Zum Thema ab 19,99 € bei Amazon.de Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter für 35,99 € bei GamesPlanet.com Sherlock Holmes ist nicht nur der berühmteste und beste Detektiv aller Zeiten, in den letzten Jahren entpuppt er sich auch als vorbildliche Galionsfigur des Adventure-Genres. Crimes und Punishments war nach Meinung der Redaktion eines der besten Adventures 2014. Mit Sherlock Holmes: The Devil's Daughter geht die Reise ins viktorianische London dieses Jahr endlich weiter - und wir haben die Fortsetzung jetzt erstmals auf PC anspielen können.

Bei einem Besuch in der Redaktion zeigten uns die Entwickler des ukrainischen Studios Frogwares, was der neue Holmes so alles zu bieten hat. Und nach der mehrstündigen Anspiel-Session sind wir uns sicher: The Devil's Daughter erbt klar die Stärken des hervorragenden Crimes and Punishments. Es bemüht sich aber auch um einige Neuerungen, die wahrscheinlich nicht jedem Adventure-Fan zusagen.

Das kehrt zurück

Der Vorgänger Crimes and Punishments kann 2014 mit einem innovativen Adventure-Konzept punkten: Statt einfach nur Rätsel für Rätsel zu knacken, um die Handlung voranzutreiben, müssen wir dort tatsächliche Detektivarbeit leisten, wenn wir den Täter schnappen wollen. Das Spiel nimmt uns die Entscheidung nicht ab, sondern lässt bis zum Schluss offen, wen wir eines Verbrechens überführen wollen. Und es akzeptiert jede Entscheidung, die wir treffen. Sherlock Holmes: The Devil's Daughter setzt genau da an.

  • Die Episodenstruktur kehrt zurück. The Devil's Daughter bietet fünf große Fälle, die jeweils etwa drei bis fünf Stunden Spielzeit bieten sollen und durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten werden. Die dreht sich diesmal um Sherlock Holmes' Adoptivtochter (Fans von Das Testament des Sherlock Holmes werden sich erinnern). Trotzdem erzählt jedes Kapitel eine eigene, unabhängige Krimigeschichte.

  • Obwohl der erste Cinematic Trailer anderes vermuten lässt, driftet The Devil's Daughter nicht in ein übernatürliches Szenario ab, sondern bleibt dem Setting der Vorgänger treu: Im Viktorianischen London des 19. Jahrhunderts knobelt sich Holmes durch die Baker Street, Scotland Yard, Whitechapel und andere berühmte Gegenden. Bereits in der Anspieldemo sind wir sowohl in armen Arbeiterunterkünften als auch in wohlhabenden Palästen unterwegs. Mehr wissen wir über die Schauplätze noch nicht, allerdings hoffen wir, dass auch innovative Gegenden wie die Eisenbahnstecke oder das Landanwesen in Crimes and Punishments ihren Weg ins Spiel finden.

  • Erneut greift Holmes auf seinen Gefährten Watson sowie Spürhund Toby zurück. Auch die Kids der Baker-Street-Bande sind in ausgewählten Abschnitten spielbar.

  • Das Rätseldesign bleibt gewohnt interaktiv. Mit dem Cursor suchen wir NPCs auf Hinweise zu ihrer Vita ab, per Detektiv-Sicht scannen wir die Umgebung nach Beweisen. Fast jeder Gegenstand lässt sich drehen, analysieren und begutachten. Wir durchforsten unser eigenes Archiv, weil wir ein Symbol in einem Heraldik-Lexikon nachschlagen. Und wenn uns ein Typ im Gespräch Quatsch erzählt, erheben wir Einspruch und überführen ihn mit unseren Beweisen.

  • Frogwares inszeniert die Handlung auf hohem Niveau. Die Synchronsprecher machen einen guten Job, die Kamera bewegt sich dynamisch um unsere Helden und auch der Plot selbst weiß zu fesseln. In einem Fall fliegt Holmes beispielsweise eine Bombe durchs Fenster - es beginnt eine Schnitzeljagd in die Abgründe Londons.

  • Wer in einer Episode ordentlich knobelt, baut sich nach und nach ein Beweis-Cluster auf. In diesem Netzwerk können wir selbstständig Beweise miteinander verknüfen, Theorien bilden und Entscheidungen treffen, die uns am Ende zu einem der möglichen Täter führen.

  • Im Kleiderschrank der Baker Street können wir nach Wunsch Holmes' Kleidung wechseln. Mit dabei ist auch ein Mantel, der an der BBC-Serie Sherlock angelehnt ist.

Im Großen und Ganzen spielt sich The Devil's Daughter in fast allen Aspekten ähnlich wie der Vorgänger. Die Bedienung geht flott von der Hand und lässt sich sowohl mit Gamepad, als auch mit Tastatur fix erlernen.

Sherlock Holmes: The Devil's Daughter
Sherlock und Watson sind zurück, diesmal sogar mit Facelift.

Das ist neu

Adventures gehören zu einem Traditionsgenre, das sich eher selten durch spielerische Revolutionen hervortut. Trotzdem will The Devil's Daughter einige Neuerungen einbauen, die das Gameplay-Gerüst des Vorgängers um sinnvolle Elemente erweitern sollen. Und einige dieser Änderungen dürften Fans auf jeden Fall zusagen.

  • Das Spiel erscheint komplett lokalisiert in deutscher Sprache. Die fehlende Synchro war 2014 einer der größten Kritikpunkte an Crimes and Punishments seitens der Community. Hier beweist Frogwares, dass sie auf das Feedback der Fans hören. Sehr erfreulich.

  • Holmes und Watson sehen radikal anders aus. Obwohl The Devil's Daughter in derselben Story-Kontinuität wie seine Vorgänger spielt, wirkt Sherlock jetzt jünger, dynamischer und kräftiger. Und Watson erinnert verblüffend an Jude Law, der den cleveren Doktor zuletzt auf der großen Leinwand verkörpert hat. Generell orieniert sich das Spiel offenbar an der Kinovorlage mit Robert Downey Jr. Ob man das gut findet, ist letztlich Geschmackssache - uns hat der alte Sherlock besser gefallen.

  • Quick Time Events! Ein Schlagbegriff, der heutzutage nicht unbedingt positiv konnotiert ist. Nichtsdestotrotz wird The Devil's Daughter deutlich action-lastiger als der Vorgänger (der ebenfalls einige Geschicklichkeitsübungen beinhaltet). In einem Abschnitt mimt Holmes einen Exorzisten, der vorgibt, eine Wohnung zu segnen, während die Baker-Street-Bande sich als Poltergeist verkleidet. Dabei drücken wir fleißig Knöpfchen, damit die ganze Kiste gelingt. An anderer Stelle müssen wir die beiden Cursor in einem Kreis halten, während Holmes über einen Balken balanciert. Für manchen mag das das Geschehen auflockern, wir halten die QTE-Abschnitte im Vergleich zu den tollen Rätselpassagen aber für relativ belanglos.

  • Quick Time Events sind aber nicht die einzigen Mittel, die für mehr Dynamik sorgen sollen. In einem Abschnitt schleichen wir uns als Baker-Street-Junge durch die Gassen Londons, während wir eine zwielichtige Person verfolgen. Dabei dürfen wir wie bei Assassin's Creed nicht gesehen werden, klettern sogar durch einen Schornstein-Schacht und springen dann über die Dächer der Stadt. Diese direkten Action-Passagen funktionieren erstaunlich gut und lockern das Geschehen auf, weil wir die spektakulären Dingen tatsächlich tun, statt sie nur per Tastendruck zu bestätigen.

  • Man braucht seinen Detektiv-Hirnschmalz jetzt noch häufiger. Wenn wir beispielsweise einen NPC anschauen und seine Eigenschaften vermerken, gibt es jetzt mehrere mögliche Deutungen für bestimmte Merkmale. Wenn ein Junge beispielsweise rote Augen hat, können wir entweder auf einen kränklichen Gesundheitszustand schließen oder auf Tränen der Trauer. Diese Entscheidungen müssen wir verbindlich bestätigen - wer daneben liegt, verpasst wichtige Beweise. Ein sehr cooles Feature, sofern die Deutungen im Rest des Spiels fair bleiben und nicht in ein Ratespiel münden.

  • Es gibt zwei Schwierigkeitsgrade, die unter anderem bestimmen, auf wieviele Hilfs-Features wir zugreifen können. Auf Hart sieht man beispielsweise nicht, wieviele Merkmale sich an einem NPC festmachen lassen. Auf Leicht werden alle Möglichkeiten grau angedeutet.

  • Die neue Rendering-Software macht sich bemerkbar. Crimes and Punishments war 2014 schon ein echt ansehnliches Adventure, The Devil's Daughter setzt aber in puncto Animationen, Effektdichte und Texturdetails spürbar einen drauf. Vor allem die Mimik beeindruckt uns beim Anspielen. Ein klarer Pluspunkt für ein Adventure, bei dem man permanent Menschen analysiert.

Über den spannendsten Aspekt von Sherlock Holmes: The Devil's Daughter können wir an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen gar nicht reden: Die Story könnte mit ihrer interessanten und persönlichen Rahmenhandlung eine der besten der Serie werden. Allerdings haben wir von den einzelnen Fällen bisher zu wenig gesehen, um in puncto Story eine klare Tendenz geben zu können. Trotzdem: The Devil's Daughter richtet sich klar an Fans des direkten Vorgängers Crimes and Punishments - das merkt man an der Struktur des Spiels und an dem Fokus auf cleveres Rätsel-Design. Ein abschließendes Fazit gibt's dann mit der Testversion im Juni.