein voll auf die Tube und brausen an der Konkurrenz vorbei, und im nächsten Moment zieht ein Regenschauer über die Strecke und zwingt uns, das Tempo zu drosseln, damit wir nicht im nächsten Kiesbett landen.

Das Fahrverhalten reagiert ohne Verzögerung auf die neuen Wetterbedingungen. Pfützen sammeln sich physikalisch korrekt an logischen Stellen, die Tropfen perlen von unserem Wagen. Sogar verschiedene Jahreszeiten sollen im fertigen Spiel simuliert werden.

Ein besonders extremes Erlebnis bietet die Schneestrecke in Arvisdjaur, wo in der Realität die halbe Autoindustrie ihre Winter-Tests durchführt. Auf dem vereisten und unebenen Untergrund geht es gar nicht darum, andere Fahrer zu überholen. Stattdessen müssen wir auf der Teststrecke einfach nur eine gute Rundenzeit hinlegen - und das entpuppt sich mit dem heckgetriebenen Mercedes C63 als größte Herausforderung in der ganzen Pre-Alpha-Demo.

Mehr als 80 Stundenkilometer schafft man an keiner Stelle, sobald wir das virtuelle Lenkrad einmal über die 90 Grad reißen, können wir uns von jedem Halt in der verschneiten Kurve verabschieden. Diese Strecke ist so verflucht schwierig zu schaffen, dass uns rasch der Ehrgeiz packt. Und das kann man durchaus als gutes Zeichen werten.

Nummer 3: Der Realismus

Die Fahrphysik konnte meistens überzeugen, mit einzelnen Abstrichen: Gerade in Arvidsjaur fühlte sich das Schlittern um die Kurven noch nicht wirklich nach unebenem Schneeuntergrund an, sondern eher nach glitschigem Asphalt. Aber das räumen die Entwickler auch ein: Bis zum Release wird die ganze Physik ohnehin noch gründlich überprüft, getweaked und verfeinert. Aktuell befindet sie sich auf jeden Fall auf einem guten Weg - und auf den beiden Nicht-Winter-Strecken machen die Rennen bereits jetzt jede Menge Spaß.

Streckendesign und Auto-Interieur profitieren von GPS-Abmessungenden und den Originaldaten der Hersteller. Die Cockpits der Karossen sind also erneut ein echtes Sahnestück für Petrolheads und lassen sich aus allen erdenklichen Perspektiven bewundern. Generell sieht das Spiel jetzt schon wirklich schick aus, allerdings soll die fertige Release-Version gegenüber dem Vorgänger nochmal deutlich aufpoliert werden.

Unterm Strich will Project Cars 2 mit diesen millimetergenauen Designs, dem Wetterverhalten und der überarbeiteten Bedienung das beste Fahrgefühl der aktuellen Spielegeneration erschaffen. Geht man nach unseren ersten Eindrücken mit dieser frühen Alpha-Version, sind die Slightly-Mad-Studios zumindest für Gamepad-Spieler auf einem guten Weg.

Ob diesmal aber auf Profis vollends auf ihre Kosten kommen, können wir erst beurteilen, wenn wir auch mal ein Lenkrad in der Hand hatten.